Rettungsaktion für gestrandeten Buckelwal an der Ostsee dauert weiter an
Rettungsaktion für Buckelwal an Ostsee dauert an

Notfall an der Ostseeküste: Rettungsaktion für gestrandeten Buckelwal dauert an

Die dramatische Rettungsaktion für einen vor Timmendorfer Strand festsitzenden Buckelwal zieht sich weiter hin. Seit Montagmorgen steckt der massive Meeressäuger auf einer Sandbank im flachen Wasser fest, und die Bergungsversuche gestalten sich äußerst schwierig. Mit mehreren Baggern versuchen Experten nun, eine Rinne zu graben, um den Wal zurück in tieferes Wasser zu bringen.

Komplexe Bergungsarbeiten im trüben Wasser

Die Rettungsmannschaft steht vor besonderen Herausforderungen. Ein schwimmender Schaufelbagger arbeitet direkt um den gestrandeten Wal herum und trägt Sand ab, während ein zweiter Bagger eine Rampe baut, um näher an das Tier heranzukommen. Stephanie Groß, Walexpertin des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW), erklärt die Schwierigkeiten: „Der Wal ist zwar motiviert, doch die Rinne ist wegen der Orientierungsschwierigkeiten des Baggerfahrers noch unvollständig.“ Im trüben Wasser erkenne dieser oft nicht, wo er den Sand bereits bewegt habe.

Die geplante Rinne soll nun mit Bojen markiert werden, um die Arbeiten zu erleichtern. Baggerfahrer Tim Löhndorf von der Firma Ökologischer Gewässerdienst Wandhoff hatte zuvor erklärt, dass mit mehreren Baggern eine 50 Meter lange, sechs Meter breite und 1,20 Meter tiefe Rinne vor dem Kopf des Wals gegraben werden soll. Besonders herausfordernd seien dabei Wind und Strömung.

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Größer als erwartet: Ein massiver Meeressäuger

Messungen haben ergeben, dass der vor dem Ortsteil Niendorf liegende Buckelwal größer ist als zunächst angenommen. Joseph Schnitzler, ITAW-Experte, schätzt seine Länge auf 12 bis 15 Meter und sein Gewicht auf rund 15 Tonnen. „Bei einem so massiven Tier ist es umso schwieriger, es wieder in tieferes Wasser zu bringen“, betont Schnitzler. Anders als in der Nordsee gibt es in der Ostsee auch keine deutliche Tide, die den Wal wieder in tieferes Wasser spülen könnte.

Während der Rettungsaktion stand der Biologe Robert Marc Lehmann zeitweise neben dem Wal im Wasser und leitete den Schwimmbagger an. Der Wal reagierte auf die Annäherung mit lautem Schnauben und heftigen Bewegungen. Die Begutachtung durch einen Taucher habe jedoch ergeben, dass es um das Tier offenbar relativ gut stehe, so Walexpertin Stephanie Groß.

Schaulustige und gescheiterte Versuche

Zahlreiche Schaulustige versuchen in Timmendorfer Strand einen Blick auf den gestrandeten Wal zu erhaschen. Da der Bereich im Ortsteil Niendorf abgesperrt ist, sammeln sich die meisten am gegenüberliegenden Strand. Der 15-jährige Marc aus Lübeck hat sich mit einem starken Teleobjektiv für seine Spiegelreflexkamera vorbereitet: „Einen Wal sieht man nicht oft hier“, sagte er. Eine Frau aus dem dreißig Minuten entfernten Neustadt in Holstein zeigte sich hingegen enttäuscht, da sie nichts sehen könne.

Dies ist nicht der erste Rettungsversuch. Am Dienstag war ein Versuch mit einem kleinen Saugbagger gescheitert, da sich der Sand als zu fest erwies. Auch Versuche, mit Polizeibooten Wellen zu machen, damit sich der Wal freischwimmen kann, brachten nichts. Um den Wal nicht weiter zu stressen, waren die Versuche dann zunächst abgebrochen worden.

Langfristige Pläne und Hintergründe

Die Arbeiten seien weit fortgeschritten, sagte der Bürgermeister von Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke. Auch der Taucher solle den Meeressäuger dabei unterstützen, ins Freie zu kommen. Zudem hat der Bürgermeister nach eigenen Angaben Unterstützung bei Schleswig-Holsteins Innenministerin Magdalena Finke (CDU) angefordert, um den Wal von der Ostsee in die Nordsee zu geleiten. Die nötige Unterstützung mit Schiffen und Booten habe die Ministerin zugesagt.

Strandungen von Walen nehmen nach Ansicht von Experten zu. Auch weil die Jagd ausgesetzt wurde, wachse unter anderem die weltweite Buckelwal-Population stetig, hieß es im vergangenen Jahr seitens des ITAW in Büsum. Allein 2025 wurden mehrere Wal-Kadaver aus der Nordsee vor Sylt geborgen. Selten sind hingegen Massenstrandungen. Eine solche Häufung gab es etwa 2016 im flachen Wasser der Nordseeküste, als rund 30 Pottwale starben.

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