Schweriner in Vietnam gestrandet: Nahost-Krise stoppt Rückflüge nach Deutschland
Die angespannte Sicherheitslage im Nahen Osten hat weltweit massive Auswirkungen auf den Flugverkehr. Auch Menschen aus Schwerin sind davon betroffen und sitzen in Vietnam fest, weil ihre Rückflüge nach Deutschland gestrichen oder verschoben wurden.
Gastronom muss Abschied von seiner Schwester nehmen
Der Schweriner Gastronom Khong Ngoc Thin, Inhaber des Restaurants Golden Dragon am Marienplatz, wollte eigentlich nur für kurze Zeit in seine alte Heimat Nordvietnam reisen. Ende Januar war er dorthin geflogen, um seine Familie zu besuchen – insbesondere seine fast 100-jährige Mutter. Anlass war das vietnamesische Neujahrsfest Tết, das in diesem Jahr Ende Januar gefeiert wurde. Geplant war ein Aufenthalt von wenigen Wochen, doch die Rückreise verzögert sich nun erheblich.
Vor wenigen Tagen stand Khong Ngoc Thin noch am Flughafen in Hanoi, um sich von seiner Schwester zu verabschieden. Sie konnte mit Vietnam Airlines zurück nach Deutschland fliegen, während für ihn selbst kein Platz im Flugzeug verfügbar war. Ein privates Foto zeigt den emotionalen Moment des Abschieds. Nun wartet der Schweriner Gastronom auf eine neue Verbindung, die voraussichtlich erst in der kommenden Woche stattfinden kann.
„Er vermisst sein Zuhause hier und seine Arbeit“, sagt seine Nichte Ngân Dao. Sie und ihr Mann Cuong Nguyen betreiben ebenfalls Gastronomie in Schwerin: In der Mecklenburgstraße führen sie das vietnamesische Restaurant Bao Minh.
Koch-Azubi steht vor finanziellen Problemen
Von den Auswirkungen der Flugausfälle ist auch der 23-jährige Bùi Văn Minh betroffen. Der junge Vietnamese lebt in Schwerin und macht dort eine Ausbildung zum Koch in einem Hotel. Für einen Besuch bei seiner Familie war er nach Nordvietnam gereist, in die Region Thái Bình, etwa zwei Stunden von Hanoi entfernt.
Kurz vor seiner Rückreise erhielt auch er die Nachricht, dass sein Flug gestrichen wurde. Anders als viele Geschäftsreisende oder Urlauber steht Minh nun vor einem ganz praktischen Problem: Ein neues Ticket kostet derzeit mehr als 1000 Euro – eine enorme Summe für einen Auszubildenden. Ob und in welcher Höhe diese Kosten erstattet werden, ist unklar.
„Er möchte unbedingt zurück, um seine Ausbildung fortzuführen“, erzählt eine Schweriner Bekannte, die engen Kontakt zu ihm hält. Während Khong Ngoc Thin die Wartezeit zumindest bei seiner Familie in Vietnam verbringen kann und im Restaurant vertreten wird, steht der junge Koch vor anderen Sorgen: Er muss nicht nur seine Rückreise organisieren, sondern auch überlegen, wie er die ausgefallenen Stunden in seiner Ausbildung wieder aufholen kann.
Luftraumsperrungen im Nahen Osten als Ursache
Der Grund für die Verzögerungen liegt tausende Kilometer entfernt. Wegen der angespannten Sicherheitslage im Nahen Osten wurden in mehreren Ländern der Golfregion Lufträume zeitweise gesperrt oder eingeschränkt. Besonders betroffen sind große internationale Drehkreuze wie:
- Doha
- Dubai
- Abu Dhabi
Auch Flughäfen in Kuwait und Bahrain waren zeitweise betroffen. Diese Airports spielen eine zentrale Rolle im weltweiten Luftverkehr. Gerade für Verbindungen zwischen Europa und Südostasien dienen sie als wichtige Umsteigepunkte.
Viele Flüge von Deutschland nach Vietnam führen etwa von Frankfurt über Doha, Dubai oder Abu Dhabi weiter nach Hanoi oder Ho-Chi-Minh-Stadt. Mit Umstieg dauert die Reise meist rund 16 bis 17 Stunden. Wenn diese Knotenpunkte eingeschränkt arbeiten oder zeitweise schließen müssen, geraten ganze Flugketten ins Stocken.
Hoffnung auf alternative Flugrouten
Einige Airlines bieten inzwischen alternative Flugrouten an, etwa über China oder andere asiatische Drehkreuze, die den problematischen Luftraum im Nahen Osten umgehen. Doch die Nachfrage nach diesen Verbindungen ist hoch und freie Plätze sind knapp. Für Khong Ngoc Thin bedeutet das vor allem Geduld und für Minh ein nervöses Warten auf eine bezahlbare Rückflugmöglichkeit.
Beide hoffen, bald wieder nach Schwerin zurückzukehren. Die Situation zeigt, wie globale politische Krisen direkte Auswirkungen auf das Leben einzelner Menschen in Mecklenburg-Vorpommern haben können.



