Fluthilfe in Vorpommern: Zwischen Dankbarkeit und verbalen Attacken
Fluthilfe: Zwischen Dank und verbalen Attacken

Flutkrise in Vorpommern: Helfer zwischen Anerkennung und Anfeindungen

Die Hochwassersituation im mittleren Peene- und Tollensetal hat sich deutlich entspannt, nachdem tagelange Einsätze von Feuerwehren, THW und zahlreichen Helfern die schlimmsten Überflutungen abgewendet haben. Während an einigen Stellen noch Pumpen laufen, um Gehöfte vor Oberflächenwasser zu schützen, können die Böden das Nass nun wieder besser aufnehmen.

Großaufgebot an Einsatzkräften im Dauereinsatz

Die meisten Feuerwehren der Region waren seit dem vergangenen Samstag durchgehend im Einsatz, viele bis in den neuen Wochenstart hinein. Im Loitzer Ortsteil Nielitz stoppten die Pumpen erst am Montagabend, in Jagetzow bei Jarmen sogar erst am darauffolgenden Tag. Nach den anstrengenden Einsätzen stand für die Brandbekämpfer noch lange nicht Dienstschluss an: Fahrzeuge und Ausrüstung mussten gereinigt, sortiert und teilweise umfangreiche Schlauchtausche durchgeführt werden.

Überwältigende Solidarität und praktische Unterstützung

Besonders beeindruckend war die große Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung. In Jagetzow packten viele Einwohner aktiv mit an, befüllten und verteilten rund 1500 Sandsäcke. Landwirtschaftsbetriebe wie der Rustower Agrarservice, die Trantower Agrar GmbH und die Landmaschinentechnik Baase stellten Pumpwagen und Fahrer zur Verfügung. In der Nachbargemeinde Sassen-Trantow unterstützten die Agrargenossenschaft Schwingetal und Pommern Natura mit zwei Tankwagen.

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Die Verpflegung der Einsatzkräfte funktionierte erstaunlich unkompliziert: Einwohner brachten Getränke und Kuchen vorbei, das Restaurant Peenegleis in Loitz kochte kurzfristig Essen für alle, und im Gerätehaus Düvier sorgte zeitweise der Betreuungszug des DRK Uecker-Randow für das leibliche Wohl. Im Jarmener Ortsteil Leussin holten Anwohner sogar den Grill heraus, um Rostbratwürste für die Helfer zuzubereiten.

Regionale und überregionale Hilfe

Nicht nur die lokalen Feuerwehren waren im Einsatz. Brandbekämpfer aus den Nachbarlandkreisen Mecklenburgische Seenplatte und Vorpommern-Rügen rückten in das Grenzgebiet Vorpommern-Greifswalds aus. Auch aus Demmin, dem Amt Treptower Tollensewinkel sowie aus Grimmen und den Gemeinden Wendisch-Baggendorf und Süderholz kamen Unterstützungskräfte.

Das Technische Hilfswerk (THW) war mit zahlreichen Ortsverbänden aus ganz Mecklenburg-Vorpommern an den kritischsten Punkten präsent. Nirgends am mittleren Peene- und Tollensetal gab es ein derartiges Großaufgebot wie im Loitzer Nielitz, wo gleich vier Ortsverbände gleichzeitig im Einsatz waren.

Schattenseiten der Hilfsaktionen

Trotz der überwiegend positiven Resonanz mussten die Einsatzkräfte auch unschöne Erfahrungen machen. Einige Grundstückseigentümer zeigten Unverständnis darüber, warum die begrenzte Anzahl an Pumpen nicht prioritär bei ihnen aufgestellt wurde. Straßensperrungen, die wegen der Überflutungen und verlegten Schläuche notwendig waren, stießen auf Widerstand: In Düvier wurden Barrieren immer wieder beiseite geräumt, und in Zemmin bekamen Helfer von einigen Durchreisenden Schimpfworte und Stinkefinger gezeigt.

Besonders problematisch waren Autofahrer, die mit überhöhtem Tempo über Schläuche und durch Wasserlachen fuhren. An der Kreisstraße durch Bentzin und Zarrenthin sorgte dieses Verhalten dafür, dass Wasser immer wieder in Hofeinfahrten gespült wurde und die Arbeit der Helfer teilweise zunichtemachte.

Einsatzleiter und Bürgermeister zeigen sich dankbar

Die Verantwortlichen vor Ort betonten dennoch die überwiegend positive Zusammenarbeit. Loitz' Gemeindewehrführer Stephan Mielke und Bürgermeisterin Christin Witt zeigten sich entsprechend dankbar für die vielfältige Unterstützung. Auch Jarmens Bürgermeister Thomas Breitsprecher, selbst Mitglied bei den Brandbekämpfern, lobte: „In der Not halten die Leute zusammen.“ Viele Einwohner hätten nicht nur bei den Sandsackaktionen geholfen, sondern auch Traktoren und Radlader zur Verfügung gestellt.

Die Feuerwehr Jarmen unterstützte ihre Kollegen im Umland mit mobilen Kücheneinheiten, um warme Mahlzeiten zu liefern. In Zemmin luden neben dem Landwirtschaftsbetrieb Kühling, der einen Pumpwagen bereitstellte, auch der Feuerwehrförderverein Tutow-Bentzin und der Heimatverein die Einsatzkräfte zum Büfett ein.

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Obwohl die akute Gefahr gebannt scheint und nur noch an wenigen Stellen wie in Wilhelminenthal Pumpen laufen, bleiben die Erfahrungen dieser Krisentage den Helfern in Erinnerung – sowohl die positiven Momente der Solidarität als auch die frustrierenden Begegnungen mit Unverständnis und Aggression.