ESC 2026 in Wien: Favoriten, Boykott und Sicherheitsvorkehrungen
ESC 2026: Boykott, Favoriten und Sicherheit in Wien

Der ESC 2026 in Wien: Ein Jubiläum unter besonderen Vorzeichen

Der Eurovision Song Contest (ESC) hat sich im Laufe der Jahre von einem eher braven Liederwettbewerb zu einem weltweiten Musikspektakel entwickelt. In diesem Jahr feiert der ESC sein 70. Jubiläum in Wien. Doch die Vorfreude wird überschattet von einem beispiellosen Boykott und drohenden Protesten, die die Sicherheitsvorkehrungen auf ein immenses Niveau treiben. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Event.

Wer sind die Favoriten auf den Sieg?

Laut Wettanbietern und Online-Umfragen liegen Linda Lampenius und Pete Parkkonen aus Finnland mit ihrem Violine-Gesangs-Duett „Liekinheitin“ („Flammenwerfer“) vorn. Auch der Däne Søren Torpegaard Lund mit seinem Song „Før vi går hjem“ gilt als aussichtsreicher Kandidat. Gute Chancen werden zudem Akylas aus Griechenland mit seiner Gute-Laune-Nummer „Ferto“ und der Australierin Delta Goodrem mit ihrer Power-Ballade „Eclipse“ eingeräumt. Zum erweiterten Favoritenkreis zählen Beiträge aus Schweden, Italien, die französisch-amerikanische Sängerin Monroe mit dem Klassik-Pop-Song „Regarde !“ und die Rumänin Alexandra Capitanescu, deren Song „Choke Me“ bereits vor dem Finale für Diskussionen sorgte.

Wie stehen die Chancen für Deutschland und Österreich?

Sarah Engels tritt für Deutschland mit „Fire“ an. Die tanzbare Pop-Nummer liegt im hinteren Mittelfeld der Wettquoten. Positiv ist, dass „Fire“ in den vergangenen Wochen der meistgesuchte ESC-Beitrag auf Google war und Deutschland für das Finale gesetzt ist. Österreich wird von Cosmó mit dem deutschsprachigen Song „Tanzschein“ vertreten, der bisher weniger Begeisterung auslöste als frühere österreichische Sieger wie JJ (2025), Conchita Wurst (2014) und Udo Jürgens (1966).

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Was ist dieses Mal anders?

Der Boykott durch fünf Länder – Spanien, die Niederlande, Irland, Slowenien und Island – ist eine neue politische Dimension. Sie bleiben fern, um gegen das Vorgehen Israels im Gazastreifen zu protestieren. Damit schrumpft die Teilnehmerzahl auf 35, so wenige wie seit Jahren nicht. Deutschland und Gastgeber Österreich haben stets ihre Teilnahme bekräftigt und Israel willkommen geheißen.

Wer vertritt Israel?

Noam Bettan geht mit dem emotionalen Song „Michelle“ für Israel ins Rennen. Der 28-Jährige, Sohn französischer Einwanderer, beschrieb seine Teilnahme als „sich in die Höhle des Löwen begeben“. Um sich auf Anfeindungen vorzubereiten, lässt er sich bei Proben von seinem Team ausbuhen.

Welche Sicherheitsvorkehrungen gibt es?

Hunderte Polizisten in Uniform und Zivil sind täglich im Einsatz, darunter Kräfte der Spezialeinheit Cobra. Überwachungskameras und das FBI unterstützen bei der Sicherheit, auch im Bereich Cybersicherheit. Die Stadthalle, das ESC-Village vor dem Rathaus und die Diskothek im Prater sind nur nach Sicherheitschecks zugänglich. Taschen sind verboten, 16.000 Personen wurden überprüft. Es gilt ein Drohnen-Flugverbot.

Wie sieht es mit Demonstrationen aus?

Mehrere propalästinensische Demonstrationen sind angemeldet, weitere können hinzukommen. Die Polizei rechnet mit spontanen Blockaden, besonders am Finaltag, dem 16. Mai. Rund um die Stadthalle sind Aktionen durch weiträumige Absperrungen und Platzverbote erschwert, das Versammlungsrecht soll jedoch gewahrt bleiben.

Was ändert sich bei der Abstimmung?

Die maximale Anzahl der Stimmen pro Person wurde von 20 auf 10 reduziert. Die Jury hat wieder mehr Einfluss und kann bereits im Halbfinale abstimmen. Grund ist das Ergebnis des ESC 2025, bei dem die israelische Sängerin Yuval Raphael durch ein überwältigendes Publikumsvoting Platz zwei erreichte, was auf strategische Mobilisierung zurückgeführt wurde.

Wer moderiert und wie?

Victoria Swarovski, bekannt von „Let's Dance“, und Schauspieler Michael Ostrowski führen durch den Abend. Sollten Buhrufe oder Proteste gegen Teilnehmer „ein außergewöhnliches Ausmaß annehmen“, werde das Duo dies ansprechen, so ORF-Chefproduzent Michael Krön.

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Was macht den ESC zu einem Wiener Event?

Wien und Kaffee gehören zusammen: Allen Teilnehmerländern wurden Kaffeehäuser als Treffpunkte zugewiesen, vom Café Landtmann (Vereinigtes Königreich, San Marino) bis zum Café Hummel (Deutschland, Aserbaidschan). Das Kunsthistorische Museum bietet Cocktail-Führungen, die Volksoper lädt zu Mitsing-Events, ein Partyschiff fährt auf der Donau, und der Rathausplatz wird zur Public-Viewing-Zone für bis zu 30.000 Menschen.

Was bedeutet das Spektakel für den ORF?

Der ORF als Gastgeber hatte zuletzt mit dem Rücktritt von Intendant Roland Weißmann wegen Vorwürfen unangemessenen Verhaltens zu kämpfen. Er bestreitet die Vorwürfe. Die Journalistin Ingrid Thurnher leitet den Sender nun. Der ORF hat Erfahrung mit dem ESC, 2015 gelang eine Maßstäbe setzende Show.