Eiszauber an der Müritz: Hunderte wagen trotz Warnungen den Spaziergang auf dem Eis
Die Müritz präsentiert sich in diesem Winter als beeindruckende Eislandschaft und zieht zahlreiche Besucher in ihren Bann. Hunderte Menschen nutzten den sonnigen Sonntag für einen ungewöhnlichen Bummel auf dem zugefrorenen See, obwohl die Behörden eindringlich vor tückischen Eisstellen warnen. Die letzten Nacht-Temperaturen von bis zu minus neun Grad Celsius ließen bei vielen die Bedenken schwinden, wie deutlich sichtbare Spuren im Schnee zeigten.
Eispanzer mit besonderen Eigenschaften
Der Kern-Eispanzer weist eine Dicke von etwa 15 bis 20 Zentimetern auf. Darüber hat sich ein komplexes Gemisch aus dem Eisregen der vergangenen Tage, weiterem Schnee, Regen sowie zusätzlichem Schnee in der Nacht zu Samstag gebildet. Dieses besondere Eismilieu nutzten Verliebte sogar für eine romantische Botschaft: Sie formten ein Valentinstag-Herz auf der Außenmüritz. Durch den starken Frost am Wochenende ist diese Schicht nun ebenfalls gefroren, doch für Aktivitäten wie Schlittschuhlaufen oder Eissegeln eignet sich das schneebedeckte Eis-Gemisch derzeit nicht.
Tradition und Vorsicht im Wechselspiel
Anwohner der Müritz-Region nutzen solche seltenen Winterereignisse traditionell gerne, um ihre Stadt oder den Urlaubsort einmal von der Seeseite aus zu betrachten. Manche fahren auf dem Eis mit Skiern oder Fahrrädern, andere genießen einfach einen Spaziergang durch den Stadthafen. Allerdings geben die Behörden das Eis niemals offiziell frei und mahnen regelmäßig zur Vorsicht. Sie warnen davor, das Risiko durch unterschiedliche Eisdicken oder die Schmelze an Wassereinläufen beziehungsweise durch Sonneneinstrahlung zu unterschätzen.
Besondere Beobachtungen auf dem See
Mitten auf der Binnenmüritz – der großen Bucht im Norden des riesigen Sees bei Waren – hatte sich an einer windgeschützten Stelle eine offene Wasserfläche gebildet. Dort tummelten sich zahlreiche Wasservögel, während die Eis-Spaziergänger einen großen Bogen um diese gefährliche Zone machten. Die Binnenmüritz erstreckt sich zwischen Nordufer und dem bewaldeten gegenüberliegenden Ufer über eine Länge von rund zwei Kilometern.
Historischer Rückblick und regionale Ausdehnung
Die Müritz war zuletzt im Winter vor fünf Jahren komplett zugefroren. Vor dreißig Jahren erreichte das Eis sogar Stärken von bis zu 60 Zentimetern. Solche mächtigen Eispanzer sind jedoch äußerst selten und erfordern besondere Vorsichtsmaßnahmen: Stegbesitzer und das Wasser- und Schifffahrtsamt schneiden dann ihre Anlagen vorsorglich frei, um zu verhindern, dass der enorme Eisdruck beim Tauen Schäden verursacht. In der Vergangenheit beschleunigte starker Regen oft das Tauen, während das Eis in manchen Wintern bis Ostern erhalten blieb.
Neben der Müritz sind inzwischen alle Mecklenburger Oberseen, die ohne Schleusen miteinander verbunden sind und eine gemeinsame Wasserfläche von 211 Quadratkilometern bilden, unter Eis. Zu diesem beeindruckenden Netz gehören der Kölpinsee, Fleesensee, Plauer See und der Petersdorfer See. Diese gemeinsame Eisfläche übertrifft mit 211 Quadratkilometern nicht nur die Fläche Rostocks (181 Quadratkilometer), sondern ist auch größer als der deutsche Teil des Bodensees (173 Quadratkilometer).



