Wärmeplanung in Nordwestmecklenburg: Kommunen auf dem Weg zur klimaneutralen Wärmeversorgung
Die Wärmeversorgung stellt in Deutschland mehr als die Hälfte des gesamten Endenergieverbrauchs dar und ist für einen erheblichen Anteil der CO₂-Emissionen verantwortlich. Spätestens bis zum 30. Juni 2028 sind Städte und Gemeinden bundesweit dazu verpflichtet, umfassende Wärmepläne zu erstellen. Auch das Amt Lützow-Lübstorf in Nordwestmecklenburg befasst sich intensiv mit der zukünftigen klimafreundlichen Wärmeversorgung.
Gesetzliche Grundlagen und strategische Bedeutung
Seit dem 1. Januar 2024 ist das Wärmeplanungsgesetz in Kraft, das die Bundesländer verpflichtet, für Gemeindegebiete mit mehr als 100.000 Einwohnern bis Juni 2026 und für kleinere Gemeinden bis Juni 2028 entsprechende Pläne vorzulegen. Die Wärmeplanung gilt als zentrales Instrument zur Transformation der Wärmeversorgung hin zur Treibhausgasneutralität. Laut Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz soll sie als strategische Planung den Weg zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung bis zum Zieljahr 2045 aufzeigen.
Erste Analysen im Amt Lützow-Lübstorf
Unterstützt wird das Amt Lützow-Lübstorf bei dieser Aufgabe von der Energie-Sparzentrale, einer Tochtergesellschaft der Wemag. Bei einer kürzlichen Veranstaltung in Lützow wurden erste Ergebnisse der Bestands- und Potenzialanalyse vorgestellt. Nele Kalup von der Energie-Sparzentrale erläuterte, dass in sieben Gemeinden des Amtsbereichs – Gottesgabe, Grambow, Perlin, Pingelshagen, Pokrent, Schildetal und Seehof – insgesamt 3080 Gebäude untersucht wurden.
Die Gebäudestruktur und Energieverbrauch
- Der Großteil der Gebäude sind private Wohngebäude
- Rund 17 Prozent entfallen auf Gewerbe, Handel und Dienstleistungen
- Etwa vier Prozent sind Industrie- und Produktionsgebäude
- Weniger als ein Prozent sind öffentliche Bauten
Die Berechnungen der Energie-Sparzentrale zeigen, dass diese Gebäude insgesamt etwa 12.000 Tonnen CO₂-Emissionen pro Jahr verursachen. Umgerechnet sind das rund 2,3 Tonnen jährlich pro Person – vergleichbar mit einem Langstreckenflug von New York nach Berlin.
Energieträger und Sanierungsbedarf
Der gesamte Wärmebedarf in den sieben Gemeinden liegt bei etwa 48 Gigawattstunden pro Jahr. Dabei dominiert Erdgas als Hauptenergieträger mit rund 76 Prozent, gefolgt von Heizöl mit 12 Prozent und Holzscheiten mit etwa 11 Prozent. Der Anteil fossiler Energie überwiegt in den Gemeinden deutlich.
Besonders auffällig ist der Sanierungsbedarf: Mehr als 50 Prozent der Gebäude werden in die Energieeffizienzklassen E bis H eingeteilt, was auf sanierungsbedürftige Altbauten hinweist, die nicht mehr dem heutigen Standard entsprechen.
Potenziale für klimafreundliche Wärmeversorgung
Im Bereich der Potenziale identifiziert die Energie-Sparzentrale zwei große Stellschrauben:
- Die Reduzierung des Verbrauchs durch Gebäudesanierung
- Den Ersatz fossiler Energie durch regenerative Energien
Durch Sanierung könnte der Wärmebedarf um etwa 17 Gigawattstunden pro Jahr gesenkt werden – das entspricht einer Reduktion von 33 Prozent in Perlin bis zu 48 Prozent in Gottesgabe. Allerdings betont Nele Kalup, dass es sich hier um theoretische Potenziale handelt, die in der Praxis nicht vollständig realisierbar sind.
Im Bereich der regenerativen Wärmeerzeugung zeigen sich besonders bei Solar- und Geothermie große Potenziale in allen Gemeinden. Ulf Schmidt, Geschäftsführer der Energie-Sparzentrale, erklärt, dass der Wärmeplan keine Aussagen zu einzelnen Gebäuden oder Straßen treffen kann, sondern als Orientierungshilfe für gesamte Kommunen dient.
Die entscheidende Rolle der Heizungsanlagen
Schmidt weist darauf hin, dass eine reine Fokussierung auf Wärmebedarfsreduktion durch Dämmung nicht ausreicht, um die Klimaziele bis 2045 zu erreichen. Der entscheidende Faktor sind die Heizungsanlagen, betont er. Nur durch den Austausch fossiler Heizsysteme gegen klimafreundliche Alternativen kann die Transformation gelingen.
Als nächster Schritt sollen die Wärmepläne bis Ende März 2026 veröffentlicht werden. Alle fünf Jahre ist eine Fortschreibung vorgesehen, um technologische Entwicklungen und veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Jörg Drescher von der Energie-Sparzentrale resümiert: Wir sind alle keine Hellseher – die Wärmeplanung muss daher regelmäßig angepasst werden, um den Weg zur klimaneutralen Wärmeversorgung erfolgreich zu gestalten.



