Eiszauber mit Risiko: Hunderte bevölkern die zugefrorene Müritz
Trotz eindringlicher Warnungen der Behörden haben sich am vergangenen Sonntag Hunderte Schaulustige auf das Eis der Müritz gewagt. Der größte Binnensee Deutschlands ist erstmals seit dem Winter vor fünf Jahren wieder vollständig zugefroren, was einen ungewöhnlichen Anziehungspunkt für Spaziergänger, Radfahrer und Wintersportbegeisterte darstellt. Die nächtlichen Temperaturen von bis zu minus neun Grad Celsius ließen bei vielen die Bedenken schwinden, wie deutlich sichtbare Spuren im Schnee zeigten.
Eispanzer mit komplexer Struktur
Der Kern des Eispanzers weist eine Dicke von etwa 15 bis 20 Zentimetern auf. Darüber hat sich jedoch eine komplexe Schicht aus dem Eisregen der vergangenen Tage, zusätzlichem Schnee, Regen und erneutem Schneefall in der Nacht zum Samstag gebildet. Dieses gefrorene Gemisch nutzten einige Verliebte sogar, um ein Valentinstag-Herz auf der Außenmüritz zu gestalten. Allerdings eignet sich die schneebedeckte Oberfläche derzeit weder zum Schlittschuhlaufen noch zum Eissegeln, da sie zu uneben und instabil ist.
Die Anwohner der Müritzregion nutzen solche seltenen Winterereignisse traditionell, um ihre Städte und Urlaubsorte einmal von der Seeseite aus zu betrachten. Viele sind mit Skiern oder Fahrrädern unterwegs, andere genießen einfach einen Spaziergang durch den Stadthafen von Waren. Doch die Behörden geben das Eis niemals offiziell frei und mahnen regelmäßig zur Vorsicht.
Gefährliche Stellen und historische Vergleiche
Mitten auf der Binnenmüritz, der großen Bucht im Norden des Sees, hat sich an einer windgeschützten Stelle eine offene Wasserfläche gebildet, an der sich zahlreiche Wasservögel tummeln. Die Eis-Spaziergänger halten respektvollen Abstand zu dieser gefährlichen Zone. Die Binnenmüritz erstreckt sich über eine Länge von etwa zwei Kilometern zwischen dem Nordufer und dem bewaldeten gegenüberliegenden Ufer.
Historisch betrachtet erreichte das Eis der Müritz vor 30 Jahren noch beeindruckende Stärken von bis zu 60 Zentimetern. Solche Mächtigkeiten sind heute jedoch äußerst selten. In der Vergangenheit mussten Stegbesitzer und das Wasser- und Schifffahrtsamt ihre Anlagen vorsorglich freischneiden, um Schäden durch den enormen Druck des tauenden Eises zu verhindern. Oft blieb das Eis bis in den März oder sogar bis Ostern erhalten, wobei starker Regen den Tauvorgang beschleunigen konnte.
Die gesamte Mecklenburger Seenplatte unter Eis
Neben der Müritz sind inzwischen alle Mecklenburger Oberseen, die miteinander ohne Schleusen verbunden sind, vollständig zugefroren. Diese umfassen den Kölpinsee, den Fleesensee, den Plauer See und den Petersdorfer See. Die gemeinsame Wasserfläche dieser Seen beträgt beeindruckende 211 Quadratkilometer, was größer ist als die Stadtfläche Rostocks (181 Quadratkilometer) und sogar den deutschen Teil des Bodensees (173 Quadratkilometer) übertrifft.
Die Behörden warnen weiterhin nachdrücklich davor, die Risiken durch unterschiedliche Eisdicken, Schmelzvorgänge an Wassereinläufen oder die Einwirkung der Sonne zu unterschätzen. Trotz der Faszination des winterlichen Eiszaubers bleibt die Sicherheit der Besucher oberstes Gebot.



