Vorpommersche Jäger unterstützen Wildtiere in Notzeit trotz Kälte und Nahrungsmangel
Die Jagd ist weit mehr als nur das Schießen von Wild – sie umfasst einen tief verwurzelten Naturschutzgedanken, den Jäger in der Region Vorpommern jetzt besonders unter Beweis stellen. Seit der Ausrufung der Notzeit für Wildtiere durch den Landkreis Vorpommern-Greifswald am vergangenen Freitag sind die Jäger verpflichtet, die Tiere bei der Futtersuche aktiv zu unterstützen. Diese Maßnahme kommt in einer Phase extremer Kälte und Nahrungsknappheit gerade rechtzeitig.
Jäger reagieren umgehend auf die Notzeit
Bernd Wieczorkowski, Sprecher der vorpommerschen Jäger im Landesjagdverband, bestätigt aus persönlichen Gesprächen, dass viele Jäger bereits auf den Erlass gewartet und umgehend gehandelt haben. „Was ich bislang erlebt habe, ist, dass unser Engagement für die Tiere in dieser Notzeit auch von der Bevölkerung positiv aufgenommen wird und Anerkennung findet“, sagt Wieczorkowski. Er selbst war am Wochenende in seinem Jagdgebiet unterwegs, um Heu auszubringen, was insbesondere dem Damwild und Rotwild zugutekommt.
Der Jäger betont, dass diese Aktionen nicht nur dem Überleben der Tiere dienen, sondern auch das Image der Jägerschaft in der Öffentlichkeit stärken. Die Notzeit ist ein kritisches Zeitfenster, in dem jede Hilfe zählt, um die Wildtiere vor einem leidvollen Hungertod zu bewahren.
Eispanzer erschweren die Futtersuche erheblich
Die anhaltenden Frostperioden und eisigen Regenfälle haben zu dicken Eispanzern auf den Wiesen geführt, die für das Schalenwild eine enorme Herausforderung darstellen. „Die dicken Eispanzer auf den Wiesen lassen sich durch ihre Hufe nicht zerschlagen“, erklärt Wieczorkowski. Während Rehe noch versuchen, die letzten Grashalme zu finden, haben andere Wildtiere große Schwierigkeiten, an Futter zu gelangen.
Zwar können Wildtiere ihre Körperfunktionen vorübergehend herunterfahren, um mit wenig Nahrung auszukommen, doch bei anhaltenden widrigen Bedingungen droht der Substanzverlust. Der Erlass des Landkreises ist somit ein letztes Mittel, um das Überleben der Populationen zu sichern.
Ruhe als überlebenswichtiger Faktor
Neben der Fütterung setzt Bernd Wieczorkowski auf seine Philosophie, die er in seiner 20-jährigen Jägerschaft verfolgt: „Wie der Mensch benötigen auch Tiere Phasen, in denen sie sich ausruhen und Kraft schöpfen können und eben einfach mal nicht bejagt werden“. In der aktuellen Stresssituation ist diese Ruhe umso wichtiger.
Der Landkreis appelliert in seinem Erlass auch an Spaziergänger, sich ruhig im Wald zu verhalten, die Wege nicht zu verlassen und Hunde an der Leine zu führen. Diese Maßnahmen sollen verhindern, dass das Wild unnötig beunruhigt wird und so zusätzlichem Stress ausgesetzt ist.
Die Zusammenarbeit von Jägern und der Bevölkerung zeigt, wie Naturschutz in schwierigen Zeiten gemeinsam gestaltet werden kann. Die vorpommerschen Jäger leisten damit einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der heimischen Wildtierbestände.



