Buckelwal „Timmy“: Retter schweigen zu Satellitensender-Daten
Buckelwal „Timmy“: Retter schweigen zu Sender-Daten

Buckelwal „Timmy“: Retter schweigen zu Satellitensender-Daten

Der gerettete Buckelwal „Timmy“ wurde am 2. Mai in die Nordsee entlassen. Seitdem fehlt jede Spur. Die private Initiative behauptet, Lebenszeichen zu empfangen, verweigert jedoch die Herausgabe der GPS-Daten. Das Umweltministerium prüft rechtliche Schritte.

Hintergrund der Rettungsaktion

Die private Initiative von Walter Guntz und Karin Walter-Mommert hatte den gestrandeten Wal von der Insel Poel zurück in die Nordsee gebracht. Unter großem Applaus sollte das Tier eine zweite Chance erhalten. Doch ob es die Rettung überlebt hat, bleibt ungewiss.

Ein Satellitensender, der am Wal befestigt wurde, könnte Klarheit schaffen. Dieses Gerät ist nun der Kern eines Rätsels. Die Retter schweigen zu den genauen Daten und verweigern die Herausgabe.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Der Sender: Vom Hundetracker zum Hightech-Gerät

Die Geschichte des Senders begann improvisiert. Am 25. April, als das Wasser in der Bucht stieg, griffen die Retter zu einer Notlösung. Sie verpackten einen handelsüblichen Hundetracker wasserdicht und befestigten ihn am Wal. Dieses Provisorium sollte das Tier im Küstengebiet nicht aus den Augen verlieren.

Schon einen Tag später, mit der Ankunft der Bergungs-Barge, ersetzte man den Hundetracker durch einen professionellen Satellitensender. Dieses Gerät, eine Art Piercing mit flexibler Antenne, stammt von US-Spezialfirmen wie „Wildlife Computers“ oder „Desert Star“. Aus der Initiative heißt es, eine Assistentin von Walter Guntz habe ihn aus den USA eingeflogen. Doch welche Technik genau verwendet wurde, bleibt unklar.

Wie funktioniert der Sender?

Solche Sender nutzen das „Argos“-System, das weltweit von Experten zur Ortung von Meerestieren genutzt wird. Taucht ein Tier mit dem Sender auf, übermittelt dieser ein Signal an verschiedene Satelliten. Aus diesen Signalen lässt sich die Position auf 150 Meter genau bestimmen.

Der Sender funktioniert nur an der Wasseroberfläche. Ein konstantes Signal deutet auf eine erneute Strandung hin, gar keines auf einen Tod am Meeresgrund. Unregelmäßige Signale sprechen für ein lebendiges, tauchendes Tier.

Initiative hält Daten zurück

Die Initiative behauptet, Lebenszeichen über den Tracker zu empfangen. Einen Aufenthaltsort des Wals kenne sie jedoch nicht, sagte Karin Walter-Mommert. Doch die Zeit drängt: Ein Buckelwal taucht gewöhnlich nur wenige Minuten. Spätestens alle 45 Minuten muss er zum Atmen auftauchen. Ein verlässliches Lebenszeichen dürfte also nicht älter als wenige Stunden sein. Diesen Beweis bleibt die Initiative schuldig. Die Daten des Senders geben die Retter nicht heraus. „Aus Sicherheitsgründen“, erklären die Organisatoren, um den Wal vor Schaulustigen zu schützen.

Umweltministerium prüft rechtliche Schritte

Selbst dem Umweltministerium, das die Aktion begleitete, bleiben die versprochenen Informationen bisher vorenthalten. „Ich hätte mir hier deutlich mehr Transparenz gewünscht“, erklärte Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Mittwoch. Es sei vereinbart gewesen, dass die Initiative Daten zum Zustand und zur Ortung des Tieres übermittelt. „Diese Informationen liegen bislang nicht vor.“

Auch am Donnerstagabend hat das Ministerium noch keine Informationen erhalten. Till Backhaus bezieht sich in bisherigen Stellungnahmen nur auf mündliche Unterrichtungen durch die Geldgeber der Initiative. „Wir haben heute nochmal ein Schreiben verschickt“, sagt seine Sprecherin. Es sei schriftlich vereinbart gewesen, dass die Daten des GPS-Senders geteilt werden. Aktuell wisse man nicht einmal, um welches Modell es sich handle. Die Juristen des Umweltministeriums prüfen nun rechtliche Schritte.

Gegenseitige Vorwürfe

Die Probleme der Rettungsaktion begannen allerdings schon, bevor die ersten Signale ausblieben. Nach der verfrühten Aussetzung des Wals zeichnen Stellungnahmen der Schiffscrews und der Retter das Bild eines eskalierenden Konflikts auf See.

Gegenüber dem Nordkurier spricht Martin Bocklage, Kapitän des Schleppers „Robin Hood“, über den Ablauf der Freilassung. „Die Experten haben sich unentwegt gestritten und keine wirkliche Idee gehabt, was zu tun ist“, sagt er.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Die Initiative der Retter sieht den Konflikt anders: Sie sei im entscheidenden Moment von der Crew der Barge ausgesperrt worden. In einem Statement distanzierten sich die Geldgeber Guntz und Walter-Mommert „ausdrücklich von der Art und Weise, welche zur Aussetzung des Wales führten“ und gaben der Schiffs-Crew die Schuld. Demnach seien den Tierärztinnen der Zugang verwehrt und ein letzter Gesundheitscheck verhindert worden. Nur ein Experte der Initiative, Jeffrey Foster, sei an Bord gewesen. Dem habe man gedroht, sein Handy ins Wasser zu werfen.

Auch Sergio Bambaren, Buchautor und als „Walflüsterer“ der Initiative an der Rettung beteiligt, bestätigt den Konflikt. „Der Wal war sehr nervös“, sagt er. Am späten Nachmittag sei es an der Zeit gewesen, ihn freizulassen. Dieser Plan wurde allerdings unterbrochen. „Jemand gab den Befehl, die Freilassung zu stoppen, und der Wal musste die ganze Nacht in der Barge verbringen.“ Das genaue Modell des GPS-Senders kenne er auch nicht, aber dem Wal gehe es gut. „Und das ist bestätigt“, sagt Bambaren.

Was bedeutet „gerettet“ überhaupt?

Fabian Ritter, Experte für Meeressäuger, sagte dem NDR: „Gerettet ist dieser Buckelwal erst, wenn er im Nordatlantik freischwimmt und sich dauerhaft ernähren kann.“ Eine Definition, die über das Ziel der Retter hinausgeht. Ihnen sei klar gewesen, dass das Tier geschwächt war, heißt es aus Kreisen der Initiative. Sie wollten dem Tier eine letzte, faire Chance geben. „Wenn er sterben würde, dann in seinem natürlichen Lebensraum und im Kreislauf der Natur.“ Sie sehen es als Erfolg, den Wal vor einem Tod vor Poel bewahrt zu haben.

Auch Minister Backhaus teilt diese Sicht: „Der Rettungsversuch hat dem Wal die Chance gegeben, in seinem natürlichen Lebensraum zu überleben. Genau darum ging es.“