Seltenes Naturphänomen: Große Eisfläche auf Neubrandenburger Tollensesee
Im Neubrandenburger Kulturpark bietet sich derzeit ein beeindruckendes und seltenes Bild: Eine scheinbar endlose Eisfläche erstreckt sich über den Tollensesee. Während andere Seen der Region bei winterlichen Temperaturen regelmäßig zufrieren, ist dieses Phänomen in Neubrandenburg eine besondere Ausnahme. Ob die Eisdecke tatsächlich die gesamte Länge von zehn Kilometern bedeckt, lässt sich vom Kulturpark aus nicht mit Sicherheit sagen, doch der Anblick ist außergewöhnlich.
Warum der See normalerweise nicht zufriert
Der Tollensesee erreicht an einigen Stellen eine Tiefe von bis zu 33 Metern, was ihn im Vergleich zur nahegelegenen Müritz normalerweise vor dem vollständigen Zufrieren bewahrt. In diesen tiefen Schichten benötigt das Wasser deutlich länger, um sich vollständig abzukühlen. Dort halten sich Temperaturen von etwa vier Grad Celsius, die Fische anziehen. Zusätzlich hält der Wind das Wasser üblicherweise in Bewegung und verhindert so die Bildung einer stabilen Eisschicht.
Die anhaltenden frostigen Temperaturen der vergangenen Wochen haben jedoch dazu geführt, dass sich nun doch eine bemerkenswerte Eisdecke auf dem See gebildet hat. Noch Anfang Februar war lediglich am Uferbereich eine dünne Eisschicht zu erkennen – der aktuelle Zustand markiert somit eine deutliche Veränderung.
Historische Vergleiche und aktuelle Beobachtungen
Ein vollständig zugefrorener Tollensesee ist zwar selten, aber nicht völlig unbekannt. Bodo Heise, Abteilungsleiter im Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt, verwies in einem früheren Gespräch mit dem Nordkurier auf historische Aufnahmen, die sogar Autos zeigen, die anstelle von Booten über den See fuhren. Aktuell nutzen einige Menschen die Gelegenheit und betreten die Eisfläche im Uferbereich, obwohl die Stadt Neubrandenburg ausdrücklich davon abrät.
Stadtsprecherin Anja Seugling betonte bereits im Januar: „Grundsätzlich geben wir keine Freigaben für das Betreten von Eisflächen.“ Das Betreten erfolge ausschließlich auf eigene Gefahr, da die Tragfähigkeit des Eises nicht garantiert werden kann.
Die Situation bei Tieren und benachbarten Gewässern
Für die Tierwelt gibt es trotz der Eisdecke positive Nachrichten: Rund um die Bootsschuppen haben sich einige eisfreie Flächen gebildet, an denen sich zahlreiche Vögel versammeln. Diese Bereiche bieten den Tieren weiterhin Zugang zum Wasser.
Auch die südlich gelegene Lieps, die durch einen Kanal mit dem Tollensesee verbunden ist, zeigt sich seit Wochen größtenteils zugefroren. Mit einer durchschnittlichen Wassertiefe von etwas mehr als zwei Metern friert dieser vergleichsweise kleine See regelmäßiger zu. Dennoch erteilt auch hier keine Behörde eine offizielle Freigabe zum Betreten der Eisfläche.
Wetterprognose und Ausblick
Die ungewöhnliche Eisdecke dürfte jedoch nicht von langer Dauer sein. Laut Prognosen des Deutschen Wetterdienstes könnten ab Mittwoch, dem 25. Februar, zweistellige Plusgrade erreicht werden. Diese höheren Temperaturen werden voraussichtlich dazu führen, dass die Eisschicht langsam schmilzt und der Tollensesee bald wieder in seinen gewohnten Zustand zurückkehrt. Bis dahin bleibt das seltene Naturschauspiel ein faszinierender Anblick für Besucher des Kulturparks.



