Querdenker und Bürgermeister: Hiddensees Thomas Gens will in den Schweriner Landtag
Hiddensees Bürgermeister Gens kandidiert für Landtag

Bürgermeister von Hiddensee will in den Schweriner Landtag

Thomas Gens, der seit über 15 Jahren als Bürgermeister der sonnenreichen Ostsee-Insel Hiddensee amtiert, hat seine Kandidatur für den Schweriner Landtag angekündigt. Der 56-Jährige will als parteiloser Direktkandidat im Wahlkreis 34 - östliches Rügen - antreten und damit ein politisches Experiment wagen.

Von der Friedensdemo zur Landtagskandidatur

Bei einem sogenannten "Friedensfest" in Bergen auf Rügen Anfang April stand Thomas Gens gemeinsam mit dem umstrittenen sächsischen Schauspieler Uwe Steimle auf der Bühne. Vor jubelndem Publikum verkündete der Hiddenseer Bürgermeister seine Landtagskandidatur. Steimle begrüßte bei der Veranstaltung auch AfD-Bundeschef Tino Chrupalla als "meinen lieben Freund".

Gens, der bundesweit für polarisierende Meinungsäußerungen bekannt ist und dem oft Nähe zur teils rechtsextremen AfD vorgeworfen wird, begründet seinen Schritt mit breitem Zuspruch aus der Bevölkerung. Allein bei der Friedensdemo in Bergen seien fast die hundert notwendigen Unterstützerunterschriften zusammengekommen.

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Themen und politische Positionen

Die zentralen Themen des Kandidaten sind:

  • Migration und deren Auswirkungen
  • Inflation und wirtschaftliche Belastungen
  • Krieg und internationale Konflikte
  • Corona-Maßnahmen und deren Folgen
  • Wahrgenommenes Versagen der Politik

In sozialen Medien, wo ihm rund 26.000 Menschen auf Facebook, Instagram und TikTok folgen, teilt Gens regelmäßig seine Positionen. Zu den hohen Spritpreisen schrieb er: "Die müssen runter – und diese Politik gehört abgewählt. Punkt."

Unabhängigkeit und Gesprächsbereitschaft

"Ich bin unabhängig und will das auch bleiben - fern jeder Ideologie", betont der 56-Jährige im Gespräch mit dem Nordkurier. Von der sogenannten politischen Brandmauer nach rechts halte er gar nichts. "Ich habe keine Berührungsängste", so Gens. "Nicht mit Linken, nicht mit der AfD. Ich rede mit allen."

Viele Unternehmer hätten ihn zur Kandidatur ermuntert, da sie sich nicht mehr politisch adressiert fühlten. Als Beispiele für politisches Versagen nennt Gens hohe Umweltauflagen für Bauvorhaben und falsche Steuerpolitik.

Warum nicht der eigene Wahlkreis?

Interessant ist die Wahl des Wahlkreises: Statt in seinem eigenen Wahlkreis 33 (Hiddensee) tritt Gens im benachbarten Wahlkreis 34 (östliches Rügen) an. Dies begründet er mit persönlichen Sympathien für die Kandidaten anderer Parteien in diesem Wahlkreis. Er nennt explizit Holger Kliewe (CDU) und Heiko Miraß (SPD), von denen er sagt: "Leider sind sie in den falschen Parteien."

Zur Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), die sich wiederholt als großer Hiddensee-Fan geoutet hat und dort Familienurlaub macht, sagt Gens: "Nein. Sie sagt nur guten Tag." Und fügt charakteristisch hinzu: "Ich rede mit allen."

Der Bürgermeister von Schwesigs liebster Ostsee-Insel sieht sich selbst als "Alternative für die Rüganer" und hofft, im Landtag "das Zünglein an der Waage" sein zu können in einer politischen Landschaft, die er als festgefahren in Parteimechanismen beschreibt.

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