Generalsanierung Berlin-Hamburg: Minister Blank in der Kritik - Chaos im Schienenersatzverkehr
Die Deutsche Bahn saniert derzeit zahlreiche Bahnstrecken im gesamten Bundesgebiet. Dass solche Großprojekte nicht immer pünktlich und reibungslos ablaufen, ist bekannt. Doch die Generalsanierung der wichtigen Bahnstrecke zwischen Berlin und Hamburg entwickelt sich zu einem echten Politikum, das für erhebliche Aufregung und Ärger sorgt. Politiker verschiedener Parteien sprechen bereits von einem „Generaldesaster“, und ein Minister aus Mecklenburg-Vorpommern steht besonders im Fadenkreuz der Kritik.
Sechs Wochen Verzögerung: Die nächste Hiobsbotschaft
Erstaunen, Entsetzen und Ernüchterung – so beschreiben Landespolitiker aus Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg die Reaktion auf die jüngste Ankündigung der Deutschen Bahn. Die Generalsanierung der Strecke Berlin-Hamburg wird sich teilweise um bis zu sechs Wochen verlängern. Ursprünglich sollte die Strecke bereits zum 1. Mai 2026 wieder vollständig befahrbar sein. Nun wird der vollständige Betrieb erst am 14. Juni aufgenommen.
„Man kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus“, erklärt Christian Görke, Bundestagsabgeordneter der Linken aus Brandenburg. „Trotz verkündeter zeitlicher Winter-Puffer verschiebt die Deutsche Bahn die Inbetriebnahme auf Mitte Juni. Das ist die nächste Hiobsbotschaft für tausende Pendler und Güterverkehrsunternehmen.“
Görke kritisiert scharf, dass bei einer fast elfmonatigen Bauphase kein temporärer Baustellenschienenverkehr eingerichtet wurde, um die monatelange Sperrung abzufedern. Besonders empört zeigt er sich darüber, dass der Bund die Kosten für den Schienenersatzverkehr nicht übernehmen will. „Die Länder müssen jetzt diese unnötigen Mehrkosten wegen der grottenschlechten Planung der DB tragen. Ein politisches Generaldesaster“, so der Abgeordnete.
Chaotischer Ersatzverkehr: Ecovista im Visier
Für die Landtags-Grünen in Mecklenburg-Vorpommern ist die verzögerte Fertigstellung „sehr ärgerlich“. Jutta Wegner, verkehrspolitische Sprecherin der Grünen, nimmt insbesondere den Schienenersatzverkehr ins Visier: „Die Deutsche Bahn muss sicherstellen, dass der Ersatzverkehr zuverlässig funktioniert. Dazu gehören ordentliche, vertragsgemäße Busse, die regelmäßig verkehren und eine verlässliche Alternative bieten. Das bisherige Chaos ist für die Menschen nicht hinnehmbar.“
Wegner verweist darauf, dass die Vergabe des Schienenersatzverkehrs an das Busunternehmen Ecovista bereits im Vorfeld im Bund kritisch gesehen worden war. „Die Vergabe erfolgte offenbar nach dem Prinzip ‚so günstig wie möglich‘. Dass damit ein Risiko verbunden war, das jetzt eingetreten ist, hat man billigend in Kauf genommen. Ich erwarte von der Bahn eine umfassende Aufarbeitung und die Prüfung ihrer Vergaberegelungen.“
Minister Blank: „Herr im eigenen Haus?“
Stephan Reuken, verkehrspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, übt im Zusammenhang mit dem Ersatzverkehr und der Bauverzögerung scharfe Kritik an Landesverkehrsminister Wolfgang Blank. Der parteilose Minister „hat als Krisenmanager auf ganzer Linie versagt“ und schweigend dem Chaos freie Bahn gelassen, so Reuken.
„Jetzt übt sich seine Chefin in Schadensbegrenzung, indem sie zumindest Druck auf das Busunternehmen Ecovista macht“, fügt der AfD-Politiker hinzu. Reuken vermutet sogar: „Ministerpräsidentin Schwesig hat ihrem Verkehrsminister die Kommunikation weggenommen. Ist Blank überhaupt noch Herr im eigenen Haus?“ Er spricht von einer „Zumutung für die Pendler“.
Die aktuelle Situation: Teilweise Entspannung ab Mai
Die Deutsche Bahn hatte am Mittwochmorgen bekanntgegeben, dass die Bahnstrecke zwischen Berlin und Hamburg am 14. Juni wieder vollständig in Betrieb gehen soll – sechs Wochen später als ursprünglich geplant. Auf dem nördlichen Streckenabschnitt von Hamburg bis Hagenow Land in Mecklenburg-Vorpommern sollen hingegen schon am 15. Mai wieder Züge fahren.
Damit sind vor allem Pendler in der Hauptstadtregion bis einschließlich 13. Juni weiter auf den Ersatzverkehr mit Bussen angewiesen. Fernzüge zwischen den beiden Metropolen werden bis dahin weiter umgeleitet. Die Verlängerung der Bauzeit und die Probleme im Ersatzverkehr belasten nicht nur die Pendler, sondern werfen auch grundsätzliche Fragen zur Planung und Durchführung von Großprojekten der Deutschen Bahn auf.



