Eisige Müritz weckt DDR-Erinnerungen: Vom Frachthafen zum Urlaubsparadies
Eisige Müritz weckt DDR-Erinnerungen

Eisige Müritz weckt DDR-Erinnerungen: Vom Frachthafen zum Urlaubsparadies

Bei diesem Foto kommen Menschen ins Schwärmen: Sie erinnern sich an Radtouren, Reha-Aufenthalte und den großen Umbau der Stadt, den es zu DDR-Zeiten und danach gab. Dauerfrost machte es möglich: Die Müritz ist in diesem Winter zugefroren. Ambitionierte Spaziergänger hatten die seltene Gelegenheit, über den größten Binnensee Deutschlands zu wandern. Vom Nordufer bis zum Südufer wären es ungefähr 18 Kilometer.

Medienhype um eisiges Drohnenfoto

Ein eisiges Drohnenfoto des Hafens von Waren landete Ende Januar als Bilderrätsel im Heimweh-Newsletter des Nordkurier und dabei kamen die Antworten der Leserinnen und Leser besonders schnell. Sicher kein Zufall, denn die Bilder waren gerade überall in den Medien. So schrieb Rita aus Burg: „Hatte es neulich im Nordmagazin schon bewundert. Wenn die ganze Welt nur so friedlich wäre, wie das Bild vermittelt.“ Hartmut erinnerte sich an eine Fahrradtour: „Unser Quartier lag im Hotel aus DDR-Zeit, das ein Jahr später gesprengt und abgerissen wurde.“

Persönliche Geschichten und Reha-Erinnerungen

Das Hotel stand in Klink und mit dem Ort verbindet auch Heike aus Schwerin Erinnerungen, denn 2010 war sie dort mit ihrem Mann zur Reha: „Nach einer erfolgreichen Nierentransplantation habe ich ihn dort begleitet und wir stießen bei der Ankunft auf die zugefrorene Müritz! Es war ein wunderschöner Anblick! Ganz langsam taute sie irgendwann auf!“ Auch Corinna, Solveig, Peter aus Pinneberg und Kathrin aus Thüringen lagen richtig. Kathrin dachte ebenfalls an eine Radtour und schrieb: „Die schöne Stadt Waren erkenne ich sofort am markanten Kirchturm. Vor ein paar Jahren verlebte ich wunderbare Urlaubstage an dem großen See.“

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Vom Industriehafen zum Tourismuszentrum

Ebenfalls aus Hamburg erreichte uns ein Anruf von Georg, der sich an ganz andere Zeiten erinnerte: als der heutige Sportboothafen noch ein Frachthafen war. „In den 60er-Jahren war hier noch ein Gleisanschluss mit Windenanlage installiert“, erinnert er sich. Damals war er noch ein Kind, doch er weiß noch, wie er zusah, wie die Loks mit der Seilwinde in den engen Kurven gehalten worden sind. Zuckerrüben, Holz und Getreide wurden dort damals verladen. Es gab ein Gasometer, einen Ladekran, Speicher für Eier und Getreide.

Georg wurde Eisenbahner und bekam Arbeit im Bahnbetriebswerk in Waren. Dort setzten sie Loks instand, wie die berühmte Ludmilla aus der Sowjetunion, die sie damals aber noch nicht so nannten. Auch die „Teigatrommel“ aus der Lokomotivfabrik Luhansk kam bei ihnen unter. Bereits in den 70er-Jahren erlebte die Stadt den großen Umbau: Gleise wurden aus dem Ortskern verlegt, das freie Gelände ist nun an die Bedürfnisse der vielen Urlauber angepasst.

Wandel und Heimweh

Georg selbst hat das ab 1992 nur noch aus der Ferne erlebt, denn in diesem Jahr musste das Bahnbetriebswerk schließen. Der Müritzer Jung kam nach Hamburg und blieb der Bahn treu. Seit knapp zwei Jahren ist er im Ruhestand und kann sich vorstellen, wieder zurückzukehren. Doch noch muss er auf seine Lebensgefährtin warten, ehe sie in Rente geht. So fahren sie meist im Sommer an die Müritz – um seine Geschwister zu besuchen und den schönen Hafen zu sehen. Die Veränderung am Warener Hafen ist auf Luftbildern von 1953 und 2012 deutlich zu erkennen: Aus einem industriellen Frachthafen wurde ein idyllisches Urlaubszentrum.

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