Antikes Maschinengewehr entdeckt: Pompeji wurde vor 2000 Jahren mit Polybolus beschossen
In den berühmten Stadtmauern von Pompeji klaffen seit über zwei Jahrtausenden rätselhafte Löcher. Ein italienisches Forschungsteam hat nun eine spektakuläre Erklärung gefunden: Die antike Stadt wurde wahrscheinlich mit einer Art Maschinengewehr aus der Antike angegriffen. Diese Entdeckung wirft ein völlig neues Licht auf die Belagerungstechniken der damaligen Zeit.
Die mysteriösen Einschusslöcher in der Stadtmauer
Die nördlichen Stadtmauern von Pompeji zeigen deutliche Kampfspuren aus einer Zeit, als die Stadt gegen das Römische Reich aufbegehrte. Während große, runde Krater bereits von schweren Steinkugeln katapultierender Belagerungswaffen bekannt waren, blieben kleinere, viereckige Löcher in fächerförmiger Anordnung lange unerklärt. Bisher vermuteten Fachleute Verwitterung oder zufällige Kampfschäden als Ursache.
Ein Forschungsteam um die Ingenieurin Adriana Rossi von der Universität Vanvitelli hat diese Theorie nun revolutioniert. Mithilfe präziser Laservermessungen analysierten die Wissenschaftlerinnen Tiefe, Breite und Form der Löcher und kamen zu einem verblüffenden Ergebnis: Die Schäden wurden von einer Waffe mit hoher Geschossgeschwindigkeit verursacht, die mehrere Projektile in schneller Folge abfeuern konnte.
Der Polybolus: Ein antiker Vorläufer des Maschinengewehrs
Bei der identifizierten Waffe handelt es sich um einen sogenannten Polybolus – eine antike Fernwaffe, die bereits im 3. Jahrhundert vor Christus beschrieben wurde. Diese innovative Konstruktion gilt als direkter Vorläufer moderner Maschinengewehre und konnte im Gegensatz zu herkömmlichen Katapulten mehrere Geschosse nacheinander abschießen.
Die Forscherinnen verglichen ihre digitalen Messdaten mit historischen griechischen Ingenieurszeichnungen, die die Mechanik des Polybolus detailliert beschreiben. Das charakteristische fächerförmige Muster der Einschusslöcher passte exakt zur mechanischen Schwenkbewegung, die in diesen antiken Schriftquellen dokumentiert ist.
Eisenbeschlagene Bolzen als tödliche Geschosse
Weitere Beweise lieferten die erhalten gebliebenen Geschosse aus derselben Epoche. Die Form und Größe der Löcher entsprach genau eisenbeschlagenen Bolzen, wie sie an anderen archäologischen Fundstellen aus dieser Zeit entdeckt wurden. Diese Projektile waren besonders gefährlich und durchschlugen mühelos die Verteidigungsanlagen der Stadt.
Laut den Expertinnen war der Polybolus strategisch darauf ausgelegt, Bogenschützen auf der Mauer zu treffen, sobald diese sich aus ihrer Deckung wagten. Diese taktische Anwendung zeigt das ausgeklügelte militärische Wissen der antiken Belagerer.
Pompeji: Eine Stadt im Brennpunkt der Geschichte
Die antike Stadt Pompeji ist weltweit als eine der bedeutendsten archäologischen Stätten bekannt. Der verheerende Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 nach Christus begrub die Stadt unter gewaltigen Mengen an Schutt und Asche und kostete zahlreiche Bewohner das Leben. Paradoxerweise wurde diese Katastrophe für die Archäologie zum Glücksfall, da sie Pompeji im Moment seines Untergangs konservierte.
Die neu entdeckten Kampfspuren stammen jedoch aus einer deutlich früheren Periode – etwa ein Jahrhundert vor dem Vulkanausbruch. Sie dokumentieren die kriegerischen Auseinandersetzungen, als Pompeji gegen die expandierende Macht Roms kämpfte. Diese Erkenntnisse erweitern unser Verständnis der militärischen Technologien und Konflikte in der antiken Welt erheblich.
Die Studie des italienischen Forschungsteams wurde im renommierten Fachblatt »Heritage« veröffentlicht und stellt einen Meilenstein in der archäologischen Forschung dar. Sie zeigt, dass fortschrittliche Waffentechnologie nicht ausschließlich ein Phänomen der Moderne ist, sondern bereits in der Antike entwickelt wurde.



