Bäckerei-Pleitewelle in Mecklenburg-Vorpommern: Handwerkskammern schlagen Alarm und fordern Rettungsmaßnahmen
Bäckerei-Pleitewelle in MV: Handwerkskammern schlagen Alarm

Bäckerei-Pleitewelle in Mecklenburg-Vorpommern: Handwerkskammern schlagen Alarm und fordern Rettungsmaßnahmen

Eine besorgniserregende Entwicklung zeichnet sich in Mecklenburg-Vorpommern ab: Immer mehr traditionelle Bäckereien kämpfen ums Überleben und müssen Insolvenz anmelden oder stehen kurz vor der Schließung. Die Handwerkskammern des nordöstlichsten Bundeslandes haben nun eindringlich vor einem weiteren Rückgang handwerklicher Bäckereien gewarnt und fordern dringende Gegenmaßnahmen.

Dramatischer Rückgang der handwerklichen Bäckereien

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Waren es im Jahr 2000 noch 311 handwerkliche Bäckerbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern, so sank diese Zahl bis 2015 auf 197 Betriebe. Heute bieten nur noch 132 Bäckerbetriebe ihre frischen Produkte an – ein Rückgang von über 57 Prozent innerhalb von 26 Jahren. Besonders betroffen ist der ländliche Raum, wo Bäckereien oft die einzige wohnortnahe Versorgung mit frischen Backwaren darstellen.

Axel Hochschild, Präsident der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern, betont: „Hohe Energie- und Materialkosten, zeitraubende Bürokratie sowie steigende Lohnzusatzkosten nehmen den kleinen und mittleren Handwerksbetrieben die Luft zum Atmen.“ Die Betriebe stehen unter massivem wirtschaftlichem Druck, der durch den harten Wettbewerb mit Discountern und Tankstellen noch verschärft wird.

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Discounter-Preise als unlösbare Herausforderung

Ein besonders drängendes Problem stellt der Preiskampf mit großen Handelsketten dar. Während Discounter mit Brötchenpreisen von nur 19 Cent werben, können handwerkliche Betriebe aufgrund ihrer personalintensiven Vor-Ort-Produktion nicht mithalten. Die traditionelle handwerkliche Herstellung mit frischen Zutaten und individueller Betreuung wird durch diese Preispolitik zunehmend unrentabel.

Präsident Uwe Lange von der Handwerkskammer Schwerin weist auf ein weiteres strukturelles Problem hin: „Hinzu kommt, dass in vielen Betrieben vor allem in den ländlichen Regionen Betriebsnachfolger fehlen. Dabei könnten sich Übernehmer oder Neugründer mit Ideen wie Manufakturen oder Bioprodukten zukunftsorientiert aufstellen.“

Gefährdung regionaler Wirtschaftskreisläufe

Die Handwerkskammern sehen im Wegbrechen regionaler Strukturen eine grundlegende Ursache für die Krise. Von Mühlen bis hin zu Schlachtereien – wenn regionale Zulieferer verschwinden, können auch die regionalen Wirtschaftskreisläufe im Nahrungsmittelhandwerk nicht mehr stabil funktionieren.

In einem Flächen- und Agrarland wie Mecklenburg-Vorpommern gefährdet dies nicht nur traditionelle Produkte und immaterielles Kulturerbe wie die deutsche Brotkultur, sondern auch gewachsene Versorgungssysteme. Die Bäckereien sind oft mehr als nur Verkaufsstellen – viele betreiben Verkaufswagen, die nicht mobile Einwohner in abgelegenen Gebieten versorgen.

Konkrete Forderungen der Handwerkskammern

Die Handwerkskammern fordern jetzt eine spürbare Entlastung für die bedrohten Betriebe:

  • Senkung der Energie-, Material- und sonstigen Betriebskosten durch wirksame politische Maßnahmen
  • Konsequenter Abbau bürokratischer Hürden
  • Wiedererreichen der 40-Prozentmarke bei den Lohnzusatzkosten zur Sicherung von Beschäftigung und Ausbildung
  • Intensivere Unterstützung von Existenzgründern und Betriebsnachfolgern

„Die 40-Prozentmarke bei den Lohnzusatzkosten muss dringend wieder erreicht werden, um Beschäftigung und Ausbildung im Handwerk zu sichern“, so die einhellige Forderung der Handwerkspräsidenten. Nur durch gezielte politische Maßnahmen könne das traditionelle Bäckerhandwerk und die wohnortnahe Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern erhalten bleiben.

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