Fischer fordern dringend Lockerungen beim Kormoran-Management
Die Fischer in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg appellieren mit Nachdruck an die Politik, die bürokratischen Hürden im Kormoran-Management zu reduzieren und deutlich mehr Eingriffe bei Raubvögeln und Raubtieren zu ermöglichen. „Wenn wir wollen, dass die Fischerei mehr heimischen Fisch produziert, müssen mehr Eingriffe bei Raubvögeln und Raubtieren möglich sein“, betonte Sebastian Paetsch, der Präsident des Landesfischereiverbandes Mecklenburg-Vorpommern, während der Jahrestagung des Verbandes in Waren an der Müritz.
Importe aus Asien statt Förderung der heimischen Fischerei
Derzeit importiert Deutschland vor allem Fisch aus asiatischen Aquakulturanlagen, anstatt die einheimische Fischerei angemessen zu unterstützen. Paetsch wies darauf hin, dass allein im Ostseeraum etwa 600.000 Kormorane leben. „Da kann einem keiner mehr erzählen, dass diese Art bedroht ist“, erklärte er und forderte, dass der Schutzstatus bei der EU, ähnlich wie beim Wolf, endlich stark gelockert werden müsse.
Herausforderungen durch Raubtiere und bürokratische Hürden
Paetsch kritisierte, dass der Naturschutz in Politik und Gesellschaft oft an der Wasseroberfläche ende, weil Fische nicht gestreichelt werden könnten. Er bezog sich dabei auf sogenannte Prädatoren wie Kormorane, Robben und Fischotter. „Nur weil in einigen Reusen ein paar tote Robben gefunden werden, dürfe man nicht die gesamte Fischereibranche in Sippenhaft nehmen“, argumentierte er. Trotz aller Fischerei hätten sich die Bestände von Robben und Fischottern stark entwickelt.
In Mecklenburg-Vorpommern arbeiten weiterhin rund 350 Frauen und Männer in der Binnenfischerei, während die Küstenfischer unter stark rückläufigen Fangquoten in der Ostsee leiden. Lars Dettmann, Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes Berlin-Brandenburg, betonte: „Der Fischer gilt als ältester Beruf und ist identitätsstiftend“. Für eine Zukunft der Branche in Deutschland seien drastische Änderungen unerlässlich.
Wissenschaftliche Erkenntnisse und Forderungen der Fischer
Wissenschaftliche Analysen aus Dänemark zeigen, dass Kormorane in der westlichen Ostsee jährlich bis zu 15 Millionen Jungdorsche fressen. Bei einer Reproduktion von 4 bis 17 Millionen Jungtieren pro Jahr sei die Erholung der Bestände ohne Maßnahmen gegen Kormorane kaum möglich. „Da kann man die Fischerei völlig herunterfahren, aber die Bestände werden sich nie erholen, wenn man nichts gegen die Kormorane tut“, meinte Dettmann.
Hannes Wagner, der die bekannten Lewitz-Karpfenteiche in Westmecklenburg bewirtschaftet, klagt über die hohen bürokratischen Hürden. „Ich habe den Eindruck, dass sich Fischereiwirtschaft und Naturschutz sozusagen entkoppelt haben“, sagte der 32-Jährige. Er müsse jedes Jahr neu nachfragen, ob er Kormorane vergrämen dürfe, und stoße oft auf Unverständnis. „Wir brauchen endlich eine Linie, die die Politik vorgeben muss und die es den Fischern wirklich einfacher macht“, forderte Wagner, was auch für die überbordende Statistik gelte.
Wirtschaftliche Bedeutung und touristische Abhängigkeit
Im Nordosten Deutschlands arbeiten laut Ministerium etwa 50 Betriebe der Binnenfischerei, die zusammen einen jährlichen Umsatz von 22 Millionen Euro erzielen. Pro Jahr werden rund 400 Tonnen Fisch an Land gezogen, darunter vor allem Aal, Maränen, Hecht, Zander und Schleie. Viele Fischer sind zudem stark vom Tourismus abhängig, was die wirtschaftliche Bedeutung der Branche unterstreicht.
Die Fischer fordern daher eine klare politische Linie, die sowohl den Naturschutz berücksichtigt als auch die Produktion von gesundem, heimischem Fisch fördert, um die Importabhängigkeit zu reduzieren und die Zukunft der Fischerei in Deutschland zu sichern.



