Lebendige Geschichte: Cowboys und Indianer kehren an die Gadebuscher Ellerbäk zurück
Seit mehr als zehn Jahren hat die Kulturgruppe für Indianistik und Westernhistorie ihren festen Platz im Indianercamp an der Gadebuscher Ellerbäk gefunden. Regelmäßig treffen sich die begeisterten Anhänger historischer Darstellungen in der norddeutschen Stadt, um das Amerika des 18. Jahrhunderts wiederaufleben zu lassen. Beim jüngsten Frühjahrscamp eroberten dutzende Enthusiasten das Gelände und tauchten tief in die Vergangenheit ein.
Authentische Darstellungen vom US-Marshal bis zum Goldsucher
Der dreizehnjährige Noah Müller aus Husum verbrachte gemeinsam mit seinem Vater Ergin Meyer fünf Tage im Camp. Ausgestattet mit dunkelblauem Mantel, schwarzem Hut und historischem Geschirr aus Metall und Ton passten sie sich dem Leben amerikanischer Südstaatler Ende des 18. Jahrhunderts an. In unmittelbarer Nachbarschaft hatte US-Marshal Claus Kasten aus Schillsdorf bei Neumünster Quartier bezogen. Der frühere Tischler und Tiefbauer baute vor acht Jahren ein eigenes Holzhaus auf dem bereits zu DDR-Zeiten als Indianergebiet genutzten Areal.
„Aufgrund meiner Stimme und Körperlänge kann ich eigentlich nur der US-Marshal hier sein“, erklärte Kasten mit einem Lachen. Seine tiefe Stimme und klaren Anweisungen seien als Ordnungshüter im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg unverzichtbar gewesen – eine Rolle, die er wie kein Zweiter ausfüllen könne.
Nord- und Südstaatler beleben das historische Treffen
Während Müller und Meyer die Südstaatler repräsentierten, führte Captain Thorsten Schünzel aus Haustedt bei Hannover eine zwölfköpfige Truppe von Nordstaatlern an. „Auf größeren Treffen ist diese Truppe auch dabei, wenn Gefechte des Bürgerkrieges nachgestellt werden“, erläuterte der 57-Jährige. In Gadebusch tragen sie dazu bei, die verschiedenen Gruppen des früheren Unabhängigkeitskrieges authentisch darzustellen.
Ergin Meyer betonte die Bedeutung ihrer Arbeit: „Wir wollen mit unseren Auftritten an die Geschichte erinnern. In Schleswig-Holstein sind eher Wikinger-Gruppen anzutreffen. Deshalb sind wir dankbar, dass wir das Gelände hier in Gadebusch nutzen dürfen.“
Zweimal jährliches Treffen mit Tradition und Leidenschaft
Uwe Hemke, erster Ansprechpartner der Kulturgruppe, brachte vor etwa zwölf Jahren gemeinsam mit anderen Interessierten Cowboys und Indianer an die Ellerbäk zurück. Beim Ostercamp stellte der 61-jährige Hamburger einen Goldsucher Kaliforniens aus dem Jahr 1849 dar. „Das waren häufig deutsche Auswanderer und passten zu Amerika in die Zeit“, erklärte Hemke die historische Wahl.
Zweimal im Jahr versammelt sich die Gruppe in Gadebusch, um ihrer Leidenschaft nachzugehen und an die amerikanische Geschichte zu erinnern. Dazu gehören auch Schießübungen mit historischen Waffen auf dem Schießplatz in Wakenstädt. „Unsere historischen Waffen müssen richtig benutzt werden können. Deshalb ist es super, dass wir dort üben und trainieren können“, so Hemke. Schon jetzt freue er sich auf das nächste Treffen im Herbst, das wieder an der Gadebuscher Ellerbäk stattfinden wird.



