Geisternetze in der Ostsee: KI hilft bei der Jagd auf tödlichen Plastikmüll
Geisternetze in der Ostsee: KI jagt tödlichen Plastikmüll

Geisternetze in der Ostsee: Die stille Gefahr aus Plastik

Sie werden zu tödlichen Fallen für Fische, Robben und Tauchvögel: verlorene Fischernetze, sogenannte Geisternetze, die den Meeresgrund der Ostsee vermüllen. Die Umweltschützer des WWF haben sich auf die Jagd nach diesen gefährlichen Hinterlassenschaften der Fischerei gemacht – und setzen dabei zunehmend auf moderne Technologie.

Tödliche Erbschaft der Fischerei

"Geisternetze sind ein massives Problem, weil diese Netze im Meer weiterfischen", erklärt Meeresbiologin Gabriele Dederer vom WWF. Tiere verenden darin qualvoll, oft über Jahre hinweg. Die Dimensionen sind erschreckend: Allein in europäischen Meeren gehen jährlich bis zu 3.000 Tonnen Netze, Reusen und anderes Fanggerät verloren. Nach aktuellen Studien machen Geisternetze 30 bis 50 Prozent des Plastikmülls in den Weltmeeren aus – und benötigen 400 bis 600 Jahre, bis sie sich zersetzen.

Moderne Technologie im Einsatz

Die Bergung beginnt mit der Suche. Das Team um Dederer setzt dabei auf Sonartechnik, die den Meeresboden mit Schallwellen abtastet. Die Auswertung der Sonarbilder erfordert viel Erfahrung – oder künstliche Intelligenz als Hilfsmittel. "Unsere KI erkennt bereits 94 Prozent aller Netze, die ich selbst identifizieren kann", berichtet Dederer stolz. Das Forschungsteam arbeitet intensiv daran, die Fehlerquote weiter zu reduzieren.

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Gefährliche Bergungsaktion

Kapitän Christian Howe warnt vor den Risiken: "Das ist fiesestes Zeug, in dem man sich verheddern kann". Die Taucher müssen extrem vorsichtig vorgehen, wenn sie die Netze vom Meeresgrund lösen oder verhedderte Tiere befreien. Oft liegen die Netze zwischen Metallschrott und anderen Hindernissen. Bei einer aktuellen Aktion vor Laboe barg das Team überraschend 170 Meter Netz – deutlich mehr als zunächst erwartet. 45 Minuten dauerte die anstrengende Bergung, bei der neben dem Netz auch Plastik, Kabel und anderer Müll entfernt wurden.

Vernetzung und Verifikation

Um mehr Geisternetze zu finden, hat der WWF eine App für Hobbytaucher entwickelt. Darin können neue Koordinaten eingetragen und bestehende Funde verifiziert werden. "Wenn das zu meinen Tauchfähigkeiten passt, kann ich nachschauen und den Fund als verifiziert vermerken", erklärt Dederer das Prinzip. Die Meldeketten funktionieren bisher noch nicht optimal, doch die Bemühungen zeigen Erfolge.

Erfolge und Zukunftsperspektiven

Seit 2021 fördern Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern die Suche nach Geisternetzen. In dieser Zeit konnten bereits 12,6 Tonnen Meeresmüll geborgen werden. In diesem Sommer wird entschieden, ob das Programm fortgesetzt wird. Für Dederer ist klar: "Es gibt viele Probleme für die Ozeane und Meere. Aber wenn man hier ein bisschen beitragen kann, dass das kleiner wird, ist das so schlecht nicht." Die Freude über jede erfolgreiche Bergung ist groß – besonders wenn, wie kürzlich geschehen, ein besonders langes Netz aus der Ostsee entfernt werden kann.

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