Lesung in Burg Stargard: Jens Erdmann liest über DDR-Justiz kurz vor Mauerfall
Lesung: Jens Erdmann über DDR-Justiz vor Mauerfall

Lesung in Burg Stargard: Jens Erdmann liest über DDR-Justiz kurz vor Mauerfall

Der Autor Jens Erdmann, ursprünglich aus Pasewalk, stellt in Burg Stargard sein Buch vor, das seine persönlichen Erfahrungen mit der DDR-Justiz im turbulenten Wendejahr 1989 schildert. Die Lesung findet am 19. März um 18.30 Uhr im historischen Marie-Hager-Haus statt und verspricht eine tiefgründige Auseinandersetzung mit einem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte.

Ein Verkehrsdelikt mit politischen Konsequenzen

Nur wenige Monate vor der friedlichen Revolution im Herbst 1989 geriet der damals 19-jährige Jens Erdmann ins Visier der DDR-Behörden. Was als harmlose Fahrt nach einem Kneipenbesuch in Torgelow begann, entwickelte sich zu einem Justizdrama. Sein Freund Alex, der am Steuer saß, hatte keinen Führerschein und fuhr bei einer Polizeikontrolle weiter. Doch nicht nur Alex, sondern auch Erdmann als Beifahrer sollte dafür belangt werden.

Der Staatsanwalt baute den Vorfall zu einer politischen Straftat auf, was Erdmann heute als gezielten Eingriff der Justiz interpretiert. „Ein politisch motivierter Eingriff, weil ich wegen sogenannten Rowdytums bei der Stasi registriert war“, vermutet der heute in Ueckermünde lebende Autor. Sein Buch mit dem Titel „Letzter Freispruch – vor dem Mauerfall“, das 2025 erschien, dokumentiert diese Ereignisse detailliert.

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Persönliche Erinnerungen und historische Authentizität

Die Lesung im Marie-Hager-Haus wird mehr als nur eine Buchvorstellung sein. Der Marie-Hager-Kunstverein als Veranstalter betont: „Die Lesung verbindet persönliche Erinnerungen, historische Authentizität und ein seltenes Zeugnis von Mut und Zufall in einer Zeit, in der die DDR bereits wankte.“ Erdmanns Geschichte steht exemplarisch für die Willkür des DDR-Regimes in seinen letzten Monaten.

Die Veranstaltung bietet Besuchern die Möglichkeit, direkt mit dem Autor ins Gespräch zu kommen und mehr über die Hintergründe seiner Verfolgung zu erfahren. Es ist eine Gelegenheit, Geschichte aus erster Hand zu erleben und die Mechanismen der DDR-Justiz besser zu verstehen.

Ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung

Jens Erdmanns Buch und die Lesung in Burg Stargard leisten einen wertvollen Beitrag zur Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit. Sie zeigen, wie schnell normale Bürger in den Fokus des Staates geraten konnten und wie politische Motive oft hinter scheinbar alltäglichen Delikten standen. Die Veranstaltung unterstreicht die Bedeutung von Zeitzeugenberichten für das kollektive Gedächtnis.

Interessierte sind herzlich eingeladen, an der Lesung teilzunehmen und sich mit diesem wichtigen Thema auseinanderzusetzen. Der Eintritt ist frei, und im Anschluss gibt es Raum für Diskussionen und Fragen an den Autor.

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