Die bewegende Odyssee eines Buckelwals in der Ostsee
Die Geschichte eines Buckelwals in der Ostsee hat seit Anfang März zahlreiche Menschen in Atem gehalten und immer wieder für Überraschungen gesorgt. Was als spektakuläre Sichtung begann, entwickelte sich zu einer komplexen Rettungsgeschichte mit unerwarteten Wendungen.
Die ersten Begegnungen im März
Anfang März tauchte der Buckelwal erstmals im Hafen von Wismar auf und zog zahlreiche Schaulustige an. Einsatzkräfte entfernten erste Netzreste von dem Tier, während die Meeresschutzorganisation Sea Shepherd mit ihrem Schiff „Triton“ vor Ort war. Interessanterweise ging das Deutsche Meeresmuseum zunächst noch von einem Finnwal aus.
In den folgenden Tagen wurde der Wal mehrfach in der Lübecker Bucht gesichtet. Sea Shepherd unternahm mehrere Versuche, verbliebene Leinenreste zu entfernen, was teilweise von einem Schlauchboot aus gelang. Der Wal bewegte sich dabei entlang der Küste, mit Sichtungen von Westmecklenburg bis nach Graal-Müritz östlich von Rostock.
Die dramatischen Strandungen
Die Situation eskalierte Ende März, als der Wal erstmals vor Timmendorfer Strand auf einer Sandbank strandete. Nach tagelangen Rettungsbemühungen, bei denen sogar Bagger eine Rinne gruben, konnte sich das Tier am 27. März befreien.
Doch die Erleichterung währte nur kurz. Bereits am nächsten Tag strandete der Wal erneut, diesmal in der Wismarbucht südlich der Insel Walfisch. Trotz zeitweiliger Befreiung bei steigendem Wasserstand lag das Tier bald wieder fest. Experten versuchten, den Wal mit Lärm zu animieren, doch dieser schwamm laut Schweriner Umweltministerium in die falsche Richtung.
Die vierte Strandung erfolgte am 31. März im Kirchsee vor der Insel Poel. Zu diesem Zeitpunkt gaben die Verantwortlichen die Einstellung weiterer Rettungsversuche bekannt, um den laut Experten geschwächten Wal in Frieden zu lassen.
Die überraschende Wende
Am 7. April stellten Experten gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) erste Ergebnisse eines Gutachtens vor. Das Tier wurde als „schwerstkrank“ beschrieben, mit sich verschlechterndem Hautzustand und möglichen Organschäden durch das häufige Aufliegen.
Doch am 15. April kam die überraschende Wendung: Backhaus informierte auf einer Pressekonferenz, dass die Behörden das Rettungskonzept einer privaten Initiative geprüft und genehmigt hatten. Das innovative Konzept sieht vor, das Tier lebend mit Luftkissen anzuheben und auf einer Plane zwischen zwei Pontons zu transportieren – mit dem Ziel, den Wal in die Nordsee und gegebenenfalls sogar den Atlantik zu bringen.
Eine Chronologie voller Emotionen
Die Geschichte des Ostsee-Buckelwals zeigt mehrere bemerkenswerte Aspekte:
- Die Hartnäckigkeit der Helfer: Trotz zahlreicher Rückschläge gaben Sea Shepherd und andere Beteiligte nicht auf
- Die wissenschaftliche Begleitung: Das Deutsche Meeresmuseum und andere Experten begleiteten den Fall von Anfang an
- Die öffentliche Anteilnahme: Der Wal zog über Wochen die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf sich
- Die unerwartete Lösung: Die Genehmigung eines privaten Rettungskonzepts markierte eine überraschende Wendung
Diese außergewöhnliche Geschichte eines Buckelwals in der Ostsee bleibt ein bewegendes Beispiel für den Umgang mit marinen Notfällen und die Zusammenarbeit verschiedener Akteure im Naturschutz.



