75 Jahre Gärtnerei Rollik: Eine Ueckermünder Erfolgsgeschichte mit Millionen von Blumen
Die Gärtnerei Rollik in Ueckermünde blickt auf eine bewegte 75-jährige Firmengeschichte zurück. Gärtnermeister Ingo Rollik erzählt von Millionen gezüchteter Pelargonien, den Herausforderungen der politischen Wende, einer stolzen Goldmedaille und auch von schwierigen Zeiten, die der Familienbetrieb gemeistert hat.
Blühende Zeiten in der DDR mit Millionen von Pflanzen
Auch wenn zu DDR-Zeiten längst nicht alles rosig war, kann man in der Ueckermünder Gärtnerei Rollik dennoch von wahrhaft blühenden Zeiten sprechen. „Wir haben jedes Jahr 3,5 bis 4 Millionen Begonien gezogen“, erinnert sich Gärtnermeister Ingo Rollik lebhaft. Der Betrieb hatte sich damals spezialisiert auf die Anzucht von Jungpflanzen, insbesondere auf Begonien, die sowohl direkt verkauft als auch an andere Gartenbaubetriebe geliefert wurden.
Alle Gewächshäuser und Folienzelte wurden bis zum letzten Pflanzplatz optimal genutzt. „Wir hatten streckenweise 10 bis 12 feste Mitarbeiter“, berichtet Rollik. In den Wintermonaten kamen zusätzliche Saisonkräfte hinzu, denn nach der Aussaat von Gemüse-, Beet- und Balkonpflanzen im Dezember folgte das arbeitsintensive Pikieren. Jede Pflanzkiste enthielt damals beeindruckende 600 Pflänzchen, die sorgfältig behandelt werden mussten.
Vielseitige Produktion und tägliche Herausforderungen
Die Produktpalette war breit gefächert: Tomaten-, Gurken- und Kohlpflanzen wurden ausgeliefert und verkauft, dazu kamen Schnittblumen wie Chrysanthemen und Winterastern sowie Alpenveilchen bis in den Herbst hinein. Trauer- und Kranzbinderei gehörten ebenso zum Alltag wie heute. Ab November begann stets die Vorbereitung der neuen Saison mit dem Dämpfen der Erde zur Unkrautbekämpfung und dem Bau von 4000 bis 4500 neuen Pflanzkisten jährlich.
Zunächst nutzte man Pfirsichkisten aus Ungarn, doch als diese nicht mehr verfügbar waren, musste der Betrieb kreativ werden und Fischkisten passend machen. Diese intensiven Jahre liegen nun lange zurück, doch die Gärtnerei ist auch 36 Jahre nach der Wiedervereinigung noch erfolgreich im Geschäft und feierte kürzlich stolz das Jubiläum „75 Jahre Gärtnerei Rollik“.
Firmengründung 1950 und schwierige DDR-Jahre
Der Betrieb wurde 1950 von Ingo Rolliks Vater Hans gegründet, der zunächst auf dem Eckgrundstück am Burgsteig 1 startete. Wenige Jahre später zog die Gärtnerei in die Oststraße 6b um, wo das Grundstück zuerst gepachtet und später gekauft wurde. Die DDR-Jahre brachten jedoch erhebliche Herausforderungen mit sich.
Zum sozialistischen Frühling sollte der damalige Inhaber überzeugt werden, in eine Gärtnerische Produktionsgenossenschaft (GPG) zu wechseln. 1971 gab es sogar einen Versuch, die Gärtnerei zum VEB Stadtwirtschaft zu holen. „Aber auch das hat mein Vater überstanden“, sagt Ingo Rollik mit spürbarem Respekt. Sein Vater hätte damals lieber aufgehört, als sich diesen Zwängen zu beugen.
Übernahme 1988 und Neuanfang nach der Wende
1988 traf die Familie ein harter Schlag: Hans Rollik verstarb im Alter von nur 62 Jahren. „Ich war damals 27 Jahre alt und wurde über Nacht selbstständig“, erinnert sich Ingo Rollik. Diese plötzliche Verantwortung war eine enorme Herausforderung, denn er war erst nach einer Lehre als Autolackierer und dem NVA-Dienst 1982 in den Betrieb gekommen und hatte dann eine Gärtnerlehre absolviert.
Mit der politischen Wende 1990 musste sich der Betrieb mit dem jungen Inhaber komplett neu aufstellen. Noch vor der Währungsunion wurde die Gärtnerei mit einem Sozialgebäude und einer modernen Ölheizung ausgestattet, die leider nicht mehr in DDR-Mark bezahlt werden konnte. Zuvor waren die Gewächshäuser mit jährlich 200 Tonnen Brikett beheizt worden. 1992 entstand das erste neue Gewächshaus, 1993 folgte die Eröffnung des Verkaufsgewächshauses.
Anpassung an veränderte Marktbedingungen
Vor etwa zwölf Jahren begann eine schwierige Phase für den gesamten Gartenbau. Die Auftragslage verschlechterte sich, die Entfernungen zu den Kunden wurden größer – „Wir haben bis nach Hamburg geliefert“, erzählt Ingo Rollik. Etwa 150 Kunden wurden mit Jungpflanzen beliefert, doch die Zahl der Gärtnereien nahm kontinuierlich ab, weil Betriebe keine Nachfolger fanden und Supermärkte immer mehr Pflanzen anboten.
Die Gärtnerei stellte sich erneut um und produzierte fortan hauptsächlich eine große Palette an Beet- und Balkonpflanzen, darunter Pelargonien, Impatiens (Fleißiges Lieschen) und Begonien, sowie Gemüsepflanzen wie Tomaten und Gurken. Zusätzlich zieht der Betrieb Schnittgrün für Blumensträuße und verkauft Zierpflanzen.
Auszeichnungen und heutige Struktur
Besonders stolz ist Ingo Rollik auf die Goldmedaille, die seinem Betrieb 2009 bei der Bundesgartenschau für seine herausragenden Begonien verliehen wurde. Bereits zuvor gab es bei der Bundesgartenschau in Magdeburg eine Silber- und eine Bronzemedaille für die Qualität der Pflanzen.
Heute verfügt die Gärtnerei über zwei Gewächshäuser mit insgesamt 1800 Quadratmetern und drei Folienzelte mit zusammen 750 Quadratmetern. Neben den drei Familienmitgliedern – Ingo, seiner Frau Silvia und Sohn Jan – ist eine Aushilfe im Betrieb beschäftigt. Silvia Rollik ist seit 1990 dabei und kümmert sich vor allem um die Kundenbetreuung und das Binden der Blumensträuße.
Zukunftssicherung durch Familienerbe
Wie lange Ingo Rollik noch im Geschäftsbetrieb bleiben wird, kann er nicht genau sagen. Trotz seiner 64 Jahre rechnet er damit, dass es bestimmt noch zehn Jahre sein werden. Die Zukunft der Gärtnerei ist jedoch bereits gesichert: Sein Sohn Jan (37), ausgebildeter Gärtnergeselle, wird den Betrieb einmal übernehmen und die 75-jährige Tradition fortführen.
Die Gärtnerei Rollik steht damit beispielhaft für einen Familienbetrieb, der sich über drei Generationen hinweg behauptet hat – durch Anpassungsfähigkeit, Qualitätsbewusstsein und den festen Willen, auch in schwierigen Zeiten zu bestehen.



