Schäfer in MV gibt auf: Psychische Belastung durch Wolfsangriffe zu groß
Schäfer gibt Traumberuf nach Wolfsangriffen auf

Schäfer in Mecklenburg-Vorpommern gibt seinen Traumberuf auf: Wolfsangriffe führen zu psychischer Erschöpfung

Mathias Mackedanz, ein 37-jähriger Schäfer aus Alt Käbelich in Mecklenburg-Vorpommern, hat eine schwere Entscheidung getroffen: Er wird seinen Beruf als selbstständiger Schäfer aufgeben. Grund dafür sind wiederholte Wolfsangriffe auf seine Herden, die ihn psychisch an seine Grenzen bringen. Innerhalb eines Monats musste er zwei schwere Vorfälle verkraften, bei denen insgesamt 29 Schafe getötet oder verletzt wurden.

Emotionale Belastung überwiegt finanziellen Verlust

Der jüngste Angriff ereignete sich bei Rühlow, wo sieben Schafe getötet und vier verletzt wurden. Dies folgte auf einen ähnlichen Vorfall Anfang Februar in Usadel mit 22 toten Tieren. Mackedanz schätzt den finanziellen Schaden auf etwa 2000 Euro, doch viel schwerer wiegt für ihn die emotionale Belastung. „Man kriegt das nicht mehr aus dem Kopf. Das macht einen psychisch fertig“, erklärt er. „Man steckt Jahr für Jahr seine ganze Kraft in den Betrieb, tut alles, damit es den Schafen gut geht, kümmert sich um seine Tiere, und am Ende kann man sie tot von der Weide sammeln.“

Der Schäfer, der 2015 als Quereinsteiger mit der Schafzucht begann, betont, dass dieser Beruf seine Leidenschaft und sein Herzblut sei. Dennoch prüft er nun, ob er aus Landschaftspflege-Verträgen mit Organisationen wie dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und lokalen Gemeinden austreten kann, um seine verbliebenen Tiere zu verkaufen.

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Schutzmaßnahmen versagen trotz hoher Investitionen

Die Angriffe bei Rühlow erfolgten trotz eines vorschriftsmäßigen Schutzzauns, der vom Nabu mit 90.000 Euro für vier Hektar finanziert wurde. Mackedanz berichtet, dass die Wölfe offenbar über diesen Zaun sprangen, was seine Zweifel an der Wirksamkeit solcher Barrieren verstärkt. Ein Rissgutachter bestätigte, dass nur Wölfe als Täter infrage kommen, obwohl die Ergebnisse einer DNA-Untersuchung noch ausstehen.

Als Alternative erwägt der Schäfer den Einsatz von Herdenschutzhunden, doch sieht er hier praktische Hürden. „Das sind riesige Hunde, die keine Kommandos kennen, nur mit Schafen zusammengelebt haben. Die kriegt man nicht vermittelt“, sagt er. Zudem seien die Kosten für Haltung und Futter zu hoch für seinen kleinen Betrieb.

Familie und Zukunftsperspektiven im Fokus

Die Situation belastet auch Mackedanz' Familie. Sein jüngster Sohn, der später Schäfer werden möchte, darf aktuell nicht mehr zu den Schafen mitgenommen werden, um ihn vor traumatischen Anblicken zu schützen. „Ich würde das aktuell aber nicht empfehlen“, so der Vater zu den Berufsplänen seines Kindes.

Trotz der schwierigen Lage macht sich Mackedanz keine ernsthaften Sorgen um seine Zukunft. Als gelernter Metallbauer ist er zuversichtlich, eine neue Stelle zu finden. „Ich bin noch jung. Noch sollte das kein Problem sein“, erklärt er. Allerdings fällt ihm der Abschied von seinem Traumberuf schwer, da die Schafzucht seine große Liebe bleibt.

Die überlebenden Schafe wurden auf eine Weide in Warlin gebracht, in der Hoffnung auf mehr Sicherheit. Jedes Klingeln seines Telefons löst bei Mackedanz nun Angst aus: „Nicht schon wieder!“ – ein Gefühl, das viele Schäfer in der Region teilen, da Wolfsangriffe in Mecklenburg-Vorpommern zunehmen.

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