Bahnfahren als Strafe: Osterchaos in Mecklenburg-Vorpommern
Das Osterwochenende entwickelte sich für zahlreiche Reisende in Mecklenburg-Vorpommern erneut zu einer Geduldsprobe. Stundenlange Wartezeiten, überfüllte Züge und chaotische Zustände prägten das Bild an Bahnhöfen und in Zügen. Besonders dramatisch war die Situation in Lübeck, wo viele Menschen stundenlang ausharren mussten, weil kein Zug mehr in Richtung Mecklenburg-Vorpommern fuhr.
Grünen-Politikerin kritisiert fehlende Vorsorge
Jutta Wegner, verkehrspolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion, übt scharfe Kritik an den Zuständen. „Wenn die Bahn eher wie eine Strafe statt wie eine komfortable Alternative wirkt, läuft etwas grundlegend falsch“, stellt die Politikerin aus Neubrandenburg fest. Sie betont, dass die Probleme an Feiertagen längst vorhersehbar seien und keine Überraschung mehr darstellen sollten.
„Jedes Jahr das gleiche Schauspiel an den Feiertagen: volle Züge, überforderte Strukturen und anschließend die Verblüffung“, so Wegner weiter. Die Politikerin weist darauf hin, dass die Situation durch ein nicht besetztes Stellwerk in Nordwestmecklenburg zusätzlich verschärft wurde. „Wenn ein Stellwerk plötzlich nicht besetzt ist, zeigt das kein unvorhersehbares Ereignis, sondern fehlende Vorsorge“, kritisiert sie.
Landesregierung verweist auf hohe Auslastung
Das Landesverkehrsministerium Mecklenburg-Vorpommerns bittet unterdessen um Verständnis für die angespannte Situation. Ein Sprecher von Verkehrsminister Wolfgang Blanck erklärt, dass an Feiertagen und zu Ferienbeginn sehr viele Reisende gleichzeitig in den touristischen Regionen des Landes unterwegs seien. Zusätzlich hätten mehrere Faktoren die Situation verschärft:
- Die Einführung des Deutschlandtickets hat die Zahl der Zugreisenden deutlich erhöht
- Hohe Tankstellenpreise veranlassen viele Reisende zum Umstieg vom Auto auf die Bahn
- Eine stark ausgelastete Bahninfrastruktur mit begrenzten Kapazitäten
- Verschiedene Baumaßnahmen sorgen für Störungen im Betriebsablauf
Forderung nach flexiblen Zusatzangeboten
Jutta Wegner hält die Argumentation der Landesregierung für zu kurz gegriffen. „Es geht nicht um Dauer-Überkapazitäten, sondern um flexible und verlässlich abrufbare Zusatzangebote für absehbare Spitzenzeiten“, macht die Grünen-Politikerin deutlich. Feiertage und lange Wochenenden seien keine Zufälle, sondern planbare Nachfrage-Höchstzeiten, für die entsprechende Vorkehrungen getroffen werden müssten.
Die Politikerin fordert belastbare Personalreserven und bessere Planung für Spitzenzeiten. Fahrgäste dürften nicht stundenlang ohne Versorgung, Wetterschutz und verlässliche Informationen stranden – ein Problem, das seit Jahren bekannt sei, aber nicht gelöst werde.
Maßnahmen der Landesregierung
Das Verkehrsministerium betont, dass das Land nicht untätig gewesen sei. Bereits umgesetzte und geplante Maßnahmen umfassen:
- Seit Dezember wird auf der RE3 zwischen Berlin und Stralsund ein Stundentakt angeboten
- Zwischen Berlin und Neustrelitz fährt seit Anfang April ein zusätzlicher Zug an den Wochenenden
- Die RE5 zwischen Berlin und Rostock ist seit Anfang April wieder mit maximaler Kapazität unterwegs
- Verlängerung von Bahnsteigen zwischen Rostock und Hamburg sowie zwischen Stralsund, Neubrandenburg und Neustrelitz
Durch die Bahnsteigverlängerungen sollen perspektivisch längere Züge eingesetzt werden können, um mehr Kapazitäten zu schaffen. Dennoch bleibt die Frage, ob diese Maßnahmen ausreichen, um das wiederkehrende Chaos an Feiertagen und in Ferienzeiten nachhaltig zu beenden.



