Der Maulwurf: Nützlicher Gärtner und Kannibale in Vorpommerns Unterwelt
Maulwurf: Nützlicher Gärtner und Kannibale in Vorpommern

Der samtige Fürst der Unterwelt: Ein Leben zwischen Nutzen und Kannibalismus

Noch vor wenigen Tagen herrschten in der Region zwischen Peenemünde, Demmin, Pasewalk und Penkun eisige Temperaturen von bis zu minus 16 Grad. Während viele Tiere unter den frostigen Bedingungen leiden, passt sich der kleine Buddelflink, der Maulwurf, geschickt an. Der gefrorene Erdboden, der einer 50 Zentimeter dicken Betonschicht gleicht, zwingt den Fürsten der Unterwelt dazu, noch eine Etage tiefer zu gehen, um Frostschäden zu vermeiden.

Winteraktiv trotz harscher Bedingungen

Der Maulwurf gehört zur Ordnung der Insektenfressenden Säugetiere, einer Gruppe von etwa 70 Wirbeltierarten, die ausschließlich auf der nördlichen Hemisphäre leben. Damit ist er eng mit dem Igel und den Spitzrüsslern verwandt. Während der Igel jedoch Winterschlaf hält, bleibt der Herr der Hügel auch im Winter bei einem hohen Stoffwechsel äußerst aktiv.

Die schwarzsamtigen Pelzträger erreichen mit ihrem kurzen Schwanz eine Gesamtlänge von etwa 20 Zentimetern und bringen in ihrer walzenförmigen Gestalt bis zu 130 Gramm auf die Waage. Täglich benötigen sie etwa die Hälfte ihres Körpergewichts an Nahrung. Bereits ab September legen sie in tieferen Kammern einen Nahrungsvorrat an, der vor allem aus Regenwürmern besteht. Diese werden an den Vorderenden abgebissen, um ihre Flucht zu verhindern.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Nützlicher Helfer mit dunkler Seite

Eigentlich gilt der Maulwurf als wertvoller Gartenbewohner. In seinem etwa fünfjährigen Leben vertilgt er bis zu 110 Kilogramm Nahrung, darunter einen hohen Anteil an Schädlingen wie Engerlingen, Schnecken und Asseln. Pflanzen stehen nicht auf seinem Speiseplan. Zudem erbeutet er Wühlmäuse, die er tötet und verspeist. Selbst in den Aufzuchtkammern macht er Jagd auf deren Nachwuchs und dezimiert so die Population dieser Gartenschädlinge erheblich.

Doch der niedliche Buddelflink hat auch eine dunkle Seite. In seinem Revier von bis zu 6.000 Quadratmetern ist er ein regelrechter Draufgänger und zugleich ein mürrischer Einsiedler. Artgenossen, die sein Territorium unterwandern, werden nicht nur getötet, sondern auch gefressen – der Maulwurf wird zum Kannibalen. Nur zur Paarung im Frühling lebt der kleine Bauarbeiter unter Tage kurzzeitig mit seiner Partnerin zusammen. Danach trennen sich die Wege der knurrigen Einzelgänger, und Mutter Maulwurf zieht die bis zu sechs Jungtiere alleine in einer etwa einen Meter tiefen Nestkammer auf.

Gefahren von oben und besondere Anpassungen

Nicht nur Artgenossen bedrohen den Maulwurf. Auch der Fuchs versucht, die Dunkelmänner auszugraben, und der Mäusebussard schlägt zu, wenn der Maulwurf sein Tunnelsystem verlässt. Selbst der Mistkäfer, der in einen Erdgang gerät, wird vom Maulwurf verzehrt.

Eine weitere bemerkenswerte Anpassung zeigt das spatzengroße Schwarzkehlchen. Obwohl es eigentlich ein Insektenfresser ist, bleibt dieser Vogel, der erst nach der Wende in großer Zahl aus dem Mittelmeerraum nach Deutschland eingewandert ist, in vielen Regionen Pommerns über den Winter. Er stellt seine Ernährung um und wird zum Pflanzenfresser, der sich von Körnern wilder Kräuter, Beeren und Früchten ernährt. Bereits Ende Februar war an einer Bahnstrecke bei Anklam der Gesang eines Schwarzkehlchens zu hören.

Naturerlebnis in Vorpommern

Wer dem wundervollen Klang der Umwelt lauschen und beim Anblick von Wildsäugern, Möwen, Adlern, Silberreihern und blühenden Wiesen Stress abbauen möchte, kann bei einer geführten Naturwanderung neue Kraft tanken. Diese Wanderungen bieten die Möglichkeit, die faszinierende Tier- und Pflanzenwelt Vorpommerns intensiv zu erleben.

Der Maulwurf, der oft mehrere hundert Meter unter Tage zurücklegt und dutzende Hügel auf Ackerkulturen errichtet, bleibt ein faszinierendes Beispiel für die Anpassungsfähigkeit und Komplexität der Natur in unserer Region.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration