Transportproblem in Mecklenburg-Vorpommern: Senioren bleiben nach Klinikaufenthalt ohne Heimfahrt
Eine verschärfte Auslegung bundesweiter Richtlinien für Krankentransporte stellt Pflegekräfte und Patienten in Mecklenburg-Vorpommern vor massive Probleme. Wie aus dem Krankenhaus Altentreptow berichtet wird, können betagte Menschen nach einem stationären Aufenthalt häufig nicht mehr nach Hause gebracht werden, da die notwendigen Transporte nicht mehr genehmigt werden.
Strengere Regeln seit Jahresbeginn
Die bisher eher kulante Handhabung bei der Bewilligung von Krankentransporten wurde zu Beginn des Jahres deutlich verschärft. Katrin Marx, stellvertretende Stationsleitung auf der Akutgeriatrie-Station F01 im Krankenhaus Altentreptow, erklärt: „Ein Krankentransport darf nur noch bewilligt werden, wenn medizinische Notwendigkeit nachgewiesen ist.“ Diese bundesweit geltende Richtlinie geht davon aus, dass Patienten nach einem Klinikaufenthalt wieder bei Kräften sind.
Doch genau diese Annahme trifft auf geriatrische Stationen nicht zu. „Unsere Patienten sind fast durchweg über 70 Jahre alt und hochgradig erkrankt“, verdeutlicht Schwester Katrin. „Sie gehen nicht gesund nach Hause.“ Viele benötigen Transporte im Tragestuhl, liegend oder mit Mobilitätsunterstützung – auch wenn keine spezifischen medizinischen Notwendigkeiten wie Sauerstoffversorgung oder fachliche Überwachung vorliegen.
Telefonmarathon statt Patientenversorgung
Die Konsequenzen der neuen Strenge bleiben an den Pflegekräften hängen. Anne-Christin Raap, Bereichspflegedienstleitung am Standort Altentreptow des Dietrich-Bonhoeffer-Klinikums, berichtet: „Die Pflege hat andere Aufgaben als stundenlange Telefonate. Die Zeit fehlt uns in der Patientenversorgung.“
Die Mitarbeiter müssen regelmäßig Taxi-Unternehmen und Fahrdienste abtelefonieren, die in der ländlichen Region jedoch dünn gesät sind. Besonders problematisch sind Fahrten in abgelegene Orte wie Wolde, Woldegk oder Waren. Ein Beispiel: Für die Fahrt einer Patientin von Altentreptow nach Wolde und zurück fallen rund 60 Kilometer an, von denen die Krankenkasse jedoch nur die 13 Kilometer von der Klinik zum Wohnsitz übernimmt.
Zentrale Koordinierung gefordert
Die Station F01 verfügt über mehr als 20 Betten und betreut jährlich etwa 800 Patienten. Sie ist spezialisiert auf die Behandlung alter Menschen mit komplexen körperlichen und psychisch-sozialen Problemen. Die Abteilung behandelt sowohl Akut-Situationen nach Stürzen oder Schlaganfällen als auch führt zweiwöchige geriatrische Komplexbehandlungen durch.
Anne-Christin Raap fordert eine Lösung: „Hilfreich wäre eine zentrale Koordinierung aller verfügbaren Fahrdienste der Region.“ In Ballungszentren würden dafür bereits Software-Lösungen genutzt, doch in ländlichen Gebieten sei die Anzahl möglicher Kooperationspartner überschaubar. „Wenn wir über die drohende Unterversorgung ländlicher Räume sprechen, gehören Krankentransporte unbedingt dazu“, mahnt die Pflegedienstleiterin.
Liste mit Anbietern veraltet
Die Situation wird durch veraltete Informationen verschärft. Von der Liste, die die Leitstelle zur Verfügung stellt, existieren viele Unternehmen gar nicht mehr oder bieten keine Krankenfahrten mehr an. Sollte sich einmal gar keine Transportlösung finden, müsste die Entlassung verschoben werden – was ebenfalls von den Krankenkassen nicht gutgeheißen wird.
„Irgendwann kommt der Tag, an dem wir einen Patienten im Rollstuhl quer durch die Stadt nach Hause schieben“, merkt Schwester Katrin mit Galgenhumor an. Das Problem betrifft nicht nur den Standort Altentreptow, sondern auch das Krankenhaus in Malchin, wo ähnliche Schwierigkeiten gemeldet werden.
Die verschärfte Regelauslegung führt dazu, dass ältere Menschen nach einem Krankenhausaufenthalt oft hilflos dastehen. Während die medizinische Versorgung in den Kliniken gewährleistet ist, bleibt die Rückkehr in die eigenen vier Wände für viele ein unüberwindbares Hindernis – eine Situation, die dringend politischer und organisatorischer Lösungen bedarf.



