Iran-Konflikt belastet globale Wirtschaft – Rostocker Hafen bleibt vorerst unberührt
Der anhaltende Krieg im Iran sorgt für erhebliche Turbulenzen in der weltweiten Wirtschaft und im Energiesektor. Während die direkten Auswirkungen auf den Rostocker Seehafen bisher ausbleiben, machen sich die indirekten Folgen bereits an den Tankstellen und in den Unternehmen bemerkbar.
Rostocker Hafen verzeichnet Rekordumschlag trotz globaler Krise
Rostock bleibt der größte deutsche Hafen an der Ostsee und konnte im vergangenen Jahr ein beeindruckendes Umschlagergebnis von über 30 Millionen Tonnen im Überseehafen verzeichnen. Dies stellt einen neuen Rekord dar, wie der Hafenbetreiber Rostock Port mitteilte. Besonders das Ölgeschäft im Hafen war seit 2022 stabil – eine direkte Folge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Fast sechs Millionen Tonnen Rohöl wurden in Richtung der PCK-Raffinerie in Schwedt gepumpt.
Straße von Hormus als neuralgischer Punkt der Weltwirtschaft
Die aktuelle Eskalation im Iran-Krieg hat jedoch massive Auswirkungen auf die globale Seefahrt. Der Iran sperrte die strategisch wichtige Straße von Hormus, eine Meerenge zwischen dem Oman, den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Iran. Diese Route ist von entscheidender Bedeutung für den weltweiten Energietransport.
Bereits vor zwei Jahren hatte der AfD-Abgeordnete Kay Gottschalk das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz sowie Minister Robert Habeck (Grüne) nach den möglichen Auswirkungen einer gewaltsamen Sperrung dieser Meerenge gefragt. Die Antwort war eindeutig: Die Straße von Hormus ist für den globalen Erdöl- und Erdgashandel von zentraler Bedeutung.
Über diese Route werden transportiert:- 30 Prozent des weltweit seegelieferten Rohöls
- 20 Prozent des global gehandelten Rohöls
- Circa 26 Prozent der weltweiten Flüssiggasexporte
Davon sind 80 Prozent des Öls und 75 Prozent des Gases für asiatische Märkte bestimmt. Das Wirtschaftsministerium warnte damals bereits vor möglichen Preissprüngen durch Angebotsverknappung auf dem globalen Öl- und Gasmarkt – eine Prognose, die sich nun bewahrheitet.
Direkte Auswirkungen auf Rostock bleiben begrenzt
Karsten Lentz, Geschäftsführer von Euroports, betonte zuletzt: „Es gibt keine Auswirkungen auf die Euroports. Wir haben keine Ladungen aus Rostock in diese Region und andersherum kommt auch keine Ladung aus der Region hier an.“ Das nach Rostock gelieferte Rohöl stamme hauptsächlich aus den USA und Norwegen, und einen Gasumschlag gebe es im Hafen nicht.
Indirekte Folgen treffen Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern
Trotz der direkten Verschonung des Hafens spürt die Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern die Auswirkungen des Konflikts deutlich. Das Wirtschaftsministerium des Landes ließ wissen, dass die Wirtschaft in MV, wie die gesamte deutsche Wirtschaft, von steigenden Öl- und Gaspreisen betroffen sei.
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Rostock weist auf mehrere problematische Entwicklungen hin:
- Verzögerungen in Lieferketten
- Höhere Frachtraten
- Mögliche Ausfälle bei Vorprodukten
Die steigenden Kraftstoffpreise könnten laut dem Wirtschaftsministerium „gerade im Transportgewerbe, aber auch für viele andere Unternehmen, schnell zu einer erheblichen Belastung werden.“ Besonders in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern seien viele Unternehmen und Pendler vergleichsweise stark von Preissteigerungen an den Tankstellen betroffen.
Energieversorgung bleibt gesichert, aber teurer
Die Versorgungssicherheit mit Energie ist derzeit nicht unmittelbar gefährdet, wie das Ministerium betont. Deutschlands Gasbezug würde über Importrouten aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien sowie über Flüssigerdgas (LNG) sichergestellt werden. Allerdings könnten die steigenden Öl- und Gaspreise mittelbar auch zu höheren Strompreisen führen.
Die IHK stellt klar: „Aufgrund anderer Bezugsmärkte sind Lieferengpässe hinsichtlich Öl und Gas unwahrscheinlich, die Preiseffekte aber deutlich spürbar.“ Da Öl und Gas global nachgefragt werden, richtet sich die Preisbildung nach Angebot und Nachfrage – eine Entwicklung, die für kleine und mittlere Unternehmen eine zusätzliche Belastung darstellen kann.
Aida Cruises traf frühzeitige Vorsichtsmaßnahmen
Während im Nahen Osten derzeit tausende Touristen auf Kreuzfahrtschiffen festsitzen und ausgeflogen werden müssen, ist Aida Cruises mit Sitz in Rostock von der aktuellen Lage nicht betroffen. Das Unternehmen hatte bereits im Juli 2025 die Entscheidung getroffen, vorerst keine Orientreisen durchzuführen.
Ein Unternehmenssprecher erklärte: „Diese Entscheidung wurde aufgrund der nicht verlässlich einschätzbaren Situation getroffen – und weil wir unseren Kunden frühestmöglich verlässliche Klarheit bieten wollten.“ Derzeit befinden sich keine Aida-Schiffe im Nahen Osten, und das Unternehmen beobachtet die hochkomplexe Lage weiter mit größter Sorgfalt.
Begrenzte außenwirtschaftliche Bedeutung der Region
Für die Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern spielt der Nahe Osten außenwirtschaftlich keine dominante Rolle. Laut IHK-Angaben lag der Anteil des Nahen Ostens an den Exporten des Landes im Jahr 2024 bei lediglich 1,7 Prozent (157,3 Millionen Euro), die Importe bei 0,49 Prozent (43,9 Millionen Euro).
Sanktionsbedingt entfielen davon nur 0,007 Prozent der Exporte und 0,009 Prozent der Importe auf den Iran. Dennoch warnt die IHK davor, die Bedeutung der Region für den Welthandel zu unterschätzen: Eine „rein außenhandelsstatistische Betrachtung“ würde dem Einfluss der Region auf globale Handelsströme nicht gerecht werden.
Bundesregierung in der Verantwortung
Das Schweriner Wirtschaftsministerium sieht die Hauptverantwortung für die Bewältigung der Krise beim Bund. „Es ist in erster Linie Aufgabe des Bundes, den Folgen der aktuellen geopolitischen Krise, zum Beispiel bei den Kraftstoffpreisen, entgegenzuwirken“, heißt es aus dem Ministerium. Die Landesregierung will die weiteren Entwicklungen jedoch sehr aufmerksam beobachten.
Die konkreten Auswirkungen des Iran-Krieges auf einzelne Wirtschaftsbereiche seien laut Ministerium derzeit „nicht belastbar prognostizierbar“ und würden maßgeblich von der Dauer und dem Eskalationsgrad des Konflikts abhängen.



