Großübung in Vorpommern: Rettungskräfte meistern Zugunglück mit Gefahrgut und Massenverletzten
Großübung: Zugunglück mit Gefahrgut in Vorpommern

Schreckensszenario für Rettungskräfte: Zugunglück mit Gefahrgut und Massenverletzten

Am Wochenende wurde die Bahnstrecke zwischen Greifswald und Lubmin in Vorpommern zum Schauplatz einer außergewöhnlichen Rettungsübung des Landkreises Vorpommern-Greifswald. Hunderte Einsatzkräfte mussten sich einem inszenierten Katastrophenszenario stellen, das in seinem Umfang und seiner Komplexität in der Region bisher beispiellos war.

Hollywood-reifes Szenario mit realen Herausforderungen

Die Verantwortlichen konfrontierten die Helfer mit einem Zugunglück, das kaum dramatischer hätte sein können: Eine Lokomotive mit einem Salpetersäure-Behälter rammte einen die Schienen kreuzenden Pkw. Kurz darauf fuhr ein mit etwa 40 Personen besetzter Triebwagen in die bereits chaotische Unfallstelle hinein. Die Passagiere, Autoinsassen und der Lokführer erlitten teils schwere Verletzungen, während gleichzeitig Salpetersäure aus dem beschädigten Gefahrguttank austrat.

Thomas Putzar von der Technischen Einsatzleitung Vorpommern-Greifswald betonte die besonderen Herausforderungen: „Diese Kombination aus Schienenfahrzeugen, Massen an Betroffenen und der Säure erzeugt nicht alltägliche Probleme für unsere Feuerwehrleute und Mediziner.“ Die Übung fand auf dem Streckenabschnitt nördlich von Diedrichshagen unmittelbar an der Brücke der B109 über das Gleis statt.

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Komplexe Sicherungsmaßnahmen und verzögerte Hilfe

Eine der größten Schwierigkeiten bestand in der Sicherung der Züge. Putzar erläuterte: „Wie wir einen Pkw, Lkw oder Bus sichern, wissen wir. Aber die Bahn stellt eine völlig andere Hausnummer dar.“ Es mussten kritische Fragen geklärt werden: Wie wird ein Zug stromlos gemacht? Wie wird ein Diesel ausgeschaltet? Wie wird der Lokführer gerettet?

Besonders problematisch ist die zeitliche Verzögerung bei solchen Einsätzen. „Bevor überhaupt jemand von unseren Leuten die Gleise betritt, muss eine Freigabe von der Deutschen Bahn kommen“, verdeutlichte Putzar. Bei elektrifizierten Strecken kommt zusätzlich die Stromschlaggefahr hinzu, was die Rettungsarbeiten weiter verkompliziert.

Einjährige Vorbereitung und umfangreicher Personaleinsatz

Die Vorbereitungen für diese Großübung liefen gut ein Jahr. Neben rund einem Dutzend Feuerwehren mit mehr als 120 Kameraden und Kameradinnen waren das Deutsche Rote Kreuz (DRK), das Technische Hilfswerk (THW) sowie Landes- und Bundespolizei beteiligt. Auch die Deutsche Bahn leistete wichtige Informationsarbeit im Vorfeld, einschließlich eines Besuchs im DB-Schulungszentrum Rostock, wo sicherheitsrelevante Besonderheiten von Zügen erläutert wurden.

Insgesamt dürften etwa zweihundert Einsatzkräfte von Kommunen und Landkreis involviert gewesen sein, dazu Hilfsorganisationen und Polizei in jeweils zweistelliger Zahl sowie circa 50 Statisten, darunter Kinder, die die Verletzten mimten.

Realistische Patientenversorgung und Gefahrgutbekämpfung

Die aus dem Zug geholten Fahrgäste wurden zunächst provisorisch am Feld- und Wegrand betreut, bevor sie zur Sichtungsstelle gebracht wurden. Dort kam die Triage zur Anwendung, um weniger schwere von komplizierten Fällen zu trennen. Jeder Verletzte erhielt eine Karte mit Vermerk seines Zustands.

Vor Ort wurde ein Behandlungsplatz mit Feldbetten und mobilen Pavillons eingerichtet, da der Weitertransport in umliegende Kliniken nur schrittweise erfolgen konnte. Parallel nahmen Polizisten Personalien auf, während sich der Gefahrgutzug des Landkreises um die auslaufende Salpetersäure kümmerte.

Herausforderungen bei der technischen Rettung

Die Sicherung des hochkant vor der Lok aufgerichteten Autos und die Rettung seiner Insassen erwiesen sich als besonders schwierig. Die auf den Vordersitzen ließen sich erst nach Absenken des Wagens auf die Räder gefahrlos herausholen. Beim Abdichten des Säuretanks mit Chemieschutzanzügen kam es zu einem weiteren Malheur: Ein Helfer beschädigte seine Spezialkleidung während der Aktion.

Die Übung stieß auch auf politisches Interesse. Innenminister Christian Pegel (SPD) besuchte die Einsatzstelle in Diedrichshagen, um sich ein Bild von den umfangreichen Vorbereitungen und Abläufen zu machen.

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Diese Großübung demonstrierte eindrucksvoll, wie Rettungskräfte in Vorpommern auf komplexe Katastrophenszenarien vorbereitet sind – und welche Herausforderungen im Ernstfall zu bewältigen wären.