Poel: Geheimtipp in der Ostsee kämpft mit Klimawandel und Politik
Poel: Geheimtipp in der Ostsee kämpft mit Klimawandel

Durch Buckelwal Timmy ist Poel gerade in aller Munde. Der Meeressäuger steckt seit dem 31. März im flachen Wasser vor der Ostseeinsel fest und kämpft um sein Leben. In einer Region, die davor kaum bekannt war, aber so viel mehr zu bieten hat. Denn das rund 37 Quadratkilometer große Eiland ist ein echter Geheimtipp, der mit beschaulichen Orten, langen Sandstränden und viel Ruhe lockt. Aber Poel hat, wie viele Orte in Mecklenburg-Vorpommern, auch mit Problemen zu kämpfen.

Lage und Anreise

Poel liegt gut zehn Kilometer nördlich der Hansestadt Wismar. Rund die Hälfte der knapp 3000 Inselbewohner lebt im Hauptort Kirchdorf. Besucher des Ostsee-Juwels landen vorwiegend an der West- und Nordküste Poels. Hier finden sich die drei Badeorte Timmendorf-Strand, Schwarzer Busch und Gollwitz mit ihren kilometerlangen Sandstränden. Die Insel ist über einen Damm mit dem Festland verbunden und kann mit dem Auto und dem Bus erreicht werden.

Touristisches Zentrum Timmendorf

Touristisches Zentrum ist Timmendorf, doch Mega-Hotelanlagen gibt es hier nicht. Zwischen Stränden, Schilfgürteln, blühenden Rapsfeldern und sattgrünen Wiesen haben Urlauber die Wahl aus idyllisch gelegenen Ferienwohnungen, reetgedeckten Ferienhäusern und Pensionen oder einem Campingplatz. Wer Poel besucht, sucht Ruhe. Wind, Sonne, Sandstrand und Dünen lassen den Stress hier schnell vergessen. Auf Poel sind die Strände auch in der Hochsaison nicht überfüllt.

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Paradies für Naturliebhaber

Ringsum plattes Land lädt zudem zum Wandern und Radfahren ein. In nur 2,5 Stunden kann man die Insel mit dem Rad umrunden. Teile der Insel stehen unter Naturschutz, die Salzgraswiesen sind ein wichtiger Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen. Die kleine Insel Langenwerder im Norden Poels gilt als Schutzgebiet für Seevögel und darf nicht einfach so betreten werden. Nur im Rahmen ornithologischer Führungen kann man sie von Juli bis Oktober in kleinen Gruppen erkunden.

Übrigens: Der Name Poel, der sich mutmaßlich von der slawischen Bezeichnung für „flaches Feld“ ableitet, ist irreführend, denn die Insel hat auch wildromantische Steilküsten zu bieten.

Was der Region Sorgen bereitet

Doch so idyllisch Poel ist, hat es auch mit Problemen zu kämpfen. Die Insel ist vom Klimawandel durch den Anstieg des Meeresspiegels und Hochwasser betroffen. Das erfordert kostenintensive Schutzmaßnahmen. Und auch die politische Krise in Mecklenburg-Vorpommern betrifft die Insel. Viele Einheimische arbeiten im Niedriglohnsektor der touristischen Einrichtungen. Wohnraum und Lebenshaltungskosten steigen dagegen stetig. Es fehlt an langfristigen Perspektiven, junge Bewohner wandern ab. Diese Unzufriedenheit zeigt sich im gesamten Bundesland: Bei der vergangenen Bundestagswahl hat die AfD ihr Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern nahezu verdoppelt. Bei den kommenden Landtagswahlen am 20. September 2026 kratzt die rechte Partei laut einigen Umfragen an der 40-Prozent-Marke.

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