Atommüll-Transporte durch NRW gestartet: 152 Castoren rollen von Jülich nach Ahaus
Atommüll-Transporte in NRW: 152 Castoren unterwegs

Atommüll-Transporte durch NRW: Großaktion mit 152 Castoren gestartet

Der umstrittene Transport von radioaktivem Abfall durch Nordrhein-Westfalen ist nun offiziell angelaufen. Ein Sprecher des NRW-Innenministeriums bestätigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass der erste Konvoi mit einem Castor-Behälter seine Reise angetreten hat. Insgesamt sollen 152 dieser speziellen Transportbehälter auf der Straße bewegt werden, was diesen Vorgang zu einem der größten Atommüll-Transporte auf deutschen Straßen seit mehreren Jahrzehnten macht.

Ziel: Zwischenlager Ahaus im Münsterland

Das finale Ziel aller Transporte ist das Zwischenlager in Ahaus, das sich im Münsterland befindet. Die Strecke von Jülich nach Ahaus erstreckt sich über gut 170 Kilometer. In den Castor-Behältern befinden sich insgesamt etwa 300.000 Brennelemente-Kugeln, die aus dem ehemaligen Versuchsreaktor in Jülich stammen. Die komplette Verlagerung des radioaktiven Materials wird sich über einen längeren Zeitraum erstrecken, da die Transportkapazitäten begrenzt sind.

Rechtliche Auseinandersetzungen und Sicherheitsbedenken

Dem nun gestarteten Transport gingen mehrere gerichtliche Auseinandersetzungen voraus. Anfang März entschied das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg in einer Eilentscheidung, dass die Transporte durchgeführt werden dürfen. Die Umweltorganisation BUND hatte versucht, die Transporte auf dem Rechtsweg zu verhindern, mit der Begründung, dass die Sicherheit der Castoren bei der Fahrt über nordrhein-westfälische Straßen nicht ausreichend gegen mögliche Störmaßnahmen Dritter gewährleistet sei.

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Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) hatte die Transporte bereits am 25. August genehmigt. Ursprünglich waren 152 Einzeltransporte beantragt worden, die jedoch gebündelt werden können. Zur Verfügung stehen lediglich vier geeignete Transportfahrzeuge, von denen jedes nur einen Behälter auf einmal transportieren kann.

Jahrelanges Tauziehen um die Lagerung

Die Diskussion um die Lagerung des Jülicher Atommülls zieht sich bereits seit Jahren hin. Die letzte Betriebsgenehmigung für das Lager in Jülich lief bereits im Jahr 2013 aus. Das NRW-Wirtschaftsministerium ordnete 2014 die Räumung des Lagers an, da die Erdbebensicherheit nicht nachgewiesen werden konnte. In der Folge wurden verschiedene Optionen geprüft.

Aus Sicht des Landes Nordrhein-Westfalen wäre ein Neubau in Jülich die beste Lösung gewesen. Dies wurde jedoch von der Bundesebene nicht unterstützt, wie die NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) erklärte. Anwohner und Aktivisten wehren sich seit langem gegen die Atommülltransporte nach Ahaus.

Kritik von Polizei und fehlende Endlager-Lösung

Kritik an den Transporten kommt auch aus den Reihen der Polizei. Patrick Schlüter, der NRW-Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), bezeichnete die Transporte mit dem notwendigen Begleitschutz im August 2025 als „sinnlose Mammutaufgabe“. Er kritisierte, dass sich die Politik um die Endlagerfrage drücke und den Atommüll lediglich von einem Zwischenlager zum nächsten fahren lasse.

In Deutschland existiert derzeit noch kein Endlager, in dem hochradioaktiver Abfall für Hunderttausende von Jahren sicher gelagert werden könnte. Stattdessen gibt es sechzehn Zwischenlager, zu denen auch das Lager in Ahaus gehört. Diese temporäre Lösung wird von vielen Seiten als unbefriedigend angesehen, während die Suche nach einem geeigneten Endlagerstandort weiterhin andauert.

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