Transportstreit eskaliert: Tausende Patienten in MV ohne Krankenfahrten ab April
MV: Krankenfahrten ab April gestrichen - Patienten betroffen (30.03.2026)

Eskalation im Krankentransport: Tausende Patienten in MV ohne Fahrten ab April

Die monatelangen Tarifverhandlungen zwischen dem Taxigewerbe und den Krankenkassen in Mecklenburg-Vorpommern sind endgültig gescheitert. Ab dem 1. April werden tausende Krankenfahrten vorübergehend eingestellt, was für zahlreiche Patienten massive Probleme auf dem Weg zu lebenswichtigen Behandlungen bedeutet.

Verhandlungen in letzter Minute platzen

Nach zweitägigen intensiven Gesprächen zu Wochenbeginn erklärten beide Seiten die Verhandlungen für gescheitert. Maik Göricke, Vorstandsmitglied des Landesverbandes des Taxi- und Mietwagengewerbes MV, bestätigte am Dienstag den endgültigen Bruch. Ohne eine Tarifeinigung fehle den Unternehmen die rechtliche Grundlage für die Abrechnung der Krankenfahrten mit den Krankenkassen.

Betroffene Regionen und Patientengruppen

Von den Einschränkungen sind nahezu alle Regionen Mecklenburg-Vorpommerns betroffen:

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  • Schwerin
  • Neubrandenburg
  • Rostock
  • Stralsund
  • Mecklenburgische Seenplatte
  • Voropommern-Rügen

Besonders hart trifft es chronisch kranke und mobilitätseingeschränkte Patienten, die regelmäßig zu folgenden Behandlungen müssen:

  1. Dialyse
  2. Chemotherapien
  3. Strahlentherapien
  4. Ambulante Behandlungen
  5. Entlassungsfahrten nach Krankenhausaufenthalten

Laut dem Verband der Ersatzkassen (vdek) werden in MV knapp 80 Prozent der Krankentransporte ohne medizinisch notwendige Begleitung von Taxiunternehmen durchgeführt.

Wirtschaftliche Notlage der Taxiunternehmen

Das Taxigewerbe hatte eine zweistellige Tariferhöhung und eine Angleichung der Fahrtarife an das Niveau anderer Bundesländer gefordert. „Wir stehen kurz vor dem Kollaps“, warnte Verbandschef Guido Sembach bereits in der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Neubrandenburg. Die bisher gezahlten Vergütungen seien angesichts stark gestiegener Kosten für Sprit, Fahrzeuge, Reparaturen und Löhne nicht mehr kostendeckend.

Krankenkassen bieten Einzelvereinbarungen an

Die Krankenkassen zeigten sich enttäuscht über das Scheitern der Verhandlungen und warfen dem Landesverband vor, mit einem „Pokerspiel“ die Versorgung lebensbedrohlich erkrankter Menschen zu gefährden. Tom Forbrich, Bereichsleiter der AOK Nordost, kritisierte die angekündigten Streiks scharf.

Die Kassen boten den Taxiunternehmen ab April Einzelvereinbarungen in Höhe des letzten Tarifangebots an – durchschnittlich etwa zehn Prozent höhere Vergütungen. Etwa die Hälfte der Unternehmen in MV hat dieses Angebot bereits angenommen.

Unterstützung für betroffene Patienten

Claudia Straub, Leiterin der vdek-Landesvertretung MV, sicherte betroffenen Patienten Unterstützung zu: „Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um geplante Fahrten umzusteuern.“ Versicherte, die ab dem 1. April eine Krankenfahrt benötigen, sollten sich direkt an ihre jeweilige Krankenversicherung wenden.

Langfristige Folgen für den ländlichen Raum

Neubrandenburgs IHK-Präsident Krister Hennige sieht durch die anhaltende Krise sogar „das Geschäftsmodell Taxi im ländlichen Raum bedroht“. Allein in den vergangenen 25 Jahren hätten mehr als 500 Taxi- und Mietwagenunternehmer in ganz MV ihr Gewerbe aufgegeben – ein Rückgang von etwa 60 Prozent.

Die Krankenkassen betonen weiterhin ihre Gesprächsbereitschaft, während das Taxigewerbe auf eine substanzielle Verbesserung der Vergütungssituation besteht. Für tausende Patienten in Mecklenburg-Vorpommern bedeutet diese Pattsituation ab April konkrete Versorgungsengpässe bei lebenswichtigen medizinischen Behandlungen.

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