Studie enthüllt: Kielwasser großer Schiffe verursacht massive Störungen in der Ostsee
Der Schiffsverkehr in der Ostsee führt zu erheblich mehr Wirbeln als bisher angenommen, wie eine neue Studie des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) zeigt. Vor allem große Schiffe erzeugen durch ihr Kielwasser kräftige Verwirbelungen, die die Wassersäule verändern und zu Erosionen am Meeresboden führen. Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht und werfen ein neues Licht auf die mechanischen Auswirkungen des kommerziellen Schiffsverkehrs.
Forschungsfahrten in der Kieler Bucht liefern entscheidende Daten
Von zentraler Bedeutung für die Studie waren Forschungsfahrten in die Kieler Bucht, insbesondere die Expedition AL619 mit dem Forschungsschiff Alkor im Jahr 2024 unter Leitung der Universität Kiel. Akustische Messungen ergaben, dass sich das Kielwasser einschließlich Luftblasen bis in Tiefen von 12 bis 16 Metern ausbreiten kann und dabei die natürliche Schichtung der Wassersäule zerstört. Besonders in der westlichen Ostsee, wo dicht befahrene Schifffahrtsrouten Meeresgebiete mit vergleichsweise geringer Wassertiefe von oft unter 20 Metern durchkreuzen, sind diese Effekte ausgeprägt.
Auswirkungen auf den Meeresboden und marine Ökosysteme
Die Auswirkungen des Schiffsverkehrs am Meeresboden sind besonders deutlich: Die Forscher erfassten Tausende, meist kleinräumige Vertiefungen im Untersuchungsgebiet, vor allem im Umfeld größerer Steine. Die durch Schiffsschrauben erzeugten Schubspannungen überschritten regelmäßig die Schwellenwerte, ab denen Sediment in Bewegung gerät – in einzelnen Fällen über Streifen von bis zu 60 Metern Breite entlang der Fahrtrichtung. Diese Prozesse haben potenziell weitreichende Folgen für marine Ökosysteme:
- Die Durchmischung der Wassersäule beeinflusst den Austausch von Sauerstoff, Nährstoffen sowie gelösten Spurenelementen zwischen Oberflächen- und Bodenwasser.
- Die Erosion des Meeresbodens führt zur Mobilisierung von Sedimenten, die organisches Material sowie gebundene Schad- und Nährstoffe enthalten können.
Jacob Geersen, Meeresgeologe am IOW und Erstautor der Studie, erklärt: „Bislang wurde der Einfluss des Schiffsverkehrs vor allem in Bezug auf Emissionen, Lärm oder das Risiko von Havarien diskutiert. Mit unserer Studie wollten wir der Frage nachgehen, ob und wie Schiffe auch als mechanischer Störfaktor wirken, der bis zum Meeresboden reicht.“ Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, die mechanischen Störungen durch Schiffsverkehr in zukünftigen Umweltbewertungen und Schutzmaßnahmen für die Ostsee stärker zu berücksichtigen.



