Unheimlicher Anblick im Oberbach: Vier riesige tote Fische geben Rätsel auf
Ein sonniger Nachmittag in Neubrandenburg sollte eigentlich eine entspannte Entdeckungstour in der Natur werden. Doch dann hallt die aufgeregte Stimme eines Jungen über den Oberbach: „Papa, schau mal!“ Der Autor Martin Trotz, der in seiner Rückkehrer-Kolumne „Ich bin wieder hier“ über das Leben in seiner alten Heimat schreibt, eilt zum Ufer in der Nähe der großen Brücke.
Was sich im Wasser verbirgt
„Was ich sehe, lässt mich stocken“, schreibt Trotz. Am Grund des Bachs liegen vier große helle Flecken – vier weiße Kolosse, vier riesige Fische. Die unmittelbaren Fragen schießen ihm durch den Kopf: Wie kommen die dorthin? Sind sie verendet? Handelt es sich vielleicht um Überbleibsel aus dem eisigen Winter, als sich eine dicke Eisschicht über den Tollensesee und den Oberbach zog?
Dem neugierigen Sohn kann der Vater keine zufriedenstellende Antwort geben. Ein einfacher Verweis auf natürliche Vorgänge scheint an dieser Stelle nicht angemessen. Laut einem ortskundigen Angler handelt es sich bei den Fischen vermutlich um Zander, die an dieser Stelle abgelegt wurden. Die Stadt Neubrandenburg bestätigt diese Information auf Nachfrage des Nordkuriers.
Verdacht auf Tierquälerei und Gleichgültigkeit
Doch zwei Dinge stören den Autor zutiefst: Zwar sind Zander gesellige Raubfische, die besonders in kleinen Gruppen oder lockeren Schwärmen jagen. Theoretisch könnten sie also beisammen eingefroren sein. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass jemand mutwillig vier dicke Fische gefangen, sie getötet und dann wieder zurück ins Wasser geworfen hat. Wer macht so etwas? Diese Handlung stellt nicht nur eine Form von Tierquälerei dar, sondern wirkt sich auch negativ auf das Stadtbild aus.
Zweitens breitet sich ein unbehagliches Gefühl von Gleichgültigkeit aus. Die offizielle Stellungnahme der Stadt lautet: Nach aktuellem Kenntnisstand gehe keine Gefahr aus, es seien derzeit keine weiteren Maßnahmen vorgesehen, und man gehe davon aus, dass sich der natürliche Abbauprozess durch die Tierwelt vollziehe. Für die Entsorgung sei – typisch deutsch – natürlich eine andere Stelle zuständig, in diesem Fall das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburgische Seenplatte.
Erinnerungen an frühere Vorfälle
Dem Autor ist durchaus bewusst, dass die Stadt nicht viel mehr machen kann. Dennoch klingt die Reaktion für ihn nach einem resignierten Achselzucken. Ähnlich habe er gedacht, als mitten im Winter bis zu 20 verendete Kormorane zwischen Vierrademühle und Tollensesee quer über dem Eis verteilt lagen und sich niemand ernsthaft um die Beseitigung der Kadaver kümmerte. Viele Rückmeldungen von Bürgern hätten damals ins gleiche Horn geblasen.
„Was auffällt und die Menschen vor Ort bewegt, darf die Zuständigen zum Handeln animieren“, fordert Trotz. Warum nicht einfach Fakten schaffen mit Untersuchungen und dabei zumindest das optische Problem beseitigen?
Weiter geht die Entdeckungstour
Zurück zum Geschehen am Oberbach: Vater und Sohn sind ganz schön erschrocken und machen sich davon. Die gegenüberliegende Baustelle der kleinen Brücke über den Ölmühlenbach weiß zumindest abzulenken. Doch der unheimliche Anblick der vier toten Riesen im Wasser bleibt im Gedächtnis haften – ein Rätsel, das wohl nie vollständig gelöst werden wird.



