DDR-Urlaub auf Rügen: Genügsame Ferien an der Ostsee mit nur einem Wunsch
DDR-Urlaub auf Rügen: Genügsame Ferien an der Ostsee

DDR-Urlauber auf Rügen: Genügsamkeit und der Wunsch nach Strandnähe

Ein blauer Bikini hängt auf der Leine, auf dem Klapptisch liegt die Wochenzeitung, und dahinter warten zwei Miniräder auf ihren Einsatz, um die Schönheit der Insel Rügen zu erkunden. Diese Szene ist Teil der Ausstellung „Sonne, Strand und Sozialismus – Urlaub in der DDR“ im Heimatmuseum Göhren, die seit Mai 2025 Besucher in die Vergangenheit entführt.

Nostalgische Exponate wecken Erinnerungen

Rund 50 verschiedene Exponate, darunter ein Zelt mit Matratze, ein Kofferradio, Klappsparten und Jesuslatschen, illustrieren das Ferienleben in der DDR. Jörn Kleinhardt, Geschäftsführer der Museumsgesellschaft Mönchgut-Granitz mbH, erklärt: „Zu uns kommen vorrangig Besucher, die zu DDR-Zeiten ihren Urlaub an der Ostsee verbracht haben, viele erinnern sich an Campingausflüge mit den Eltern vor 40 Jahren.“ Die Idee für die Wechselausstellung, die alle zwei Jahre auf etwa 120 Quadratmetern unter dem Dach präsentiert wird, entstand durch Gespräche mit Museumsgästen.

Persönliche Geschichten bereichern die Sammlung

Viele Besucher bringen Erinnerungsstücke wie Fotos, FDGB-Mitgliedsausweise oder Postkarten mit. Denny Neumann, wissenschaftlicher Mitarbeiter, zeigt sich begeistert von einem Fotoalbum aus dem Pionierlager Etkar André, das der Sohn eines ehemaligen Leiters zur Verfügung stellte. Dieses Lager, an der heutigen Straße Südstrand gelegen, bot Platz für 800 Kinder pro Durchgang und war eines der größten in der DDR, das auch Gäste aus der BRD und Frankreich willkommen hieß.

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Über die Facebook-Seite des Museums erreichen das Team zahlreiche Erinnerungen. Ein Nutzer berichtete von einem Unfall beim Neptunfest 1985, ein anderer veröffentlichte einen Brief aus dem Juli 1990, in dem ein Kind über fehlende Waschlappen und dreckige Toiletten klagte. „Ihr habt mir keinen Waschlappen eingepackt... Ich brauche unbedingt Briefmarken... Die Toilette ist unglaublich dreckig“, schrieb der junge Urlauber an seine Eltern.

Camping als zentraler Bestandteil des DDR-Urlaubs

Ein großer Schwerpunkt lag auf dem Camping. Der beliebteste Zeltplatz erstreckte sich über 3,5 Kilometer zwischen Göhren und Baabe, wo damals bis zu 10.000 Menschen ihre Zelte aufschlugen. Heute nutzen Besucher in Göhren noch etwa die Hälfte dieser Fläche, während in Baabe Ferienhäuser stehen. Kleinhardt, selbst gebürtiger Neubrandenburger, erinnert sich: „Damals packten wir alles in den Trabi mit Anhänger – Großraumzelt, Campingküche – und die Frauen kochten vor Ort.“

Ein entscheidender Unterschied zu heute: „Zu DDR-Zeiten dominierten Zelte, heute belegen sie vielleicht noch zehn Prozent der Fläche, der Rest sind Wohnmobile.“ Zudem war eine Reise nach Rügen nicht spontan möglich – man musste sich mindestens ein Jahr im Voraus anmelden. Wer einen Platz über den FDGB-Feriendienst ergatterte, hatte großes Glück, denn Mitglieder erhielten nur alle drei bis vier Jahre die Chance auf einen Ostseeurlaub. „Hauptsache, man war so dicht wie möglich am Strand“, so Kleinhardt.

Winterurlaub und besondere Herausforderungen

Nicht nur im Sommer zog Rügen Besucher an. Zehn Prozent der 3,488 Millionen Gäste reisten außerhalb der Sommersaison, oft zu Feiertagen oder Silvester. Mehrere hunderttausend Urlauber, darunter ältere Paare und Naturliebhaber, genossen dann lange Spaziergänge an den Stränden und Kreidefelsen. Die Ausstellung erinnert auch an den Katastrophenwinter 1978/79, als Temperaturen von minus 20 Grad und Schneeverwehungen das Leben erschwerten.

Anreise mit dem Rasenden Roland

Ein weiterer Aspekt widmet sich der Anreise: Während heute 93 Prozent der Urlauber mit dem Auto kommen, nutzten DDR-Bürger überwiegend die Bahn. Der „Rasende Roland“, eine Schmalspurbahn mit 30 km/h Höchstgeschwindigkeit, spielte eine zentrale Rolle. Heute ist sie vor allem eine Touristenattraktion. In der Ausstellung sind Fotos, eine Schaffnermütze und ein Modell der Bahn zu sehen.

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Jörn Kleinhardt fasst zusammen: „Früher zeigten sich die Urlauber genügsamer. Sie freuten sich einfach über einen Platz an der Ostsee. Heute suchen viele nach günstigen Komplettangeboten.“ Die Ausstellung ist donnerstags bis sonnabends von 10 bis 15 Uhr im Heimatmuseum Göhren geöffnet und lädt zu einer Zeitreise in die DDR-Ferienwelt ein.