BSW-Statistiken zeigen: Rentner in Mecklenburg-Vorpommern verlieren an Einkommen
Der Vorsatz, Senioren nicht von der allgemeinen Einkommensentwicklung abzukoppeln, ist ein hehrer. Doch die Realität sieht anders aus, wie aktuelle Zahlen des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW) belegen. In Mecklenburg-Vorpommern klafft die Einkommensschere zwischen Rentnern und der Gesamtbevölkerung immer weiter auseinander, trotz regelmäßiger Rentenerhöhungen.
Einkommenslücke hat sich verdoppelt
Im Jahr 2025 verfügten Rentner in Mecklenburg-Vorpommern im Mittel über 22.023 Euro Einkommen. Das sind 4.034 Euro weniger als der Bevölkerungsschnitt von 26.057 Euro. Diese Diskrepanz hat sich in wenigen Jahren dramatisch vergrößert: 2024 lag die Lücke noch bei 3.523 Euro, 2023 bei 2.800 Euro und 2022 bei 2.024 Euro. Damit hat sich der Einkommensunterschied zwischen Rentenbeziehern und der Gesamtbevölkerung verdoppelt.
Rentner und Pensionäre stellen eine bedeutende Wählergruppe dar, die stetig wächst. In Mecklenburg-Vorpommern ist bereits mehr als ein Drittel der Bevölkerung älter als 60 Jahre, und über 441.000 Einwohner haben das 65. Lebensjahr überschritten.
Ministerpräsidentin Schwesig betont Rentenerhöhung
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) begrüßte die für den 1. Juli 2026 geplante Rentenerhöhung um 4,24 Prozent. „Das ist eine deutliche Rentenerhöhung und eine gute Nachricht für alle Rentnerinnen und Rentner in Deutschland. Sie liegt auch klar über der Preissteigerung“, erklärte sie. Schwesig forderte zudem, dass die gesetzliche Rente auch in Zukunft verlässlich bleiben müsse: „Wenn die Löhne nach oben gehen, müssen auch die Renten steigen. Das ist eine Frage der sozialen Gerechtigkeit und auch eine Frage des Respekts vor Lebensleistungen.“
Steigende Zahlen bei der Grundsicherung im Alter
Parallel zur wachsenden Einkommenslücke steigt in Mecklenburg-Vorpommern – wie in ganz Deutschland – die Zahl der Senioren, die auf staatliche Grundsicherung angewiesen sind. Ihre Renten reichen oft nicht für den Lebensunterhalt aus. Die Deutsche Rentenversicherung empfiehlt als Faustregel, bei einem Gesamteinkommen unter 1.062 Euro monatlich zu prüfen, ob ein Anspruch auf Grundsicherung besteht.
Im Jahr 2024 bezogen 9.440 Altersrentner im Nordosten zusätzlich Grundsicherung im Alter. Das sind fast 1.000 Betroffene mehr als im Vorjahr, was einem Anstieg von zehn Prozent entspricht. Ende 2023 waren noch 8.565 Bezieher einer Altersrente auf Sozialhilfe angewiesen. Die Zahl steigt kontinuierlich: Ende 2022 waren es 8.100 Rentner in Mecklenburg-Vorpommern.
Rentenpolitik als Wahlkampfschwerpunkt des BSW
Sabine Firnhaber, die gemeinsam mit Peter Schabbel die Landesliste des BSW zur Landtagswahl anführt, konstatiert: „Rentner leben nicht im Schlaraffenland, wie die Rentendebatte teils suggeriert. Ganz im Gegenteil haben sie im Vergleich zur Gesamtbevölkerung an Einkommen und damit an Wohlstand verloren.“ Dies gelte insbesondere unter Berücksichtigung der Kaufkraft.
„Für mich ist deshalb klar: Die Rentenpolitik wird ein zentraler Schwerpunkt unseres Wahlkampfs sein“, so Firnhaber. „Denn auch die Landesregierung kann mehr für Rentnerinnen und Rentner tun, die oft trotz ihrer Rente noch hohe Steuern und Abgaben zahlen müssen. Wir fordern daher, dass gesetzliche Renten bis mindestens 2.000 Euro steuerfrei bleiben. Es ist inakzeptabel, dass Menschen mit ohnehin schmalen Renten zusätzlich belastet werden. Um hier eine Veränderung zu erreichen, muss Mecklenburg-Vorpommern eine entsprechende Initiative in den Bundesrat einbringen.“
Die Statistiken des BSW verdeutlichen somit eine besorgniserregende Entwicklung: Trotz politischer Beteuerungen und Rentenerhöhungen verlieren Senioren in Mecklenburg-Vorpommern zunehmend den Anschluss an die allgemeine Einkommensentwicklung. Die wachsende Abhängigkeit von Grundsicherung und die steigende Einkommenslücke unterstreichen die Dringlichkeit rentenpolitischer Maßnahmen.



