Feuerwehr-Affäre in Mecklenburgische Seenplatte: Vorsitzender verliert Vertrauensfrage nach Polizeivorfall
Feuerwehr-Vorsitzender verliert Vertrauensfrage nach Polizeivorfall

Feuerwehr-Vorsitzender verliert Vertrauensfrage nach Polizeivorfall

In einer dramatischen Abstimmung haben die Feuerwehrleute der Mecklenburgischen Seenplatte ihrem Kreisverbandsvorsitzenden Stephan Drews am Sonnabend in Bollewick das Vertrauen entzogen. Bei einer geheimen Wahl stimmten 200 Delegierte aller Feuerwehren des Landkreises über die vom Verband gestellte Vertrauensfrage ab.

Klares Votum gegen den Vorsitzenden

Das Ergebnis fiel eindeutig aus: 144 Kameraden votierten mit "nein", nur 25 sprachen sich für Drews aus, 27 enthielten sich und 4 Stimmzettel waren ungültig. Hannes Müller, Präsident des Landesfeuerwehrverbands Mecklenburg-Vorpommern, gab das Abstimmungsergebnis am Ende der fünfstündigen Konferenz bekannt, das von den Anwesenden weitgehend reaktionslos aufgenommen wurde.

"Sprechen Sie dem Vorsitzenden des Kreisfeuerwehrverbandes MSE das Vertrauen aus", lautete die einzige Frage auf den Stimmzetteln. Die Auszählung der Stimmen erfolgte in einem Nebenraum des Versammlungssaals in Bollewick unter strenger Geheimhaltung.

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Polizeivorfall als Auslöser

Ursache für diese unvorhersehbare Entwicklung war ein Vorfall vom 18. März in Friedland. An jenem Mittwoch, nur drei Tage vor der turnusmäßigen Delegiertenversammlung, soll es zu einem Polizeieinsatz gekommen sein, bei dem Stephan Drews einen Polizisten verletzt haben soll. Das Polizeipräsidium Neubrandenburg bestätigte am Sonntag weder den Einsatz noch Einzelheiten des mutmaßlichen Vorfalls und verweigerte auf Nachfrage jede Auskunft.

Landrat Thomas Müller (CDU) hatte Drews bereits am 20. März, einen Tag vor der entscheidenden Sitzung, von seinem Dienst als Kreiswehrführer suspendiert. "Das Verbot der Führung der Dienstgeschäfte ist notwendig, um eine dienst- und disziplinarrechtliche Prüfung des mir am 18. März übermittelten Sachverhaltes vornehmen zu können", begründete der Landrat seine Entscheidung.

Rücktritt wahrscheinlich

Mit dem klaren Misstrauensvotum dürfte das Ende der Amtszeit des 45-jährigen Feuerwehrmanns aus Friedland besiegelt sein. In Insider-Kreisen heißt es, Drews habe jetzt nur noch zwei Möglichkeiten: freiwillig zurücktreten oder eine baldige Abwahl abwarten. Sollte Letzteres eintreten, bliebe ihm lediglich der unwahrscheinliche Schritt, gegen die Amtsenthebung zu klagen. Bis zum Abschluss aller Verfahren ist er jedenfalls beurlaubt.

Interne Konflikte und Abwahl-Antrag

Bereits am Vortag des 18. März hatte der ehemalige Kreiswehrführer Norbert Rieger einen Antrag auf Abwahl Stephan Drews' eingereicht. Rieger begründete seinen Eilantrag unter anderem damit, dass "die Fähigkeit zur friedlichen Lösung von Konflikten und ein untadeliges Verhalten nicht ausreichend vorhanden" seien. Die Delegierten lehnten diesen Antrag jedoch ab und ließen ihn nicht einmal auf die Tagesordnung setzen.

In einer offenen Wahl sprachen sich 79 Feuerwehrleute gegen eine Abstimmung über den Antrag aus, nur 24 befürworteten die Aufnahme in die Tagesordnung, während sich 112 Kameraden enthielten. Rieger kündigte daraufhin seinen Austritt aus dem Kreisfeuerwehrverband an.

