Kastanien am Neubrandenburger Wall drastisch gestutzt: Einwohnerin besorgt über Kahlschlag
Ein plötzlicher Kahlschlag an den Kastanien zwischen dem Friedländer Tor und dem Bahnhof hat bei einer Neubrandenburgerin für erhebliche Unruhe gesorgt. Die Frau, die anonym bleiben möchte, äußerte sogar die Befürchtung, dass die Bäume möglicherweise komplett gefällt werden müssten. Die drastisch gestutzten Kastanien präsentieren sich mit nur noch dünnen Ästchen, was bei Passanten und Anwohnern Fragen aufwirft.
Stadtsprecherin bringt Klarheit: Schutzmaßnahme statt Fällung
Stadtsprecherin Anja Seugling erläutert im Gespräch mit dem Nordkurier die Hintergründe der umstrittenen Maßnahme. Tatsächlich gab es vor etwa zehn Jahren Pläne, die Kastanien aus Gründen der Verkehrssicherheit zu fällen. Durch massive Kappungen konnte dieses Vorhaben jedoch verhindert werden, sodass die Bäume damals als Stamm erhalten blieben.
„Jetzt wurden die zwischenzeitlich stark nachgewachsenen Äste eingekürzt beziehungsweise entfernt, um ein Abbrechen zu verhindern“, erklärt Seugling. Mit dieser drastischen Stutzung versuche die Stadt, „die Stämme so lange wie möglich als Lebensraum für diverse Tiere zu erhalten“. Es handle sich somit um eine präventive Schutzmaßnahme, nicht um den Beginn einer Fällaktion.
Vergleichsfall in Neddemin: Kastanie wegen Pilzbefall gefällt
Erst kürzlich sorgte ein ähnlicher Fall in der Region für Aufsehen. Im etwa zehn Kilometer nördlich gelegenen Neddemin wurde eine Kastanie komplett gefällt, was bei einem Einwohner für Enttäuschung sorgte. Das zuständige Neveriner Amt stellte jedoch klar, dass bei diesem Baum ein Pilzbefall festgestellt wurde, der die Stand- und Bruchsicherheit erheblich beeinträchtigte.
Im Auftrag des Amtes wurden im vergangenen Jahr insgesamt 58 Bäume gefällt, wobei jeder Einzelfall sorgfältig geprüft wird. Die gefällte Kastanie am Neddeminer Ortseingang stellt somit einen Einzelfall dar, der aus Sicherheitsgründen notwendig wurde.
Baumbestand in Neubrandenburg: Durchschnittlich 50 Fällungen pro Jahr
In Neubrandenburg selbst werden laut Stadtsprecherin Seugling durchschnittlich etwa 50 kommunale Bäume pro Jahr gefällt. Diese Maßnahmen erfolgen in der Regel aufgrund verminderter Stand- oder Bruchsicherheit. Die Ursachen hierfür sind vielfältig:
- Natürliches Alter der Bäume
- Schäden durch frühere Bautätigkeiten
- Schlechte Standortbedingungen wie Streusalzeinsatz oder beengter Wurzelraum
- Witterungsbedingte Ursachen wie Sturmschäden
Ohne den Stadtwald stehen in Neubrandenburgs Stadtgebiet etwa 60.000 Bäume aller Altersstufen. Die Stadtverwaltung betont, dass jede Baummaßnahme – ob Stutzung oder Fällung – sorgfältig abgewogen wird und stets dem Erhalt des Baumbestands sowie der Sicherheit der Bürger dient.



