Spezialfeuerwehr auf See: Wie maritime Rettungsteams bei Schiffsbränden und Havarien eingreifen
Maritime Feuerwehr: Spezialteams für Schiffsbrände und Havarien

Spezialfeuerwehr auf See: Wie maritime Rettungsteams bei Schiffsbränden und Havarien eingreifen

Wenn große Schiffe auf Nord- oder Ostsee in Brand geraten, wie zuletzt bei dem Vorfall mit dem Autotransporter Thames Highway nordwestlich von Borkum, werden speziell ausgebildete Feuerwehrleute alarmiert. Diese Spezialisten sind an mehreren Standorten entlang der deutschen Küsten stationiert und werden häufig per Hubschrauber zu den Havaristen geflogen. Die Anforderungen an die Einsatzkräfte sind extrem hoch, da sie nicht nur Brände löschen, sondern auch Verletzte bergen und komplexe technische Hilfe leisten müssen.

Koordination durch das Havariekommando in Cuxhaven

Die Einsatzleitung bei größeren Schiffsunfällen übernimmt das Havariekommando in Cuxhaven, eine gemeinsame Einrichtung des Bundes und der fünf norddeutschen Küstenländer. Diese Behörde koordiniert die Rettungsmaßnahmen und alarmiert die entsprechenden Spezialteams. Im Fall des Brandes auf der Thames Highway im Januar wurden unter anderem die Feuerspezialkräfte aus Cuxhaven eingesetzt, die die Flammen erfolgreich bekämpften und so Schlimmeres verhinderten.

Die verschiedenen Arten von maritimen Rettungsteams

Das Havariekommando arbeitet mit acht Berufsfeuerwehren an Nord- und Ostsee zusammen, darunter Emden, Wilhelmshaven, Cuxhaven, Bremerhaven, Hamburg, Kiel, Lübeck und Rostock. Diese Feuerwehren stellen spezielle Maritime Incident Response Groups (MIRGs) bereit, die in drei Kategorien unterteilt sind:

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  • Brandbekämpfer (MIRG FiFi): Fünfköpfige Teams, die sich auf Brandbekämpfung, technische Hilfeleistung und den Einsatz bei Chemielagen spezialisiert haben. Insgesamt gibt es elf solcher Teams an den Küsten.
  • Lebensretter (MIRG MR): Diese Teams bestehen aus zwei Notärzten und vier Feuerwehrleuten mit notfallsanitäterischer Ausbildung. Sie kommen zum Einsatz, wenn viele Verletzte versorgt werden müssen. Vier dieser Einheiten sind verfügbar.
  • Ersthelfer (MIRG FR): Diese sechsköpfigen Teams, zu denen ein Notarzt und eine Feuerwehr-Führungskraft gehören, werden üblicherweise als Erste alarmiert. Sie erkunden die Lage, können aber auch Brände bekämpfen und Verletzte retten. Solche Teams gibt es nur in Cuxhaven und Kiel.

Alle Teams können unabhängig von ihrem Standort angefordert und im gesamten Einsatzgebiet des Havariekommandos eingesetzt werden.

Ausrüstung und Einsatzbereitschaft

Die Ausrüstung der Teams ist standardisiert und auf zwei große Transporttaschen mit je 100 Kilogramm Gewicht beschränkt, da sie meist per Helikopter zum Einsatzort geflogen werden. Bei Einsätzen mit Mehrzweckschiffen des Bundes steht mehr Platz für Ausrüstung zur Verfügung. Die Ausrückzeiten liegen zwischen 30 und 60 Minuten. Rund um die Uhr steht ein Bundespolizeihelikopter vom Typ Super Puma bereit, zusätzlich können Hubschrauber der Marine eingesetzt werden.

Training und Ausbildung der Spezialisten

Die Ausbildung der Feuerwehrleute findet an speziellen Trainingszentren in Norddeutschland statt, darunter Hamburg, Kiel, Wilhelmshaven, Warnemünde und Neustadt in Holstein. Das Havariekommando nutzt vorrangig die Einrichtungen in Neustadt und Wilhelmshaven. In Neustadt wird an Bord der ehemaligen Fregatte Köln in einem realistischen Umfeld geübt, während an anderen Standorten umgebaute Container zum Einsatz kommen.

Das Training umfasst Hubschrauber-Einsätze, Überleben auf See, Rettungsübungen aus Höhen und Tiefen, Schiffskunde und seit neuestem auch Lehrgänge zum Umgang mit Flüssigerdgas (LNG). Niedersachsen plant zudem den Bau eines maritimen Trainingszentrums in Wilhelmshaven, das in Zusammenarbeit mit der Marine entstehen soll. Dort sollen nicht nur Schiffsbrände, sondern auch Rettungen aus dem Watt und bei Ölunfällen geübt werden können.

Einsatzhäufigkeit und zukünftige Herausforderungen

Zum Glück sind tatsächliche Einsätze vergleichsweise selten. In deutschen Gewässern kommt es durchschnittlich zu vier bis fünf Komplexen Schadenslagen pro Jahr. Seit 2021 gab es 17 solcher Einsatzlagen, bei elf davon wurden die Spezialteams der Feuerwehren angefordert. Der Brand auf der Thames Highway war der erste Einsatz in diesem Jahr.

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Die Anforderungen an die maritime Notfallvorsorge sind jedoch sehr hoch und werden tendenziell größer, da Schiffe immer größer werden, mehr Passagiere befördern und alternative Antriebsstoffe wie LNG an Bedeutung gewinnen. Regelmäßige Trainings sind daher unerlässlich, um auf die komplexen und herausfordernden Einsätze vorbereitet zu sein.