Politiker zeigen sich besorgt

Kreistagspräsident Thomas Diener (CDU) zeigte sich am Rednerpult und am Rande der Versammlung deutlich betroffen. "Ich kenne die Person seit 13 Jahren und auch die Strukturen im Verband, und mir fällt das erhöhte Maß an Fluktuation im Vorstand auf", sagte der Politiker aus Möllenhagen.

Diener erinnerte daran, dass Stephan Drews bereits der dritte Feuerwehrmann in Folge ist, der seine kreisweite Führungsposition auf ungewöhnlichem Weg beendet. Nach Norbert Riegers unerwartetem Rücktritt 2020 hatte Enrico Kollhoff aus Carpin den Posten inne, bevor er im November 2023 ebenfalls überraschend zurücktrat. Ende 2025 waren auch der stellvertretende Kreiswehrführer Thomas Kahle und Beisitzer Stefan Schulz ausgeschieden.

"Es gibt Differenzen und Probleme an verschiedenen Stellen", kommentierte Thomas Diener die Situation, "aber so einen Scheiß hatten wir noch nie. Es muss gelingen, den Kreisfeuerwehrverband nach außen und innen besser aufzustellen. Wir können uns nicht erlauben, nicht handlungsfähig zu sein."

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Der Kreistagspräsident betonte die besonderen Herausforderungen des Ehrenamts: "Das Ehrenamt als Feuerwehrchef verlange jedem 'ein hohes Maß an Resilienz' ab und sei seit der Corona-Pandemie 'noch schwieriger geworden'. Das ist kein Spaß mehr. So kann es nicht weitergehen, sonst fällt der nächste ins nächste Loch."

Feuerwehr-Urgestein mahnt zur Besonnenheit

Josef Augustin, Feuerwehr-Urgestein, früherer Kreiswehrführer und Ehrenkreisbrandmeister, schlug in dieselbe Kerbe. "Probleme müssen gesagt werden, aber dass sie überall breitgetreten werden, das wollen wir in Zukunft nicht mehr machen", mahnte der 81-Jährige unter dem Beifall seiner einstigen Schützlinge.

Augustin betonte, dass eine Grenze überschritten sei, wenn Führungskräfte unter Druck vorzeitig abdanken: "Wir können so ein Theater nicht gebrauchen."

Landrat lobt diszipliniertes Verhalten

Landrat Thomas Müller lobte die versammelten Kameraden für ihr "trotz angespannter Situation sehr diszipliniertes und sachliches" Verhalten. Die fachliche Eignung Stephan Drews' sei "nach 20 Jahren in Führungspositionen in keinerlei Hinsicht infrage zu stellen".

"Er ist Feuerwehrmann durch und durch. Feuerwehr ist sein Leben, das sagt er immer wieder, und das glaube ich ihm", so Müller. Allerdings müsse der Vorfall vom 18. März "aufgearbeitet werden". "Ich habe jetzt jeden Tag mit ihm telefoniert, auch gestern Abend. Eine Suspendierung spricht man nicht aus Jux und Tollerei aus."

Ausblick und Reaktion des Betroffenen

Bis auf Weiteres bleibt Drews suspendiert. Der Landrat geht davon aus, dass sich der Kreisfeuerwehrverband mit seinen 7700 Mitgliedern neu aufstellen muss. Stephan Drews selbst war am Sonnabend nicht in Bollewick anwesend, erklärte aber am Sonntag telefonisch, sich zunächst nicht äußern, jedoch eventuell in einigen Tagen an die Öffentlichkeit treten zu wollen.

Die seit Dezember andauernde Fehde um Drews' drittes Ehrenamt als Gemeindewehrführer in Friedland hat mit den jüngsten Entwicklungen indirekt zu tun. Friedlands Bürgermeister Frank Nieswandt (Die Linke) hatte Drews über Monate hinweg dreimal die Ausübung des Postens untersagt und ihm Hausverbote im Feuerwehrhaus ausgesprochen, was Verwaltungsgericht und Kreisverwaltung jedoch für ungerechtfertigt befanden.