Feuerwehr Kuhs: Seit 150 Jahren ohne Sanitäranlagen – Neubau verzögert sich
Feuerwehr ohne Toilette seit 150 Jahren – Neubau verzögert

Feuerwehr Kuhs: 150 Jahre ohne grundlegende Sanitäreinrichtungen

Im beschaulichen Kuhs bei Güstrow steht die örtliche Feuerwehr vor einem skurrilen wie ernsten Problem: Seit ihrer Gründung vor 150 Jahren verfügt das Feuerwehrgebäude weder über ein Waschbecken noch über eine Toilette. Der aktuelle Zustand ist mehr als prekär – das Gebäude besteht aus einem winzigen, veralteten Bau und zwei Containern, die kaum den Mannschaftswagen beherbergen können.

Brandneues Fahrzeug muss extern geparkt werden

Besonders kritisch ist die Situation für das vor zwei Jahren beschaffte Tragkraftspritzenfahrzeug (TSFW). Für das moderne Einsatzfahrzeug gibt es keinen Stellplatz am Feuerwehrhaus, sodass es aktuell in einer extern angemieteten Lagerhalle untergebracht werden muss. „Bei einem Einsatz müssen wir das Fahrzeug erst abholen, was wertvolle Zeit kostet“, erklärt Bürgermeister Ulf Kalisch, der zugleich als Wehrführer fungiert. Diese Verzögerung könnte im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden.

Förderbescheid bringt gemischte Gefühle

Zwar hat die Gemeinde seit drei Jahren eine Baugenehmigung für ein neues Feuerwehrgebäude, doch immer wieder standen Hindernisse im Weg. Anfang Februar überreichte Innen- und Bauminister Christian Pegel einen Fördermittelbescheid über 178.500 Euro aus dem neuen 50-Millionen-Euro-Programm für Feuerwehrgerätehäuser. Doch die Freude in Kuhs hält sich in Grenzen, denn der Bescheid kam mit erheblicher Verzögerung.

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„Eigentlich waren wir nach dem alten Förderprogramm startklar, doch dann wurde alles neu geregelt“, so Bürgermeister Kalisch. Die neuen Regelungen, die durch Mittel aus dem Sondervermögen des Bundes finanziert werden, kommen für Kuhs zur Unzeit – die Planungen für das dringend benötigte Gebäude waren bereits abgeschlossen.

Zweistufiger Bau mit bescheidenem Komfort

Das geplante Multifunktionsgebäude soll insgesamt 412.000 Euro kosten und wird in zwei Bauabschnitte unterteilt. Im ersten Abschnitt entstehen:

  • Eine Fahrzeughalle mit zwei Stellplätzen
  • Ein Technikraum mit kleiner Werkstatt
  • Endlich eine Toilette

„Damit wären wir wenigstens wieder richtig einsatzfähig“, erklärt Kalisch. Die eigentlichen Sanitärräume müssen jedoch bis zum zweiten Bauabschnitt warten, der auch Schulungsräume und ein Büro umfassen soll.

Kleine Gemeinde mit großer Verantwortung

Die Feuerwehr Kuhs mit ihren 15 aktiven Kameradinnen und Kameraden ist für die 320 Einwohner der Gemeinde unverzichtbar. „Wir rücken nicht nur lokal aus, sondern gehören zu Ausrückegemeinschaften und unterstützen auch Nachbarorte“, betont der Wehrführer die Bedeutung der Einheit.

Der Neubau soll auf einem gemeindeeigenen Grundstück direkt gegenüber dem aktuellen Standort entstehen. Kalisch hofft auf eine Fertigstellung des ersten Bauabschnitts im Frühjahr 2027. „Ein Teil der Arbeiten wollen wir in Eigenleistung erbringen“, verrät er. Wann der zweite Bauabschnitt realisiert werden kann, bleibt vorerst ungewiss.

Die Situation in Kuhs zeigt exemplarisch, wie selbst grundlegendste Infrastruktur in ländlichen Regionen oft Jahrzehnte lang vernachlässigt wird – und wie bürokratische Hürden dringende Bauvorhaben zusätzlich verzögern können.

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