Wal trocknet aus: Helfer geben Flüssigkeit per Schlauch
Die Rettungsaktion für den vor der Insel Poel gestrandeten Buckelwal geht in eine neue Phase. Wie die eingesetzte Tierärztin Kirsten Tönnies am Freitagabend mitteilte, leidet das etwa zwölf Meter lange Tier zunehmend unter Wassermangel. „Er trocknet langsam aus. Man kann sich das kaum vorstellen, aber der kommt auch in einen Wassermangel“, erklärte Tönnies. Um dem entgegenzuwirken, haben die Helfer dem Wal über einen Schlauch zusätzliche Flüssigkeit zugeführt.
Bereits zuvor war bekannt geworden, dass der Gesundheitszustand des Meeressäugers kritisch ist. Seit Ende März treibt sich der Wal in der Ostsee herum, strandete mehrfach auf Sandbänken und verlor zunehmend an Kraft. Ein Team aus privaten Helfern und Spezialfirmen versucht nun, das Tier mit einem neuen Konzept zu retten. Der Plan wird von Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz und Unternehmerin Karin Walter-Mommert finanziert.
Neues Rettungskonzept: Rinne zum Fahrwasser
Das ursprüngliche Vorhaben, den Wal mit einer Plane zwischen zwei Pontons zu transportieren, ist vom Tisch. Stattdessen soll nun eine 110 Meter lange, zehn Meter breite und zwei Meter tiefe Rinne vom Liegeplatz des Wals zum tieferen Fahrwasser gebaggert werden. Der mit den Arbeiten beauftragte Unternehmer Fred Babbel zeigte sich zuversichtlich: „Wir wollen den Wal retten!“ Die Rinne soll bis Samstagvormittag fertiggestellt sein. Ein zweiter Bagger ist bereits auf dem Weg.
Anschließend soll der Wal auf einen absenkbaren Lastkahn, eine sogenannte Barge, geladen und Richtung offenes Meer geschleppt werden. Der Transport könnte am Sonntag oder Montag beginnen, abhängig vom Wasserstand und der Genehmigung durch die Behörden.
Ministerium prüft Konzept noch
Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns hat dem neuen Plan noch nicht zugestimmt. „Solange uns keine vollständigen Unterlagen vorliegen, kann es weder eine abschließende Bewertung noch eine Einordnung möglicher Maßnahmen geben“, sagte eine Sprecherin von Minister Till Backhaus (SPD). Die Prüfung laufe mit höchster Priorität. Die Initiative arbeitet unterdessen weiter an der Ausarbeitung des Konzepts.
Backhaus selbst hatte sich am Freitagmorgen persönlich ein Bild vom Zustand des Wals gemacht. In einem gelben Trockenanzug ließ er sich mit einem DLRG-Boot zu dem Tier fahren und stieg in die rund sieben Grad kalte Ostsee. Später zeigte er sich emotional und verteidigte das Vorgehen: „Wer nichts macht, macht auch keine Fehler.“
Gericht weist Eilanträge ab
Das Verwaltungsgericht Schwerin hat unterdessen alle bisher eingegangenen Eilanträge zum Fall des Wals abgewiesen. Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, waren 19 Anträge eingegangen, die sich in zwei Lager teilten: Die eine Gruppe forderte weitere Rettungsmaßnahmen, die andere – darunter eine Bürgerinitiative – verlangte die sofortige Beendigung der laufenden Aktion. Das Gericht begründete die Ablehnung mit fehlender Antragsbefugnis der jeweiligen Antragsteller.
Expertenstreit und Kritik
Die Rettungsaktion ist nicht unumstritten. Die Internationale Walfangkommission (IWC) empfiehlt eine ruhige und palliative Versorgung des Tieres und warnt vor weiteren aktiven Eingriffen. Die amerikanische Tierärztin Jenna Wallace, die zwischenzeitlich aus dem Team ausgestiegen war, übte scharfe Kritik an der Organisation und warf dem Ministerium vor, den Rettungsversuch zu behindern. Auch Meeresbiologe Fabian Ritter plädierte dafür, den Wal in Ruhe zu lassen: „Dieser Wal macht, was er will. Wir sollten ihm den größten Gefallen tun, indem wir ihn sein lassen.“
Dennoch halten die privaten Helder an ihrem Ziel fest. Geldgeber Walter Gunz kündigte an: „Wir bleiben dabei und gehen den Weg bis zum Ende.“ Ein mögliches Ende sei für ihn, wenn der Wal stirbt. Das Risiko sei bewusst eingegangen worden.



