Angler retten Fische mit Motorsägen: Sauerstoffmangel in zugefrorenen Seen bedroht Tierwelt
Angler retten Fische mit Motorsägen vor Sauerstoffmangel (26.02.2026)

Angler im Einsatz gegen das große Sterben unter dem Eis

In den vergangenen Wochen haben die anhaltenden Frostperioden im Nordosten Deutschlands zu einer dramatischen Situation in vielen Gewässern geführt. Der Regionalanglerverband (RAV) Ueckermünde schlägt Alarm: In den flachen Torfstichen bei Grambin und Luckow sind bereits zahlreiche Fische verendet, weil sie unter der dicken Eisschicht erstickt sind.

Besorgniserregende Entdeckungen unter dem Eis

Bei einer Besichtigung der Gewässer entdeckten der Vorsitzende Olaf Tott und Vorstandsmitglied Heiko Freimuth ein erschütterndes Bild. Unter der Eisdecke schwammen tote Hechte, Aale und Schleien, teilweise waren die Tiere sogar direkt in das Eis eingefroren. Allein etwa 20 Hechte mit einer Länge von 70 bis 80 Zentimetern fanden die Angler leblos vor.

„Die Gewässer sind wahrscheinlich schon gekippt“, erklärte Olaf Tott besorgt. Die nur etwa einen Meter tiefen Seen bieten den Fischen bei geschlossener Eisdecke kaum Überlebenschancen. Durch die dicke Eisschicht und die darunter entstehenden Faulgase erhalten die Tiere nicht mehr genügend Sauerstoff. Viele sind bereits erstickt.

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Rettungsaktion mit ungewöhnlichen Mitteln

Um das Schlimmste zu verhindern, starteten die Angler eine beherzte Rettungsaktion. Mit elektrischen Motorsägen schnitten sie etwa zwei mal zwei Meter große Löcher in die bis zu 55 Zentimeter dicke Eisschicht. „Es hat richtig geblubbert und gestunken, als die Faulgase entweichen konnten“, schilderte Tott den Moment der Öffnung.

Im Anschluss füllten die Helfer Strohballen in die Löcher, damit die Gewässer durch die Halme weiter atmen können. Die gefährlichen Bereiche wurden mit rot-weißen Bändern abgesichert. Besonders in den flachen Gewässern bei Grambin und Luckow war diese Maßnahme dringend notwendig, da hier durch Laubeinfall zusätzliche Nährstoffe ins Wasser gelangen, die bei Verrottung den Sauerstoffgehalt weiter reduzieren.

Ursachen des Sauerstoffmangels

Heiko Freimuth erläuterte die komplexen Zusammenhänge: „Durch das dicke Eis und eine Schneeschicht obendrauf kommt die Photosynthese im Gewässer praktisch zum Erliegen“. Die Wasserpflanzen produzieren nicht mehr ausreichend Sauerstoff, während Kohlendioxid und Schwefelwasserstoff nicht mehr entweichen können. In manchen Gewässern fehlen zudem Schilfgürtel, die normalerweise für eine gewisse Belüftung sorgen würden.

Studien zeigen, dass bereits nach 35 bis 55 Tagen geschlossener Eisdecke mit einem massiven Fischsterben zu rechnen ist. Die aktuelle Situation bestätigt diese Befürchtungen auf dramatische Weise.

Unterschiedliche Situation in verschiedenen Gewässern

Nicht alle Gewässer in der Region sind gleichermaßen betroffen. An den RAV-Gewässern bei Eggesin waren solche Rettungsmaßnahmen nicht notwendig, da diese mit vier bis fünf Metern Tiefe am Grund noch ausreichend Sauerstoffreserven bieten. In Rochow und Liepgarten wurden vorsorglich Löcher ins Eis geschnitten, während in Altwigshagen ohnehin eine Öffnung benötigt wurde – hier starten traditionell die Eisbader ihre jährlichen Badeaktionen.

„Wenn wir nur zehn Prozent der Fische gerettet haben, dann haben wir etwas gekonnt“, betonte Olaf Tott mit vorsichtigem Optimismus. Doch trotz aller Bemühungen geht der RAV-Vorsitzende davon aus, dass die Angler in Grambin und möglicherweise auch an anderen Gewässern des Verbands bald viele tote Fische wegsammeln müssen.

Das volle Ausmaß wird erst später sichtbar

Das gesamte Ausmaß des Fischsterbens wird erst vollständig erkennbar sein, wenn das Eis komplett weggetaut ist. Bis dahin bleiben die Angler in Alarmbereitschaft und beobachten die Entwicklung ihrer Gewässer genau. Die ungewöhnliche Rettungsaktion mit Motorsägen zeigt, wie engagiert der Regionalanglerverband Ueckermünde für den Erhalt der heimischen Fischbestände kämpft – auch wenn der Kampf gegen die Naturgewalten des Winters eine besondere Herausforderung darstellt.

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