Laaser Kirche wird durch EU-Förderung zur sicheren Pilgerstätte
Im beschaulichen Laase in Mecklenburg-Vorpommern lockt die kleine Kirche immer mehr Besucher an. Ausflügler, Wanderfreunde und vor allem Pilger finden hier einen besonderen Ort, denn Laase liegt auf der historischen Pilgerroute der Heiligen Birgitta. Diese Route erstreckt sich über 310 Kilometer von Sassnitz auf Rügen bis nach Niedersachsen und folgt den Spuren der schwedischen Pilgerin aus dem Jahr 1341. Viele der Gäste ahnen jedoch nicht, welch kostbaren Schatz die Kirche beherbergt: die berühmte Laaser Madonna. Kirchenälteste Katharina von Stralendorff führt Interessierte durch das Gotteshaus und enthüllt dabei nicht nur die Geschichte der Madonna, sondern auch weitere Besonderheiten.
EU-Programm Leader finanziert sichere Begegnungsstätte
Um die wertvollen Kunstschätze der Kirche zu schützen und dennoch zugänglich zu machen, war eine innovative Lösung nötig. „In die Kirche reinschauen ja, aber auf Distanz“, betont Katharina von Stralendorff. Bereits 2022 entstand die Idee für ein Projekt, das durch europäische Mittel aus dem Leader-Programm gefördert wurde. Dieses Programm unterstützt lokale Initiativen zur Stärkung des ländlichen Raums, darunter kulturelle Angebote und Dorfentwicklung. Gemeinsam mit der Alten Dorfschule und dem Turm-Carrée der Kirche wurde das Projekt „Markt der Begegnungen“ ins Leben gerufen. Glücklicherweise wurden die Anträge ausgewählt, sodass die Umsetzung beginnen konnte.
Denkmalgerechte Sanierung nach staubigem Kraftakt
Fast vier Jahre lang wurde in der Laaser Kirche intensiv gearbeitet. Katharina von Stralendorff erinnert sich lebhaft an die Herausforderungen: „Im Turm-Carrée wurde die steile Holzleiter verlegt, die Kirchentür witterungsundurchlässiger gemacht und die Holzdecke abgedichtet.“ Zudem erhielt das Gebäude ein neues Lichtkonzept für Innen und Außen, ein Wandschrank wurde eingebaut und die Wandflächen denkmalgerecht restauriert. Während der Arbeiten stürzten plötzlich große Putzflächen von der Turminnenseite herab, was eine dichte Staubschicht im Kircheninneren hinterließ. Auch Regenfälle durch undichte Wandanschlüsse sorgten für Probleme, die mit provisorischen Frotteetüchern behoben werden mussten. Heute sind alle Schäden behoben, und der Dachdecker hat seine Arbeit abgeschlossen. Weitere Maßnahmen umfassten die Anbringung von Galerieschienen, die Behandlung von wurmbefallenen Gedenktafeln und die Installation von Bilderleisten für Miniausstellungen.
Kreuzform-Tür als Kunstwerk und Schutz für Sakralraum
Ein besonderes Highlight der Renovierung ist die neu geschaffene zweiflügelige Stahl-Glastür in Kreuzform. Dieses Kunstwerk trennt den sakralen Kirchenraum mit seinen wertvollen Schätzen vom Turm-Carrée und schützt sie zugleich. „Die Tür integriert dezent Symbole wie die Jakobsmuschel als Drehknauf, ein achtzackiges Kreuz und einen Palmenzweig in Bronze“, erklärt von Stralendorff. Durch das Überschmieden des Stahls und eine Behandlung mit einer Wachs-Öl-Lösung entstand eine einzigartige Oberfläche. Ergänzt wird die Tür durch einen passenden Tisch mit einer alten Eichenplatte, der Pilger und Besucher mit einem Gästebuch empfängt. Metallbauer Ruprecht Holsten aus Horstedt hat mit diesem Werk sein Kunst- und Kirchenverständnis unter Beweis gestellt.
Feierlicher Abschluss und zukünftige Öffnungszeiten
Die genaue Höhe der Fördermittel aus dem Leader-Programm möchte Katharina von Stralendorff nicht preisgeben, verrät jedoch, dass allein 15.000 Euro aus privaten Mitteln, darunter Eigenmittel von ihr persönlich, beigesteuert wurden. Ihr Dank gilt dem Landeskirchenamt Schwerin und dem Kirchenkreis Güstrow für die Unterstützung. Ab dem 1. Mai bis Ende September ist das Turm-Carrée an Wochenenden von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Den vorläufigen Abschluss der Bauarbeiten feiert die Gemeinde am 17. Juli um 17 Uhr mit einem musikalischen Dankgottesdienst und einer Vesper. Das Celloduo Judith Jamin und Sebastiaan van Eck aus den Niederlanden wird dabei Werke von Bach, Haydn und Viotti im Rahmen von „Laaser Gäste musizieren für Gäste“ präsentieren. Besucher wie Michael Brüggemann und Sonja Wolgast aus Dortmund zeigen sich bereits begeistert von der gelungenen Verbindung aus Historie und Moderne.



