Buckelwal in Wismarbucht: Zustand verschlechtert sich - Ruhe als letzte Hoffnung
Buckelwal in Wismarbucht: Zustand verschlechtert sich

Buckelwal in Wismarbucht: Zustand verschlechtert sich dramatisch

Seit Tagen hält das Drama um einen Buckelwal in der Ostsee an, der sich in der Wismarbucht befindet. Das Tier, das sich in der Nacht zu Sonntag zunächst von einer Sandbank befreien konnte, liegt nun erneut fest. Der Zustand des Wals hat sich laut Experten deutlich verschlechtert, was die Rettungsbemühungen vor neue Herausforderungen stellt.

Experten berichten von geschwächtem Tier

Bei einer Pressekonferenz in Wismar schilderte Burkard Baschek, Direktor des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund, die besorgniserregende Situation. Der Fitnesszustand des Wals habe sich im Vergleich zum Samstag erheblich verschlechtert, erklärte Baschek. Der etwa 12 bis 15 Meter lange Meeressäuger liegt aktuell an einer etwa zwei Meter tiefen Stelle in der Nähe der kleinen Insel Walfisch.

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) betonte, dass man den Wal nun in Ruhe lassen wolle, damit er Kraft tanken kann. „Es geht ihm schlecht“, sagte Backhaus und verwies darauf, dass die Rufe des Wals seit Samstag weniger geworden seien. Die Behörden haben ein Sperrgebiet im Umkreis von 500 Metern eingerichtet, um Störungen zu minimieren.

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Ruhe als Strategie - doch die Zeit drängt

Baschek beschrieb die aktuelle Lage nicht als klassische Strandung, sondern als „Leibaufsetzen“ des Wals. Theoretisch könnte sich das Tier selbst befreien, doch es unternimmt aktuell keine entsprechenden Versuche. Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Tierärztlichen Hochschule Hannover gab jedoch Entwarnung bezüglich der Ernährung: Der Ernährungszustand des Wals sei gut, und Buckelwale könnten wochenlang ohne Nahrung auskommen.

Doch die Aussichten drohen sich zu verschlechtern. Bis Montagnacht wird mit einem sinkenden Wasserstand von etwa 40 Zentimetern gerechnet. „Wenn der Wal nicht aus eigener Kraft in den nächsten Stunden freikommt, wird die Situation insgesamt für ihn erst mal schlechter“, warnte Baschek.

Langer Leidensweg des Wals

Bereits seit Anfang März war der Buckelwal an der Ostseeküste unterwegs. Zunächst im Hafen von Wismar gesichtet, später in der Lübecker Bucht und an der Küste bei Steinbeck. Das Tier hatte sich in einem Netz verfangen, von dem Helfer und Meeresschützer der Organisation Sea Shepherd einen Teil entfernen konnten. Ein Teil des Netzes hängt jedoch immer noch im Maul des Wals und ließ sich nicht herausziehen.

Vor einer Woche war der Meeressäuger auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand entdeckt worden. Nach einer umfangreichen Rettungsaktion konnte sich der Wal durch eine per Bagger ausgegrabene Rinne befreien. An dieser Aktion war auch der Biologe und YouTuber Robert Marc Lehmann beteiligt, der im Neoprenanzug versuchte, den Wal zu beruhigen.

Kontroverse um Beteiligung von Experten

Lehmann warf Verantwortlichen vor, ihn von weiteren Rettungsaktionen ausgeschlossen zu haben, was ihm auf Instagram als „Selbstdarstellung“ unterstellt worden sei. Umweltminister Backhaus wies diese Vorwürfe bei der Pressekonferenz zurück: „Wir haben niemanden ausgeschlossen“, sagte er und kündigte Gespräche mit Lehmann an.

Auch Baschek und Stephanie Groß bekräftigten, dass niemand Lehmann aktiv von Rettungsmaßnahmen ausgeschlossen habe. In den sozialen Medien fand Lehmann jedoch viel Zuspruch, viele Nutzer wünschten sich seine erneute Beteiligung. Auf Instagram forderte Lehmann am Sonntag: „Liebe Experten, ab in die Neoprenanzüge, seid für den Wal da!“

Globales Problem der Fischerei

Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack wies auf das weltweite Problem hin, dass Meeressäuger in Fischernetzen verenden. Schätzungen zufolge kommen jährlich etwa 300.000 Wale und Delfine in Netzen ums Leben. Der aktuelle Fall in der Ostsee unterstreicht diese Problematik einmal mehr.

Stephanie Groß gab jedoch zu bedenken, dass es keine wissenschaftlichen Hinweise darauf gebe, dass Buckelwale gezielt zum Sterben an Küsten kommen. „Ansonsten würden wir weltweit deutlich mehr Buckelwal-Strandungen sehen“, erklärte die Expertin.

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Die kommenden Stunden werden entscheidend sein für das Schicksal des Buckelwals in der Wismarbucht. Während die Experten auf die Selbstheilungskräfte des Tieres setzen, bleibt die Situation angesichts des sinkenden Wasserstands prekär.