Ende einer Ära auf Hiddensee: Letzter Bäcker schließt und sucht Heime für Katzen
Auf der Ostseeinsel Hiddensee geht eine jahrzehntelange Tradition zu Ende. Die Familie Kasten hat nach drei Generationen die einzige Bäckerei der Insel für immer geschlossen. Der letzte Inhaber, Andreas Kasten, verlässt die Insel und wandert aus – sein Ziel ist entweder Schweden oder Polen, wie er selbst erklärt.
Wirtschaftliche Gründe zwingen zur Schließung
Der 67-jährige Bäcker führt mehrere Gründe für die Schließung an: „Erst Corona, dann die Ampel, und jetzt wird alles immer teurer – es lohnt sich nicht mehr.“ Das Familienunternehmen im Kirchweg in Kloster wurde noch im Jahr 2010 für 750.000 Euro modernisiert, doch inzwischen rechne sich der Betrieb nicht mehr. Besonders problematisch sei die saisonale Abhängigkeit: „Alle Einnahmen müssen im Sommerhalbjahr erwirtschaftet werden. Im Winter kommt hier keiner.“
Das gesamte Anwesen mit zwei Wohnungen, Bäckerei, Nebengebäude und 1440 Quadratmetern Grundstück steht nun für 1,2 Millionen Euro zum Verkauf. „Letztes Jahr wären es noch 2,4 Millionen gewesen, aber der Makler sagt, inzwischen geht das nicht mehr“, so Kasten. Sobald der Verkauf abgeschlossen ist, wird er die Insel verlassen.
Das Katzenproblem: Von einer zur Herde
Doch bevor Andreas Kasten Hiddensee verlassen kann, muss er ein ungewöhnliches Problem lösen: Auf dem Gelände der ehemaligen Bäckerei leben noch etwa 30 Katzen, die dringend neue Heime benötigen. „Vor einem Jahr waren es noch über 100 Stück. Jetzt sind es vielleicht noch 30“, schätzt der Bäcker.
Die Geschichte der Katzenkolonie begann vor neun Jahren, als eine Angestellte ihre Katze zurückließ. Später kam eine weitere Katze einer Abwäscherin hinzu, und schließlich wurden zwei Karthäuser von Rügen auf dem Gelände ausgesetzt. „Auf einmal waren die da“, erinnert sich Kasten. Im Sommer füttern Touristen die Tiere mit kleinen Tütchen, die sie im Laden kaufen. „Manchmal sind zehn bis 15 Kinder vor dem Haus und verfüttern diese kleinen Tüten.“
Tierschutzaktion und Vermittlungsbemühungen
Im vergangenen Jahr kamen endlich Tierschutzvereine vom Festland zur Hilfe. Gemeinsam mit einem Tierarzt, der monatlich auf die Insel kommt, wurden alle Katzen kastriert – insgesamt 97 Tiere. „Elf habe ich bezahlt, die anderen der Tierschutz“, erklärt Kasten. Viele Tiere konnten bereits vermittelt werden, sowohl auf Hiddensee selbst als auch nach Rügen, Stralsund und weiter entfernte Orte.
Für die verbliebenen Katzen hat Kasten ein besonderes Vermittlungskonzept entwickelt:
- Schilder am Straßenrand weisen auf die „Hiddenseer Bäckerkatzen zu vermitteln“ hin
- Die Tiere werden kastriert, gechipt und geimpft verschenkt
- Transportboxen sind vorrätig, eigene Körbe werden aber bevorzugt
- Kasten sucht bewusst nach verantwortungsvollen Besitzern
„Einem chinesischen Restaurant würde ich keine geben“, scherzt der Bäcker. Stattdessen beobachtet er potenzielle Interessenten genau: „Wenn jemand mehrere Tage immer wieder kommt, sich mit den Katzen beschäftigt, sich anfreundet und hin- und herüberlegt, dann weiß ich, dass das die richtigen Leute sind.“
Robuste und zutrauliche Tiere
Die verbliebenen Katzen beschreibt Kasten als freundlich, zutraulich und „sehr robust“. Die ältesten Tiere sind etwa acht Jahre alt, die jüngsten wurden im vergangenen Jahr geboren. „Die werden nicht oft krank“, betont der Bäcker. Er selbst will keine der Katzen behalten, wenn er die Insel verlässt.
Interessenten können Andreas Kasten direkt vor Ort ansprechen – „Ich sitze fast immer vor dem Haus“ – oder die ehemalige Bäckerei Kasten auf Facebook kontaktieren. Der Bäcker hofft, dass sich im Laufe des Sommers für alle verbliebenen Stubentiger ein liebevolles Zuhause findet.



