Moos des Jahres 2026: Wärmeliebendes Schnabeldeckelmoos stammt aus Mecklenburg
Moos des Jahres 2026 stammt aus Mecklenburg

Moos des Jahres 2026: Eine famoose Würdigung aus Mecklenburg

Gerade weil sie so unscheinbar sind, sollen Moose mehr Aufmerksamkeit erhalten. Seit 2005 wählt die Bryologisch-lichenologische Arbeitsgemeinschaft für Mitteleuropa (BLAM) jährlich ein Moos und eine Flechte des Jahres, um auf diese nützliche Pflanzengruppe hinzuweisen. In Deutschland gibt es über 1000 Moosarten, und für 2026 fiel die Wahl auf eine besondere Art: das Mecklenburgische Schnabeldeckelmoos, wissenschaftlich Rhynchostegium megapolitanum.

Keine Megacity, sondern eine historische Burg

Der Artname megapolitanum führt oft zu Missverständnissen. Er bezieht sich nicht auf eine moderne Megacity, sondern auf den historischen Fundort in Mecklenburg. Wie Wolfgang von Brackel, Christian Berg und Norbert Stapper von der Moosarbeitsgemeinschaft erklären, leitet sich der Name von der latinisierten Bezeichnung Megalopolis oder Ducatus megapolitanus für das Herzogtum Mecklenburg ab. Dies geht auf die slawische Hauptburg Wiligrad (Große Burg) der Obotriten zurück, die nahe dem heutigen Dorf Mecklenburg lag.

Im 19. Jahrhundert übernahmen mecklenburgische Botaniker wie J. C. Timm und G. G. Detharding diesen Begriff für ihre Florenwerke, beispielsweise in Flora Megapolitana. Auch der berühmte Bryologe Johann Hedwig benannte 1801 eine bei Malchin entdeckte Moosart Timmia megapolitana, das Mecklenburgische Grobzahnmoos. Somit ist das Schnabeldeckelmoos eine weitere famoose Mecklenburgerin in der Mooswelt.

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Aussehen und Verbreitung des wärmeliebenden Mooses

Das Mecklenburgische Schnabeldeckelmoos, auch als Wärmeliebendes Schnabeldeckelmoos bekannt, bildet lockere Filze mit niederliegenden bis aufsteigenden Stämmchen. Es bevorzugt lichte, trockene und basenreiche Standorte. Der Gattungsname Rhynchostegium stammt aus dem Griechischen und bedeutet Schnabeldeckel, was sich auf die schnabelförmigen Deckel der ovalen Sporenkapseln bezieht.

Obwohl die Art zuerst in Mecklenburg beschrieben wurde, ist sie auf drei Kontinenten heimisch: von Nordafrika über das Mittelmeergebiet bis zu den Britischen Inseln, Südskandinavien und Zentralasien. In Deutschland kommt sie in allen Bundesländern vor, ist jedoch häufiger in kontinental geprägten Trockengebieten wie Sachsen-Anhalt oder Brandenburg anzutreffen. Dies weist sie als wärmeliebende Tieflandart aus.

Bedrohungen und Chancen durch den Klimawandel

In Mittelgebirgen ist das Moos kaum verbreitet, und auch im Flachland sind seine Lebensräume durch Eutrophierung, Melioration, Umbruch oder Überbauung gefährdet. Diese Faktoren bedrohen wie so oft die Artenvielfalt. Allerdings könnte die Klimaerwärmung neue Lebensräume erschließen, da die Art wärmeliebend ist.

Die BLAM geht davon aus, dass sich das Mecklenburgische Schnabeldeckelmoos weiter ausbreiten könnte. Um dies besser zu dokumentieren, bittet sie um Meldungen von Funden. Augen auf am Wegesrand – auch unscheinbare Erscheinungen verdienen mehr Beachtung. Für Interessierte bietet der Naturschutzbund Österreich eine Übersicht aller Moose der vergangenen Jahre.

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