Vom Pub-Tresen ins Rathaus: Heiko Steinmüllers ungewöhnlicher Weg
Später Nachmittag in der Mecklenburgstraße von Schwerin. In seinem Pub "The Scotsman" herrscht geschäftiges Treiben, während Wirt Heiko Steinmüller hinter dem Tresen steht und Gäste mit seiner charakteristischen rauen Stimme begrüßt. Der 57-Jährige, der sich selbstironisch als "unfreundlichster Wirt Ostdeutschlands" bezeichnet, will nun einen Karrieresprung wagen: Am 12. April kandidiert er als parteiloser Bewerber für das Amt des Oberbürgermeisters von Schwerin.
Vom Maurer zum Fernfahrer: Ein Leben voller Umwege
Steinmüllers Biografie liest sich wie ein Roman voller Wendungen. 1969 in Parchim geboren, absolvierte er zunächst eine Maurerlehre, diente bei der NVA und erlebte die Wendezeit als junger Mann. Danach folgten fast zwei Jahrzehnte als Fernfahrer, in denen er 48 Länder bereiste. "Ich habe die Welt mit dem Laster gesehen, nicht mit dem Flieger", erzählt er mit einem Schmunzeln. Eigentlich plante er, nach Rostock zu ziehen, doch Freunde überredeten ihn 2011, eine Metal-Kneipe in Schwerin zu übernehmen.
Aus dieser Szenekneipe entstand später "The Scotsman", heute ein beliebter Treffpunkt, wo Punker neben Akademikern sitzen und Verwaltungsmitarbeiter neben Musikern. Offiziell gehört der Pub seiner Frau Marion, die tagsüber das Geschäft führt, während Steinmüller abends und nachts hinter dem Tresen steht. Kennengelernt haben sich die beiden 2015 auf einem Hardcore-Konzert in Berlin, geheiratet wurde 2017 – im traditionellen schottischen Kilt.
Politische Anfänge und der Weg in die Stadtvertretung
Steinmüllers erster Kontakt mit Politik war unfreiwillig: Streitigkeiten mit Behörden um Auflagen für seinen Pub zwangen ihn, sich mit Verwaltungsstrukturen auseinanderzusetzen. Aus dieser Erfahrung entwickelte sich ein politisches Engagement. 2019 zog er in die Schweriner Stadtvertretung ein, nach einem kurzen Intermezzo bei der SPD entschied er sich für die fraktionslose Arbeit. "Ein Oberbürgermeister muss vermitteln können, ohne parteipolitische Fesseln", begründet er seine Entscheidung.
Am 19. März wird sich Steinmüller beim Wahlpodium der SVZ im Wichernsaal den Fragen der Öffentlichkeit stellen. Seine Bewerbung sei anfangs nur zu "20 Prozent ernst gemeint" gewesen, gesteht er, doch dann reifte der Entschluss: "Wenn ich Veränderung will, muss ich selbst antreten."
Privatleben zwischen Whisky und Modelleisenbahn
Abseits der Politik und des Pub-Alltags pflegt Steinmüller ungewöhnliche Hobbys. Er singt in einem Shanty-Chor, der Rock- und Metal-Songs in ungewöhnliche Seemannsversionen übersetzt. Als Ausgleich zum lauten Kneipenbetrieb zieht er sich in sein privates Reich zurück: ein Zimmer voller Miniaturzüge. "Die Modelleisenbahn holt mich runter", erklärt er. Und statt Bier steht auf seinem Tresen manchmal ein torfiger Islay-Whisky – kräftig und rauchig, ganz nach seinem Geschmack.
Ein Kandidat mit Ecken und Kanten
"Ich bin kein leichter Mensch", räumt Steinmüller selbst ein. Streitbar, ehrgeizig und manchmal ungeduldig – aber immer ehrlich. Vielleicht liegt genau darin sein politisches Angebot: kein glatt polierter Lebenslauf, sondern einer mit Umwegen, Brüchen und einer Theke als Mittelpunkt. Vom Maurer zum Fernfahrer, vom Wirt zum Stadtvertreter – der nächste Schritt wäre das Rathaus. Für Heiko Steinmüller wäre dies keine klassische Karriere, sondern die logische Fortsetzung eines Weges, der nie geplant war, aber immer konsequent gegangen wurde.



