Polizeiautos in Mecklenburg-Vorpommern: Fast tägliche Schadensfälle belasten Staatskasse
Die Bilanz der Polizeifahrzeuge in Mecklenburg-Vorpommern zeigt alarmierende Zahlen: Im vergangenen Jahr kam es durchschnittlich fast jeden zweiten Tag zu Schäden oder Unfällen mit Dienstfahrzeugen der Landespolizei. Insgesamt wurden 172 Polizei- oder Streifenwagen beschädigt oder verunfallt, wie das Innenministerium auf Anfrage mitteilte.
Hohe Schadensquote im Präsidium Neubrandenburg
Besonders betroffen ist das Polizeipräsidium Neubrandenburg, das die Landkreise Mecklenburgische Seenplatte, Vorpommern-Greifswald und Vorpommern-Rügen umfasst. Hier wurden insgesamt 61 Fahrzeuge beschädigt oder verunfallt. Die Reparaturkosten beliefen sich auf 197.976,45 Euro für die eigenen Fahrzeuge des Präsidiums. Ein Fahrzeug musste schließlich über ein Restwertgebot veräußert werden, da es nicht mehr wirtschaftlich zu reparieren war.
Landesweit mussten sieben Polizeifahrzeuge komplett abgeschrieben werden. Die Gesamtreparaturkosten für alle beschädigten Fahrzeuge der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern beliefen sich auf 395.553,45 Euro. Als Ersatz für die Ausfälle wurden insgesamt 89 neue Fahrzeuge angeschafft, was eine erhebliche finanzielle Belastung für den Landeshaushalt darstellt.
Verteilung der Unfälle innerhalb des Präsidiums
Innerhalb des Polizeipräsidiums Neubrandenburg gab es deutliche Unterschiede bei der Unfallhäufigkeit. Die Polizeiinspektion Stralsund verzeichnete mit 31 Fällen die meisten Unfälle, gefolgt von der Polizeiinspektion Neubrandenburg mit 27 Fällen. Deutlich weniger Unfälle gab es in der Polizeiinspektion Anklam mit nur zwei Fällen, während von der Kriminalpolizeiinspektion Neubrandenburg ein weiterer Unfall gemeldet wurde.
Positiv zu vermerken ist, dass im vergangenen Jahr keine Polizeifahrzeuge von Kriminellen aufgebrochen oder gestohlen wurden, wie das Ministerium unter Innenminister Christian Pegel (SPD) mitteilte.
Gewerkschaft fordert mehr Fahrsicherheitstrainings
Christian Schumacher, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei Mecklenburg-Vorpommern (GdP), sieht in den hohen Unfallzahlen auch ein Zeichen dafür, dass die Polizei viel auf den Straßen des Bundeslandes unterwegs ist. Allerdings gibt es aus seiner Sicht erheblichen Verbesserungsbedarf bei Ausbildung und Ausstattung.
„Zu Verringerung von Unfällen gibt es zwar bereits Fahrsicherheitstrainings, aber Fakt ist, dass sich viele Beamte mehr solcher Übungseinheiten wünschen“, so Schumacher. Er kritisiert zudem die Ausrüstung der Fahrzeuge: „Und sicherlich könnten Saisonreifen statt Ganzjahresreifen dienlicher sein.“
Mehrere Faktoren beeinflussen Unfallrisiko
Laut Schumacher spielen mehrere Faktoren bei den hohen Unfallzahlen eine Rolle:
- Die Demografie im Streifendienst mit vielen jungen Kollegen, die weniger Fahrpraxis und Ortskenntnisse haben
- Das grundsätzlich gleiche Unfallrisiko wie bei anderen Verkehrsteilnehmern
- Ein erhöhtes Risiko bei Einsatzfahrten durch die Inanspruchnahme von Sonder- und Wegerechten
Ein konkretes Beispiel für einen solchen Unfall ereignete sich am 22. Mai 2025, als ein Polizeiauto in den Straßengraben neben der Ortsdurchfahrt der L35 rutschte. Das Fahrzeug konnte nach der Bergung jedoch weiterfahren.
Zukunftsprobleme: Angespannte Haushaltslage und Personalmangel
Schumacher weist auf ein weiteres Problem hin: Die angespannte Haushaltslage dürfte in Zukunft die Erneuerung und Neubeschaffung von Fahrzeugen wesentlich schwieriger machen. Noch dringlicher ist jedoch der Personalmangel: „Aktuell fehlen uns aber nicht Fahrzeuge, sondern die Menschen dafür“, betont der GdP-Chef.
Das Polizeipräsidium Neubrandenburg beschäftigt etwa 2000 Beamte und Arbeitnehmer. Die hohe Unfallquote bei den Dienstfahrzeugen zeigt, dass neben der Personalsituation auch Fragen der Fahrzeugsicherheit und Ausbildung dringend angegangen werden müssen, um die Einsatzkräfte besser zu schützen und die Kosten für die Staatskasse zu reduzieren.



