DDR-Eisbrecher „Stephan Jantzen“ muss in die Werft: Ehrenamtliche kämpfen für maritimes Erbe
Eisbrecher „Stephan Jantzen“: Werftaufenthalt für maritimes Denkmal

DDR-Eisbrecher „Stephan Jantzen“ steht vor umfangreichem Werftaufenthalt

Im Rostocker Stadthafen bereitet sich ein maritimes Wahrzeichen auf eine bedeutende Reise vor: Der historische Eisbrecher „Stephan Jantzen“, eine Ikone aus DDR-Zeiten, muss für umfangreiche Instandhaltungsarbeiten ins Trockendock. Für die ehrenamtlichen Mitglieder des Vereins Technische Flotte Rostock bedeutet dies eine emotionale Phase, denn sie haben das Schiff über Jahre mit großem Engagement gepflegt und erhalten.

Herzblut für ein maritimes Denkmal

Jürgen Neupert, der 83-jährige Schiffstechnische Offizier, kennt jede Schraube und jedes Bauteil der „Stephan Jantzen“. Mit fast liebevoller Hingabe überwacht er die Technik an Bord und verspricht: „Ich werde unser Baby während der Werftliegezeit nicht aus den Augen lassen.“ Der erfahrene Seemann, der selbst zehn Jahre auf Frachtern und Tankern zur See gefahren ist, will das Schiff persönlich in die Werft begleiten. Zusammen mit einem kleinen Team wird er dabei sein, wenn der mehr als 3000 Tonnen schwere Eisbrecher aus dem Wasser geholt wird.

Der Verein Technische Flotte Rostock leistet jährlich zwischen 13.000 und 15.000 Stunden ehrenamtliche Arbeit, um das 68 Meter lange Schiff in Schuss zu halten. Vereinskapitän Thomas Gehrke betont: „Es handelt sich um ein technisches Denkmal. Wir wollen den Besuchern dieses maritime Erbe näherbringen und ihnen das Leben an Bord veranschaulichen.“ Bis zu 10.000 Besucher nutzen jährlich die Möglichkeit, den Eisbrecher im Stadthafen zu besichtigen.

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Umfangreiche Werftarbeiten für langfristige Sicherheit

Die Hansestadt Rostock, seit 2017 Eigentümerin des Schiffes, hat gemeinsam mit der Bürgerschaft beschlossen, die „Stephan Jantzen“ für umfangreiche Werftarbeiten zu schicken. Das Rostocker Hafenamt erstellt aktuell ein detailliertes Leistungsverzeichnis mit allen notwendigen Arbeiten, das bis Ostern fertiggestellt werden soll. Anschließend erfolgt die europaweite Ausschreibung für die Werftzeit.

Die geplanten Maßnahmen umfassen:

  • Komplettes Abdichten des Rumpfes unterhalb der Wasseroberfläche
  • Entfernung des Bewuchses am Unterwasserschiff
  • Abstrahlen und Neuanstrich der gesamten Bordwand
  • Sicherstellung der dauerhaften Schwimmfähigkeit

Die Kosten für diese umfassenden Arbeiten werden auf etwa 2,1 Millionen Euro geschätzt. Noch ist nicht endgültig geklärt, welche Werft den Auftrag erhalten wird, aber die Vereinsmitglieder hoffen auf einen Standort in der Nähe Rostocks.

Logistische Herausforderungen und Zeitplan

Da die Hauptmaschine seit der Außerdienststellung 2005 nicht mehr in Betrieb ist und keine aktuelle Betriebsgenehmigung vorliegt, kann die „Stephan Jantzen“ nicht eigenständig in die Werft fahren. Das Schiff muss geschleppt werden – eine Aufgabe, für die bereits alle Vorbereitungen getroffen wurden. Jürgen Neupert hat den Zustand aller Kraftstoff-, Öl- und Frischwassertanks überprüft, um einen sicheren Transport zu gewährleisten.

Für die Werftliegezeit sind insgesamt 42 Tage vorgesehen. Obwohl der genaue Termin noch nicht feststeht, hat Vereinskapitän Thomas Gehrke ein klares Ziel: „Wir wollen die ‚Jantzen‘ zur Hanse Sail im August 2027 wieder an ihrem angestammten Liegeplatz im Rostocker Stadthafen haben.“ Dann soll das maritime Denkmal wieder als lebendige Attraktion für Besucher zur Verfügung stehen.

Jürgen Neupert freut sich bereits auf die Rückkehr: „Und dann präsentieren wir uns wieder als lebendiges, maritimes Denkmal. Anders als auf einem Museumsschiff kann man bei uns das Leben und Arbeiten an Bord noch hautnah nachvollziehen.“ Für die Rostocker und die vielen maritim Interessierten bedeutet dies, dass sie nur vorübergehend auf ihre beliebte Sehenswürdigkeit verzichten müssen, bevor die „Stephan Jantzen“ in neuem Glanz zurückkehrt.

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