Eskalation im Krankentransport: Taxistreik trifft Patienten in Mecklenburg-Vorpommern hart
Die Situation für tausende Patienten in Mecklenburg-Vorpommern spitzt sich dramatisch zu. Nach monatelangen, ergebnislosen Verhandlungen zwischen dem Taxigewerbe und den Krankenkassen des Bundeslandes kommt es ab dem 1. April zu massiven Einschränkungen bei Krankenfahrten. Das Taxigewerbe hat angekündigt, diese Transporte vorübergehend einzustellen, da ohne Tarifeinigung keine Abrechnungsgrundlage mit den Kassen besteht.
Gescheiterte Verhandlungen und weitreichende Konsequenzen
Maik Göricke, Vorstandsmitglied des Landesverbandes des Taxi- und Mietwagengewerbes MV, bestätigte am Dienstag nach zweitägigen Verhandlungen das endgültige Scheitern der Gespräche. "Ohne eine Tarifeinigung fehlt den Unternehmen die Grundlage für die Abrechnung", begründete er die drastische Maßnahme. Von den Ausfällen betroffen sind insbesondere chronisch kranke und mobilitätseingeschränkte Patienten, die regelmäßig Transporte zu Dialyse, Chemotherapien, Strahlentherapien, ambulanten Behandlungen oder Entlassungsfahrten benötigen.
Die Einschränkungen werden sich laut Verbandsangaben in folgenden Regionen besonders bemerkbar machen:
- Schwerin
- Neubrandenburg
- Rostock
- Stralsund
- Mecklenburgische Seenplatte
- Vorpommern-Rügen
Zwei Positionen - eine verfahrene Situation
Die Krankenkassen zeigten sich enttäuscht über das Scheitern der Verhandlungen und betonten, ein deutlich verbessertes Angebot vorgelegt zu haben. Nach Informationen aus Verhandlungskreisen wurden den Taxiunternehmen durchschnittlich zehn Prozent höhere Vergütungen angeboten. Die Kassen kritisierten scharf, dass der Landesverband mit seinem "Pokerspiel" die Versorgung teilweise lebensbedrohlich erkrankter Menschen gefährde.
Demgegenüber argumentiert das Taxigewerbe, dass selbst diese Angebote nicht kostendeckend seien. "Wir stehen kurz vor dem Kollaps", warnte Verbandschef Guido Sembach bereits zu Wochenbeginn in der IHK Neubrandenburg. Die Branche fordert eine zweistellige Tariferhöhung und eine Angleichung an das Niveau anderer Bundesländer, da in MV bisher die niedrigsten Vergütungen gezahlt würden.
Patienten im Dilemma - Kassen versuchen zu steuern
Für die betroffenen Patienten bedeutet die Situation erhebliche Unsicherheit. Claudia Straub, Leiterin der vdek-Landesvertretung MV, sicherte zu: "Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um geplante Fahrten umzusteuern." Die Kassen bieten den Taxiunternehmen ab April Einzelvereinbarungen in Höhe des letzten Tarifangebots an, von denen bereits die Hälfte der Unternehmen Gebrauch gemacht haben soll.
Versicherte, die ab dem 1. April eine Krankenfahrt benötigen, werden aufgefordert, sich direkt an ihre Krankenversicherung zu wenden. Die Kassen appellierten zudem an die Taxiunternehmen, sich nicht an den Streiks zu beteiligen, um die Versorgung schwer kranker Menschen nicht zu gefährden.
Strukturelle Probleme und langfristige Folgen
Im Hintergrund zeichnet sich ein gravierendes strukturelles Problem ab. Krister Hennige, Präsident der IHK Neubrandenburg, sieht "das Geschäftsmodell Taxi im ländlichen Raum bedroht". In den vergangenen 25 Jahren hätten mehr als 500 Taxi- und Mietwagenunternehmer in ganz MV ihr Gewerbe aufgegeben - ein Rückgang von etwa 60 Prozent.
Die aktuelle Krise verdeutlicht die prekäre Situation einer Branche, die mit stark gestiegenen Kosten für Sprit, Fahrzeuge, Reparaturen und Löhne kämpft, während die Vergütungen für essentielle Dienstleistungen wie Krankenfahrten nicht kostendeckend sind. Für tausende Patienten in Mecklenburg-Vorpommern bedeutet dies ab April ungewisse Wege zu lebenswichtigen Behandlungen.



