Von Shanghai nach Schwerin: Ein neues Kapitel für einen Ex-Geschäftsmann
Nach 25 Jahren in China hat Martin Wachholz einen radikalen Wechsel vollzogen. Statt in der geschäftigen Metropole Shanghai zu arbeiten, eröffnete er in Schwerin, Mecklenburg-Vorpommern, einen Fahrradladen namens „e-motion e-Bike Welt Schwerin“. Der Laden, der sich in einer ehemals verlassenen Passage am Bleicher Ufer befindet, bietet eine breite Palette an E-Bikes und Dreirädern für verschiedene Zielgruppen.
Persönlicher Service statt harter Geschäftswelt
Im Gegensatz zu seiner früheren Tätigkeit als Geschäftsführer für deutsche Handelsunternehmen in China schätzt Wachholz nun den engen Kontakt zu seinen Kunden. „Die Arbeit hier ist unglaublich persönlich“, erklärt er. „Ich höre viele Familiengeschichten und werde sogar zum Mittagessen eingeladen.“ Ein Beispiel ist Peter, ein über 80-jähriger Kunde, der stolz von seinen drei Apps für sein neues E-Bike berichtet und mehrmals vorbeikam, um es perfekt anzupassen.
Leben und Arbeit in Asien: Eine lange Reise
Wachholz‘ Karriere in Asien begann mit Stationen in Thailand und Indonesien, wo er seine Frau Franziska kennenlernte. 1998 zogen sie nach Shanghai, wo er anfangs einen Kulturschock erlebte. „Ich sah zwei Leute, die sich lautstark unterhielten, und dachte, sie würden sich gleich streiten“, erinnert er sich. „Dabei redeten sie nur übers Wetter.“ Trotz anfänglicher Herausforderungen verbrachte er 25 Jahre in China, gründete eine Familie und erlebte den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes.
Doch die Veränderungen in China, insbesondere nach der Corona-Pandemie, führten zu einer düsteren Stimmung in der Geschäftswelt. „Die Zusammenarbeit mit europäischen Firmen wurde zurückgefahren, und der Job machte keinen Spaß mehr“, sagt Wachholz. Als seine Kinder nach dem Abitur China verlassen mussten, folgte die Familie drei Jahre später nach Deutschland.
Neuanfang in Schwerin: Ein Franchise-Unternehmer entsteht
Zurück in Deutschland suchte Wachholz nach einer neuen Herausforderung. Als begeisterter Fahrradbastler seit seiner Jugend bewarb er sich bei dem E-Bike-Fachhändlernetzwerk „e-motion“ und gewann den Franchise-Posten gegen 400 Mitbewerber. Ursprünglich plante er einen Laden in der Lüneburger Heide, doch das Unternehmen empfahl Schwerin aufgrund des hohen E-Bike-Bedarfs und geringen Angebots an Elektro-Dreirädern für Erwachsene.
Schwerin gefiel ihm sofort, und noch vor der offiziellen Eröffnung verkaufte er erste Dreiräder aus seinem Auto. Heute belebt sein bunter Laden mit E-Bikes für Mountainbiker, Rennradfahrer, Trekking-Freunde, Städter und Kinder die ehemals geisterhafte Passage. Seine Frau Franziska packt im Geschäft mit an, und die Werkstatt repariert auch Fahrräder von Kunden.
Lebensqualität und neue Freiheiten
Ein Jahr nach der Eröffnung fühlt sich Wachholz wohl in Schwerin. „Die Stadt ist herrlich entspannt“, sagt er. „Die Lebensqualität ist unendlich höher als in Shanghai.“ Er genießt es, nicht mehr aufzufallen und jederzeit ohne Maske Fahrradtouren unternehmen zu können – im Gegensatz zu Shanghai, wo er oft die Luftqualität prüfen musste. Sein Lieblingsort ist die Kneipe „Freischütz“ am Ziegenmarkt, die er als lustig und seinem Geschmack entsprechend beschreibt.
Mit seinem Laden trägt Wachholz nicht nur zur Belebung der Stadt bei, sondern findet auch persönliche Erfüllung in einer entspannteren Umgebung. Die Adresse des Ladens lautet Bleicherufer 11 in Schwerin, mit Öffnungszeiten von Montag bis Freitag 9–18 Uhr und Samstag 10–16 Uhr.



