Ein Euro für die Zukunft der Ostsee: Rostocker rettet historischen Fischkutter
Ein symbolischer Kauf mit großer Bedeutung: Der 37-jährige Rostocker Paul Hildebrand hat den historischen Fischkutter „Storkow“ aus dem Baujahr 1949 für nur einen Euro erworben. Mit dieser ungewöhnlichen Transaktion verfolgt der gebürtige Rostocker eine klare Vision – die Rettung eines maritimen Kulturgutes für die gesamte Ostseeregion.
Vom Arbeitsgerät zum kulturellen Erbe
Der 17 Meter lange Kutter, der bis in die frühen 1990er Jahre aktiv zum Fischfang eingesetzt wurde, steht exemplarisch für eine Ära, die durch den dramatischen Fischrückgang in der Ostsee weitgehend zu Ende gegangen ist. „Fischkutter stehen wie kaum etwas anderes für die Identität unserer Region“, betont Hildebrand, der von Beruf Kfz-Mechatroniker und Berufskraftfahrer ist. Sein Antrieb ist rein ideeller Natur – kommerzielle Interessen spielen bei seinem Engagement keine Rolle.
Statt den Verfall des historischen Schiffes hinzunehmen, plant Hildebrand eine umfassende Restaurierung. Sein Ziel ist ambitioniert: Der Kutter soll am Alten Strom in Warnemünde als schwimmendes Museum oder für kulturelle Veranstaltungen und kurze Fahrten genutzt werden. Damit würde ein wichtiges Stück regionaler Geschichte nicht nur bewahrt, sondern auch öffentlich zugänglich gemacht.
Herausforderungen und erste Erfolge
Der Weg zur Realisierung dieser Vision ist allerdings mit Herausforderungen gepflastert:
- Ein Leck am Rumpf erfordert dringende Reparaturen
- Die Finanzierung der notwendigen Arbeiten ist noch ungesichert
- Die Gründung eines Fördervereins gestaltet sich schwierig
- Fachwissen im Holzschiffbau muss hinzugezogen werden
Trotz dieser Hürden konnte Hildebrand bereits erste Erfolge verbuchen. Ein kleiner Hafentörn in Begleitung eines Schiffsexperten verlief erfolgreich und demonstrierte die grundsätzliche Seetauglichkeit des Kutters. Zudem besteht ein guter Kontakt zum Heimatmuseum Warnemünde, und immer mehr Freunde sowie Bekannte erkennen den Wert der Rettungsaktion.
Ein Pionierprojekt mit Strahlkraft
„Der Winter hat ganz schön hereingeschlagen“, gibt Hildebrand zu, doch inzwischen verbringt er wieder regelmäßig Zeit auf dem im Rostocker Stadthafen liegenden Schiff. Neben Aufräumarbeiten – darunter Schwimmwesten, Taue und Netze – steht besonders die Instandsetzung des Motors im Fokus. Seine handwerkliche Ausbildung hilft ihm dabei, doch für spezielle Holzarbeiten benötigt er fachkundige Unterstützung.
Auf einer eigens eingerichteten Website präsentiert Hildebrand eindrucksvolle Fotos und Dokumente zur Geschichte des Kutters. Diese Dokumentation unterstreicht den historischen Wert des Schiffes und dient gleichzeitig der Werbung für das Projekt.
Experten sehen in Hildebrands Initiative ein mögliches Pilotprojekt für den Erhalt maritimen Kulturgutes in der Ostseeregion. Ob die „Storkow“ letztlich als Museum, Veranstaltungsort oder beides genutzt wird – der engagierte Rostocker hat mit seinem symbolischen Kauf einen wichtigen Impuls für die Bewahrung regionaler Identität gesetzt. Die Stadt Rostock und die gesamte Ostseeregion könnten von dieser beherzten Rettungsaktion noch lange profitieren.



